Viel mehr als Kostendisziplin

Unter dem Titel „Furniture Insights – Strategien für die Möbelindustrie“ startet die HK eine neue Serie. Autoren der renommierten Management Beratung Dr. Wieselhuber & Partner erläutern ab sofort in jeder Ausgabe, wie sich Branchenplayer in wichtigen Fragen positionieren sollten und wie sie ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern können. Im ersten Teil zeigen Managing Partner Dr. Timo Renz und Senior Manager Philipp Trompeter anhand von fünf Bausteinen, welche Themen das Möbeljahr 2026 prägen werden und wo zentrale „Pain Points“ liegen. Der Beitrag erscheint in der Ausgabe 6/25 am 12. Dezember. Hier können Sie ihn schon online lesen.

Dr. Timo Renz (l.) und Philipp Trompeter. Fotos: Dr. Wieselhuber & Partner

Steigende Kosten, verhaltene Nachfrage und zunehmender Wettbewerbsdruck setzen Hersteller in der Möbelindustrie unter Druck. Doch Stillstand ist keine Option: Wer Markttrends nicht nur beobachtet, sondern aktiv gestaltet, kann selbst in einer längeren Flaute an Stärke gewinnen und sich strategisch für den nächsten Aufschwung positionieren.

Für Möbelproduzenten geht es dabei um weit mehr als kurzfristige Kostendisziplin. Entscheidend ist, die großen Entwicklungen – von Künstlicher Intelligenz über Liquiditätssicherung bis hin zu Nachhaltigkeit und neuen Kundenerwartungen – in konkrete, praxisnahe Handlungsansätze zu übersetzen. Die folgenden fünf strategischen Bausteine zeigen, welche Themen 2026 das Handeln der Hersteller prägen werden, wo zentrale Pain Points liegen – und welche pragmatischen Wege sich bieten, um Effizienz, Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit zu sichern.

Baustein 1: KI gestaltet Wertschöpfung neu – vom Werk bis zum Wohnzimmer

Künstliche Intelligenz wird für Möbelhersteller zum entscheidenden Effizienz- und Innovationsmotor. Sie optimiert Beschaffung, Produktion, Logistik und Produktentwicklung. KI-gestützte Systeme ermöglichen vorausschauende Bedarfsplanung, senken Materialeinsatz und Ausschussquoten und beschleunigen Entwicklungsprozesse – insbesondere in komplexen Bereichen wie Küchen oder modularen Möbelsystemen. Auch im Marketing eröffnet KI neue Potenziale: datengetriebene Kundensegmentierung, personalisierte Produktvorschläge und präzisere Absatzprognosen. Hersteller, die Künstliche Intelligenz strategisch einsetzen, steigern ihre Reaktionsgeschwindigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Und sie sichern sich entscheidende Vorteile in einem zunehmend datengetriebenen Markt.  

Baustein 2: Cash ist König – Working Capital als Überlebensfaktor

Nach Jahren hoher Lagerbestände und schwankender Nachfrage steht Liquidität 2026 im Zentrum der Steuerung. Möbelhersteller sind besonders gefordert, da die Kapitalbindung in Material, Fertigung und Logistik enorm ist. Transparente Cashflow-Steuerung, optimierte Zahlungsziele und geringere Umlaufbestände schaffen finanzielle Beweglichkeit. Ein professionelles Working-Capital-Management wird zum Erfolgsfaktor: Wer Forderungen aktiv managt, Einkaufsvolumina bündelt und Bestände digital überwacht, sichert Handlungsspielräume. Digitale Finanzsteuerung ist kein reines Controlling-Thema – sie ist die Basis für Investitionen in Technologie, Produktinnovation und Markenentwicklung.  

Baustein 3: Die Generation Z verändert das Produkt und Kaufverhalten

Änderungen im Kaufverhalten prägen den Möbelkonsum in 2026 und den Folgejahren zunehmend stärker. Wenngleich diese Veränderungen nicht nur am Alter der Konsumenten festgemacht werden können, ist feststellbar, dass die Durchschnittskunden „konventioneller“ Möbel häufig zur Boomer-Generation gehören. Jüngere Kunden (unter 45/Gen Y und noch stärker unter 28/Gen Z) kaufen gänzlich anders ein. Informationsquellen und Präferenzen im Kaufort und damit der Vertriebskanäle der Hersteller wandeln sich – auch komplexere Käufe von Großmöbeln finden zu einer großen Anzahl online statt. Die Vertriebsstrategie der Hersteller muss sich weiterentwickeln. Hierzu gilt es individuell zu überprüfen, wie dies gelingen kann, zum Beispiel durch die Entwicklung neuer Handelspartner, den Ausbau der eigenen Marke oder das Kreieren von Endkundenkontakten. Wer die Gen Z (und auch Gen Y) gewinnen will, muss relevant, echt und vernetzt sein. Digitale Erlebnisse und nachhaltige Werte sind die Schlüssel zur Kundenbindung.

Baustein 4: Effizienz – Business Performance Improvement in der Produktion

Kostendruck, Fachkräftemangel und volatile Rohstoffpreise machen Effizienz zur strategischen Daueraufgabe. Erfolgreiche Möbelhersteller analysieren und optimieren ihre Wertschöpfung konsequent: durch modulare Konstruktionen, digitale Fertigungssteuerung, intelligente Kapazitätsplanung und automatisierte Qualitätssicherung. Business Performance Improvement ist kein Kriseninstrument, sondern die Grundlage für langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Wer Prozesse datenbasiert steuert und Schnittstellen zwischen Produktion, Einkauf und Entwicklung digital verbindet, steigert Effizienz, Stabilität und Profitabilität.

Baustein 5: Portfolio-Hygiene – Fokus auf profitable Produkte und Werke

Nicht jedes Produkt und nicht jeder Standort zahlt auf die Zukunftsfähigkeit ein. Hersteller müssen ihr Portfolio kritisch prüfen: Welche Sortimente, Serien oder Fertigungslinien sichern Margen und Ergebnis – und welche binden Kapital ohne Rendite? Eine faktenbasierte Analyse von Umsatz, Deckungsbeitrag und Kapazitätsauslastung schafft Klarheit. Wer mutig entscheidet – sei es durch Sanierung, Restrukturierung oder gezielte Fokussierung – stärkt seine operative Basis. So entsteht Raum für Innovation, Investition und nachhaltiges Wachstum.

Fazit: Jetzt Zukunft sichern durch ein entschlossenes Handeln

2026 wird zum Jahr der Konsolidierung und Neuausrichtung für Möbelhersteller. Wer jetzt konsequent investiert – in Effizienz, digitale Kompetenz sowie innovative und margenstarke Produkte –, wird sich Marktanteile sichern. Die kommenden Monate werden geprägt sein von Entscheidungen über Strukturen, Technologien und Partnerschaften. Erfolgreich sind diejenigen Unternehmen, die Daten und KI gezielt in Wertschöpfung übersetzen, Liquidität als strategisches Steuerungsinstrument begreifen und ihr Produktportfolio mutig fokussieren. Die Möbelindustrie steht an der Schwelle zu einer neuen Entwicklungsphase: weniger Volumen, mehr Wert. Hersteller, die diese Transformation aktiv gestalten, werden nicht nur die Krise überstehen, sondern die Zukunft der Branche prägen.

Der Beitrag erscheint in der HK 6/25

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