Dauphin: Elmar Duffner im Exklusiv-Interview (Teil 2)

Vergangene Woche haben wir den ersten Teil des Exklusiv-Interviews mit Elmar Duffner auf hk-magazin.com veröffentlicht. Der erfahrene Experte ist seit 1. Februar Vorsitzender der Geschäftsführung bei Dauphin, war zuvor bei verschiedenen anderen Möbelherstellern in Führungspositionen tätig und zudem viele Jahre lang Verbandspräsident. Im nachfolgenden zweiten Teil erläutert Duffner, wie er die derzeitige Branchensituation bewertet, warum er den allgemeinen Unmut über die Politik nachvollziehen kann und wie für ihn das Büro der Zukunft aussieht.

Herr Duffner, Sie kennen die Möbelbranche bestens. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation für möbelproduzierende Unternehmen in Deutschland?

Die aktuelle Situation ist durchaus herausfordernd, aber auch voller Chancen. Die Branche steht vor mehreren strukturellen Veränderungen, die durch die Globalisierung, den technologischen Fortschritt, die Digitalisierung und die sich wandelnden Konsumentenpräferenzen getrieben werden. Einerseits gibt es hohen Wettbewerbsdruck durch internationale Anbieter, insbesondere aus Asien und Osteuropa, die oft mit niedrigeren Produktionskosten arbeiten. Das erfordert von deutschen Herstellern eine klare Differenzierungsstrategie, sei es durch Qualität, Design oder innovative Lösungen. Andererseits bieten Trends wie die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeit und der Wunsch nach individualisierten Produkten enorme Chancen. Deutsche Möbelhersteller haben hier die Möglichkeit, sich durch umweltfreundliche Materialien und Produktionsprozesse sowie durch maßgeschneiderte Lösungen und Service von der Konkurrenz abzuheben. Durch die Integration von digitalen Technologien in die Produktionsprozesse und durch die Entwicklung von smarten Möbeln können Unternehmen ihre Effizienz steigern und neue, zukunftsweisende Produkte auf den Markt bringen. Zusätzlich getrieben wird diese Entwicklung vom digitalen Produktpass, der in den nächsten Jahren die Prozessketten maßgeblich beeinflussen wird. Nicht zuletzt spielt der Fachkräftemangel eine Rolle. Um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen in die Ausbildung und Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter investieren und attraktive Arbeitsbedingungen bieten. Insgesamt sehe ich die deutsche Möbelindustrie gut aufgestellt, um diese Herausforderungen zu meistern.

Viele Unternehmer sind derzeit nicht gut auf die Politik zu sprechen. Sie klagen über fehlende Anreize für Investitionen sowie ausufernde Bürokratie. Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern, um voranzukommen?

Die Sorgen und Bedenken der Unternehmer sind durchaus nachvollziehbar. Um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu stärken, sind mehrere Veränderungen notwendig. Die politischen Rahmenbedingungen müssen so gestaltet werden, dass sie Investitionen fördern. Dazu gehören steuerliche Anreize für Unternehmen, die in Innovation, Digitalisierung und Nachhaltigkeit investieren. Der Abbau von Bürokratie ist von entscheidender Bedeutung. Unternehmen sollten sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können, statt sich durch komplexe Verwaltungsprozesse kämpfen zu müssen. Eine Vereinfachung von Vorschriften und schnellere Genehmigungsverfahren wären hier wichtige Schritte.

Was wäre darüber hinaus wichtig?

Wichtig wäre es zum Beispiel, dass die Infrastruktur weiter ausgebaut wird, insbesondere im Bereich der digitalen Infrastruktur. Schnelles Internet und eine zuverlässige digitale Kommunikation sind unverzichtbar, um in einer globalisierten und digitalisierten Welt wettbewerbsfähig zu bleiben. Zentral gerade für das Möbelumfeld ist zudem der Bau von Wohn- und Gewerbeimmobilien. Hier fehlt es derzeit an spürbaren Anreizen und einer mittelfristig ausgerichteten Förderkulisse. Die Politik sollte stärker auf den Dialog mit der Wirtschaft setzen, um deren Bedürfnisse und Herausforderungen besser zu verstehen. Eine engere Zusammenarbeit könnte dazu beitragen, praxisnahe Lösungen zu entwickeln, die sowohl den Unternehmen als auch der Gesellschaft zugutekommen. Schließlich ist die Förderung von Fachkräften ein zentraler Punkt. Bildungs- und Weiterbildungsprogramme sollten so gestaltet werden, dass sie den Anforderungen des Arbeitsmarktes entsprechen und Unternehmen den Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften erleichtern.

Und was kann die Branche selber tun, um wieder Lust auf den Kauf von Möbeln zu machen?

Um die aktuelle Kaufzurückhaltung der Konsumenten zu überwinden, muss die deutsche Möbelbranche auf mehrere Strategien setzen. Erstens ist es wichtig, das Bewusstsein für die Qualität und den Mehrwert von Möbeln „Made in Germany“ zu stärken. Dies kann durch gezielte Marketingkampagnen geschehen, die die Langlebigkeit, das Design und die Nachhaltigkeit der Produkte hervorheben. Zweitens sollte die Branche verstärkt auf Individualisierung und Personalisierung setzen. Kunden wünschen sich zunehmend Möbel, die ihren persönlichen Stil und ihre individuellen Bedürfnisse widerspiegeln. Drittens spielt das Einkaufserlebnis eine zentrale Rolle. Unternehmen sollten in ansprechende Showrooms und innovative Online-Plattformen investieren, die den Kunden ein inspirierendes und bequemes Einkaufserlebnis bieten. Viertens ist die Betonung von Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit entscheidend. Immer mehr Konsumenten legen Wert auf nachhaltige Produkte. Möbelhersteller sollten daher transparente Informationen über die Herkunft der Materialien und die umweltfreundlichen Produktionsprozesse bereitstellen. Nicht zuletzt ist der Kundenservice ein wichtiger Faktor. Exzellenter Service, von der Beratung bis zur Lieferung und Montage, schafft Vertrauen und Zufriedenheit, was langfristig zu einer höheren Kaufbereitschaft führt.

Die Büromöbelhersteller mussten während der Corona-Pandemie erhebliche Umsatzeinbußen verkraften, kommen dafür aber jetzt deutlich besser durch die Krise als andere Möbelsparten. Glauben Sie, dass der positive Trend anhalten wird?

Ja, ich bin zuversichtlich, dass der positive Trend für die deutsche Büromöbelindustrie andauern wird. Die Pandemie hat die Bedeutung von ergonomischen und funktionalen Arbeitsplätzen sowohl im Büro als auch im Homeoffice nachhaltig verändert. Unternehmen haben erkannt, wie wichtig es ist, ihren Mitarbeitern hochwertige Arbeitsumgebungen zu bieten, die Gesundheit, Wohlbefinden und Produktivität fördern. Viele Unternehmen treiben derzeit die Modernisierung und Flexibilisierung ihrer Bürokonzepte voran, um den Anforderungen einer hybriden Arbeitswelt gerecht zu werden. Dies führt zu einer verstärkten Nachfrage nach innovativen und vielseitigen Büromöbel-Lösungen. Insgesamt bin ich überzeugt, dass die deutsche Büromöbelindustrie gut positioniert ist, um von diesen Trends zu profitieren und ihre positive Entwicklung fortzusetzen.

Wie muss sich die Branche aufstellen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Die deutsche Büromöbelindustrie muss sich auf mehrere zentrale Faktoren konzentrieren. Es gilt, kontinuierlich in zukunftsweisende Produkte zu investieren – und dies unter dem unverzichtbaren Aspekt der Nachhaltigkeit. Unverzichtbar ist auch die Internationalisierung. Deutsche Büromöbelhersteller sollten ihre globale Präsenz ausbauen, um von Wachstumsmärkten weltweit zu profitieren und ihre Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu reduzieren. Zudem ist die Kundenorientierung zentral. Ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden und die Fähigkeit, maßgeschneiderte Lösungen zu bieten, werden die Schlüssel zum Erfolg sein. Grundsätzlich mache ich mir um die Zukunft der deutschen Büromöbelindustrie keine Sorgen. Auch in unserer Branche gibt es wie im gesamten deutschen Mittelstand viele Familienunternehmen, die von visionären und mutigen Entrepreneuren gegründet wurden. Viele dieser Unternehmen haben sich auch international einen Namen gemacht. Das gilt insbesondere auch für die Dauphin-Gruppe, die unter Führung von Friedrich Wilhelm Dauphin zu einem der renommiertesten Büromöbelhersteller in Deutschland wurde.

New Work hat starken Einfluss auf die Arbeitsplatzgestaltung. Welche Antworten hat Dauphin auf diesen Trend?

Unsere Antwort lautet: Dauphin Workheart! Ein New-Work-Konzept individuell an die Bedürfnisse der Unternehmen und der Mitarbeiter angepasst. Es gilt, das Büro in einen sozialen Raum zu verwandeln und ihn bedürfnis- statt tätigkeitsorientiert einzurichten. Das Office wird dabei zum Ort der Begegnung und des Austauschs, denn das Büro der Zukunft ist vor allen Dingen eines: human-centered. Dafür müssen die vorhandenen Flächen neu gedacht und gestaltet werden. Unter dem Claim „from super private to super social“ werden Flächen zukünftig nach dem gewünschten Grad der sozialen Interaktion individuell geplant und eingerichtet. Die Essenz des Konzepts ist die Einteilung in drei Zonen: Me, Team und Family. Je nach Bedarf kann dort konzentrierte Einzelarbeit stattfinden, können in Teams Ideen entwickelt und an Projekten gearbeitet oder die Unternehmenskultur erlebt werden.

Wie sieht Ihrer Einschätzung nach das Büro der Zukunft aus?

Das Büro der Zukunft wird nicht durch eine universelle Lösung definiert sein, sondern durch bedürfnisgerechte und flexible Konzepte. Die schnellen Entwicklungssprünge in der Industrie erfordern anpassbare Lösungen, um optimal auf neue Gegebenheiten reagieren zu können. Arbeitsplätze werden anpassungsfähig und mobil gestaltet, um den unterschiedlichen Arbeitsweisen gerecht zu werden. Es wird mehr flexible Arbeitsbereiche und weniger feste Arbeitsplätze geben, sodass Mitarbeiter je nach Aufgabe den optimalen Arbeitsplatz wählen können. Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter stehen dabei im Vordergrund. Ergonomische Möbel, Steh-Sitz-Arbeitsplätze und spezielle Ruhebereiche fördern die Gesundheit. Zusätzlich werden Büros mehr Raum für Zusammenarbeit und soziale Interaktion bieten. Gemeinschaftsbereiche werden flexibel gestaltet, um Kreativität und Teamarbeit zu fördern. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Büro der Zukunft flexibel, technologisch fortschrittlich, gesundheitsfördernd, nachhaltig und gleichzeitig kollaborativ gestaltet sein wird. Durch die Integration dieser Prinzipien schaffen wir eine Arbeitsumgebung, die den Anforderungen der Unternehmen und den Bedürfnissen der Mitarbeiter gerecht wird.

In wenigen Monaten findet die Orgatec 2024 statt. Was erwarten Sie von der Kölner Messe?

Die Orgatec hat sich vom klassischen Messe-Charakter verabschiedet und präsentiert sich im neuen Festival-Gewand. Der gemeinsame Austausch und das Entwickeln von Ideen für die Arbeitswelt von morgen stehen mehr denn je im Fokus – sowohl mit unseren nationalen und internationalen Kunden als auch mit den anderen Akteuren der Branche. Ich erwarte eine inspirierende Messe, befruchtende Gespräche und viel Zuversicht.

Auf welchen anderen Messen wird sich Dauphin 2024 präsentieren?

Für uns ist die Orgatec die bedeutendste Messe in diesem Jahr. Anfang des Jahres haben wir bereits eine Roadshow durch unsere Niederlassungen in Deutschland unter dem Motto „Your Date with Dauphin Workheart“ veranstaltet. Darüber hinaus sind wir aber auch auf relevanten internationalen Design- und Möbelmessen vertreten. Angefangen bei der Workspace Expo in Paris, dem Salone del Mobile in Mailand, der Clerkenwell Design Week in London bis hin zu 3daysofdesign in Kopenhagen und der Neocon in Chicago.

Das Interview führte Markus Schmalz

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