„La Ruche“: Schmidt Groupe eröffnet nachhaltiges Vorzeigegebäude

Die Rahmenbedingungen bleiben anspruchsvoll. Geopolitische Unsicherheiten belasten die Stimmung, viele Verbraucher halten sich mit größeren Anschaffungen zurück. So fährt auch die Wohn- und Einrichtungsbranche vielerorts noch mit angezogener Handbremse. Die Schmidt Groupe reagiert darauf mit gezielter Weiterentwicklung. Die Bilanz 2025 zeige ein Unternehmen, das operativ zulegt und zentrale Geschäftsfelder ausbaut, wie es in einer Mitteilung dazu heißt. „Der Markt hat sich seit eineinhalb Jahren gut erholt“, erklärt Laurent Blum, Generaldirektor der Schmidt Groupe. Der Retail-Umsatz erreichte 1,6 Milliarden Euro und der Produktionsumsatz belief sich auf 585 Millionen Euro. Er blieb damit zwar drei Prozent unter dem Vorjahreswert, der Rückgang ist jedoch vor allem auf Verschiebungen zwischen den Geschäftsjahresabschlüssen und zeitversetzte Rechnungsstellungen zurückzuführen.
Die operative Entwicklung verlief dynamischer: Die Auftragseingänge stiegen im selben Zeitraum um sieben Prozent. Insgesamt ist das Traditionsunternehmen im Bereich Home Design in mehr als 20 Ländern mit 920 Geschäften vertreten. Das Netzwerk umfasst markenübergreifend rund 8.000 Mitarbeitende. In Deutschland bieten 20 exklusive Fachhändler eine individuelle Möblierung auf Maß an. Im Geschäftsjahr 2025 zählte der Konzern rund 1.900 Betriebsangehörige, die sich auf den Hauptsitz im Elsass sowie auf fünf weitere Produktionsstätten verteilten. In Deutschland sind am Stammsitz in Türkismühle 148 Arbeitnehmer tätig.
Die Zukunft steht auf mehreren Säulen. Die Geschäftszahlen spiegeln zugleich die zunehmende strategische Breite der Gruppe wider. Einrichtungslösungen außerhalb der Küche stehen inzwischen für mehr als zehn Prozent des Konzernumsatzes. Das noch junge B2B-Geschäft erreicht bereits einen Anteil von vier Prozent und eröffnet zusätzliche Chancen. „Unsere Entwicklung folgt einer klaren Ambition: Wir wollen nachhaltiges und ausgewogenes Wachstum schaffen, das für alle Beteiligten Wert generiert“, sagt Laurent Blum. Diese Haltung zeigt sich auch im Umgang mit den Beschäftigten. Zum zweiten Mal in Folge schüttete das deutsch-französische Familienunternehmen fünf Prozent des Nettogewinns an die Mitarbeitenden aus. Parallel investiert die Gruppe weiter in ihre industrielle Zukunft. Ein Baustein ist hierbei die Erweiterung des Werks U3 in Sélestat. Die auf Stauraummöbel, Schränke und Ankleiden spezialisierte Produktionsstätte mit ihren rund 50 Robotern wurde 2025 um 16.000 Quadratmeter vergrößert. Weitere 36.000 Quadratmeter stehen für künftige Ausbaustufen schon bereit. Damit ist die Grundlage geschaffen, die Produktionskapazitäten im Bereich Wohneinrichtung langfristig zu verdoppeln.
Zur Weiterentwicklung der Gruppe gehört auch das Programm „Inspiring Working Spaces“. Dahinter steht ein konzernweites Modernisierungsprojekt, das neue Arbeitsweisen mit passenden Räumen verbindet. Seit 2022 investiert die Gruppe rund 30 Millionen Euro, um Büros, Begegnungsflächen sowie Arbeitsbereiche an verschiedenen Standorten offener, flexibler und vernetzter zu gestalten. Insgesamt wurden bereits 12.000 Quadratmeter neu gestaltet oder umfassend renoviert. Das zeigt sich unter anderem im Stammwerk Türkismühle, wo die Räumlichkeiten des Kundenservice modernisiert wurden. An mehreren Produktionsstandorten entstanden zudem neue Außenbereiche und Pausenzonen für die Mitarbeitenden. Dahinter steht ein Anspruch, der über reine Modernisierung hinausgeht. Arbeitsorte sollen den Alltag erleichtern und mehr Lebensqualität schaffen. Räume werden dabei nicht nur als Fläche verstanden, sondern als Werkzeug: Sie sollen Zusammenarbeit vereinfachen, Austausch fördern und die Teams im täglichen Miteinander besser unterstützen.
In Ebersheim hat die Schmidt Groupe den Gedanken von „Inspiring Working Spaces“ nun in Architektur übersetzt. Der Name des vis-à-vis zu den Werken in Sélestat errichteten Gebäudes ist Programm: „La Ruche“ bedeutet auf Französisch „Bienenstock“. Auf rund 6.790 Quadratmetern finden etwa 400 Mitarbeitende Platz. Umgeben ist der bioklimatische Holzbau von 16.000 Quadratmetern Grünfläche. Bereits während der Planung wurden die Beschäftigten einbezogen, damit die tatsächlichen Anforderungen des Arbeitsalltags in die Gestaltung einfließen konnten. Die Idee dahinter reicht weit über attraktive Büroräume hinaus.
Arbeitsorte sollen Zusammenarbeit erleichtern, den Austausch fördern und zugleich die Identität des Unternehmens erlebbar machen. Vielfältig nutzbare Räume gruppieren sich um ein großzügiges zentrales Atrium unter einem Glasdach. Es ist als lebendiger Mittelpunkt gedacht: ein Ort für Begegnung. Coworking-Bereiche, vernetzte Besprechungsräume, Rückzugszonen für konzentriertes Arbeiten sowie informelle „Bubbles“ schaffen eine flexible Umgebung, die sich den Bedürfnissen der Teams anpasst – und nicht umgekehrt. Zum Konzept gehören außerdem vier Workcafés sowie vier Sportbereiche im Innen- und Außenbereich. Auffällig ist auch die bewusst reduzierte Zahl fest zugewiesener Arbeitsplätze. Sie soll Mobilität fördern und den Austausch zwischen den Abteilungen erleichtern. Wie konsequent dieser Gedanke umgesetzt wird, zeigt ein Detail: Selbst Präsidentin Anne Leitzgen verfügt über kein eigenes Büro. Stattdessen hat jedes Team einen Home-Bereich als festen Anlaufpunkt.
Architektonisch setzt „La Ruche“ konsequent auf Nachhaltigkeit. Das Gebäude wurde nach Passivhausstandard konzipiert und verbindet eine Holzstruktur mit biobasierten Materialien sowie CO₂-armem Beton. Ergänzt wird dieses Konzept durch Dreifachverglasung, eine verstärkte Dämmung aus Zellulosewatte, ein Photovoltaik-Glasdach, Dachbegrünung und die Nutzung von Regenwasser. Für ein angenehmes Raumklima sorgt die Natur selbst. Im Sommer kühlt ein Geocooling-System mit der Temperatur des Erdreichs. Nachts unterstützt eine automatisierte Belüftung die Frischluftversorgung. Geheizt wird mit Biomasse aus Holzresten der benachbarten Produktion. „Mit ,La Ruche´ geben wir unserem Unternehmenszweck eine konkrete Form: Wir schaffen Lebensräume, die inspirieren und selbst aus einer Inspiration heraus entstanden sind. Dieser Ort verkörpert die Überzeugung, dass sich gemeinsame Leistungsfähigkeit, Lebensqualität am Arbeitsplatz und ökologische Verantwortung miteinander verbinden lassen. ,La Ruche´ spiegelt unsere Vision eines kollaborativeren und nachhaltigeren Unternehmens wider“, erklärt Anne Leitzgen, Präsidentin der Schmidt Groupe.
Der Nachhaltigkeitsanspruch endet aber nicht an den Gebäudewänden. Fast 90 Prozent der am Bau beteiligten Firmen stammen aus einem Umkreis von weniger als 40 Kilometern. Über 50 Jahre sollen rund 5.600 Tonnen CO₂ eingespart werden. Der Fußabdruck liegt etwa 18 Prozent unter dem eines vergleichbaren Standardgebäudes. La Ruche verbindet verantwortungsvolles Bauen mit regionaler Wertschöpfung und gibt der Philosophie der B-Corp-zertifizierten Gruppe eine konkrete Form.
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