Erfolgreiche Oberflächen-Konferenz in Hamburg

Vom 18. bis 20. September traf sich die Branche bei der 19. Decorative Surfaces Conference im Hamburger Marriott-Hotel. Rund 150 Teilnehmer reisten zu dem traditionsreichen Oberflächen-Event in die Hansestadt. Zahlreiche spannende Vorträge von hochkarätigen Referenten warteten auf das Fachpublikum aus der internationalen Oberflächen-, Möbel- und Holzwerkstoffindustrie. Natürlich kam auch das Networking nicht zu kurz, wie beispielsweise beim abendlichen Conference Dinner in der Gröninger Privatbrauerei. Erstmals war auch die HK als Medienpartner mit dabei.

Nach der Begrüßung durch den Veranstalter Dr. Kurt Fischer machte Michael Riffel von der Unternehmensberatung Afry Management Consulting den Auftakt mit einem Markt-Update. Ob Holzwerkstoffe, Nachfrage und Marktentwicklung im Bereich Oberflächen oder der globale Bau-Sektor: Riffel gab einen Überblick über die Herausforderungen der Jahre 2018 bis 2022, geopolitische Faktoren und Auswirkungen auf die Branche und wagte einen Ausblick auf 2026. Dabei betonte er, dass Asien und besonders China schon jetzt als globales Produktions-Drehkreuz für Möbel fungieren. Dementsprechend intensiv beleuchtete er den chinesischen Markt sowie die Dekorpapier-Exporte des Landes. Nebenbei merkte er an, dass sich das chinesische Schriftzeichen für das Wort „Krise“ aus zweien zusammensetze: Das eine bedeute Gefahr, das andere Gelegenheit.

Zum Thema „Togetherness“ referierte Peter Lantz von Ikea. Grundlage des unternehmerischen Business-Modells der Schweden sei neben inspirierender Kundenansprache eine Kette aus zeitgemäßen Werten, der sich Ikea verpflichte und über die man Partnern verbunden sei. Bei „Togetherness“ stünden Werte wie Einfachheit und ein verantwortungsvolles Kosten-Bewusstsein ebenso auf der Agenda wie Nachhaltigkeit, die Sorge um den Planeten sowie das Anliegen, durch das eigene gute Beispiel voranzugehen.

Im weiteren Verlauf der Konferenz kamen 22 renommierte Referenten zu Wort – wie etwa Angelika Rösner von der FH Niederrhein, die Expertise und Forschungsergebnisse zum Thema „Dialog der Farben: Digitale Farbbeschaffung und digitale Standards“ mit den Anwesenden teilte. So umriss sie nicht nur das Potenzial der Digitalisierung an sich, sondern brach auch eine Lanze dafür, nicht allein Vergangenes zu kopieren, sondern die Grenzen des Designs zu verschieben – und dabei sogar Spaß zu haben.

Einblicke in die „Colour Road 23/24“ und deren Beitrag zu einer Welt in Frieden hatte Clarissa Blüm von Renolit mitgebracht. Sie legte dar, dass wir in einer Zeit extremen Wandels leben. Ökonomische Unsicherheit, politische Instabilität und Umwelt-Herausforderungen machten permanent neue Lösungen notwendig und testeten unsere persönlichen Werte aus. Als einen der größten menschlichen Werte und heute wichtiger denn je, habe Renolit den Frieden ins Zentrum des aktuellen Wertreports gerückt. Der friedlichen Interaktion mit der Umgebung und Natur trage die „Colour Road 23/34“ in ihren Key Visuals Rechnung. So wurde bewusst eine Farbpalette gewählt, die eine sanft-subtile und neutrale Atmosphäre schaffe und auf beruhigende, natürliche Art Wohlbefinden hervorrufe.

Zu einer intensiven Frage-Antwort-Runde aus dem Publikum führte der Vortrag von Thorsten Beinke. Der Senior Design Manager von Tarkett zeigte neue Chancen und Lehren aus fünf Jahren „Mass Digital Printing“ für LVT-Bodenbeläge auf. Mit individueller Anpassung an Kundenwünsche zum einen, mit Authentizität zum anderen und last but not least mit Nachhaltigkeit – „ein Must-have für alle Segmente“ –, verwies er auf drei aktuelle Mega-Trends. Es sei jedoch keineswegs zielführend, Nachhaltigkeit auf Kosten von Design und Nutzbarkeit durchzusetzen, stellte er klar. Weitere Nachfragen folgten auf den Beitrag von Pol Merino, der für die Firma Honext aus Barcelona angereist war. Bei ihm ging es unter dem Motto „circular by design“ um klima-positive Lösungen für die bebaute Umgebung: insbesondere das sogenannte Honext-Board, das voll recycelbar und biologisch abbaubar ist und den Begriff Baumaterial neu definiere.

In der Folge befasste sich Naci Güngör von der Alim Group mit der Entwicklung des Marktes in der Türkei. Gleich zu Beginn stellte er das rapide Wachstum der türkischen Holzwerkstoffindustrie in den Mittelpunkt. Ein Wachstum, das mit neuen Investitionen weiter ausgebaut werde. Danach gab er einen Überblick über die Entwicklung der globalen Möbel- und Werkstoffindustrie, um dann jeweils auf die türkische Möbelbranche, den Einbruch der Produktion im Jahr 2022 in seinem Land und die Betätigung der Alim Group in diesen Bereichen einzugehen. Auch das Segment Dekorfolien kam zur Sprache.

Dem Einfluss von vorimprägniertem Papier auf Oberflächen-Materialien widmete sich Andrea Mühlbauer von Munksjö, einem der 15 Sponsoren und gleichzeitig Neuzugang der diesjährigen Konferenz. Nach einem Überblick über die Jahres-Entwicklung des Dekorpapier-Marktes ging die Expertin auf das Thema Nachhaltigkeit, Zusammensetzung und Eigenschaften vorimprägnierten Papiers („M-Foil), auf Parameter für Lackierung, Bedruckbarkeit oder auch Verklebung sowie die richtige Qualität für unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten und Kunden-Bedürfnisse ein.

Einen spannenden Beitrag über Trocknungssysteme für den digitalen Druck und Härtung mit Nahinfrarot steuerte Christian Gächter von Lambda Technology bei. Egal ob Papier, Folien, Textilien, Polymere, Lacke, Tinten oder Beschichtungen, ob auf Wasserbasis oder mit Lösungsmitteln: Mit einem Lambda-Ofen-System ließen sich Trocknungsprozesse gezielt steuern. Die „Digi Dry“-Module als Trockner für digitale Anwendungen seien dank 3D-Druck-Architektur so leicht, dass sie die Druckanlage kaum belasteten. Indem sie durch sofortige Trocknung ein klares Druckbild ermöglichten, könnten bedruckte Produkte schneller weiterverarbeitet werden. Die Trocknung werde durch eine integrierte, einstellbare Luftdüse unterstützt, die gefilterte Luft auf das Produkt blase.

Den Abschluss des ersten Konferenztages machte Evan Knoblauch von der Firma Keyland Polymer mit einer Einführung in UV-gehärtete Pulverbeschichtungen und ihre Umwelt- und Nachhaltigkeitsvorteile, bevor der zweite Tag ganz im Zeichen des Themas Digitaldruck stand. So wurde der Vormittag durch Mike Horsten, Global Business Manager bei Agfa, und seinen Vortrag zum Thema „Einführung des Digitaldrucks in den analogen Workflow“ eröffnet. Horsten zeigte Nach-, vor allem aber Vorteile des Digitaldrucks auf und gab einen Überblick über industrielle Dekor-Tinten und Haftvermittler.

Vom Rohmaterial zum Dekor-Produkt: Als Nächstes erläuterte Massimo Colagrande von Metis innovative Scanner-Technologien, mit deren Hilfe „digitale Zwillinge“ erstellt werden können. Stefan Höfs, Business Development Manager bei CGS Oris, referierte über Farbe, Texturen und Glanz – „from Proof to Production“ – und verriet Spannendes in Sachen Farb-Management, Qualitätskontrolle und Zertifizierung. Im weiteren Verlauf des Tages gehörte Frank de Jonge von Neos Industrial Inkjet Printers mit seinen Erkenntnissen zum „weiten Lösungsspektrum für Dekordruck mit Inkjet“ ebenso zu den Experten in Sachen Inkjet-Produktion wie Changlon Sun von Ricoh Europe mit seinem Thema „Realitäten der Bild-Definition und Wahrnehmung“.

Duncan Ross von der Ava Cad/Cam Group erläuterte, was „Soft Proofing“ ist und wie es funktioniert: eine Methode zur Simulation eines Bildes, wenn es von einem Farb-Raum auf den anderen übertragen, etwa auf Papier gedruckt wird. Anschließend sprach Martin Rambrecht von Ipac über Qualitätskontrolle, Farbabstimmung und -korrektur für den Digitaldruck auf Kante bei Egger in Brilon. Einen ähnlichen Schwerpunkt wählte Heiko Pieper von Colorgate mit seinem Thema Reproduktion digitaler Dekor-Aufträge mit  automatisierter Farb-Korrektur. Den Schluss der Konferenz bildete Nadina Using von Industrial Inkjet: Im Rahmen ihres mit viel Humor und persönlichen Exkursen durchsetzten Vortrags richtete sie ihr Augenmerk auf technische Tinten und Druckköpfe, auf Forschung, Testung und Entwicklung beider Bereiche, Erstellung von Proben und Mustern sowie auf die Bedeutung der beidseitigen Beziehung für den Dekor-Markt.

Der vollständige Bericht über die Decorative Surfaces Conference folgt in der HK 6/23.

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