Automatisierung als Schlüssel zum Erfolg
Die Möbelindustrie steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Kunden erwarten individuelle Produkte, kurze Lieferzeiten und höchste Qualität – und das bei steigendem Kostendruck. Automatisierung bietet die Chance, Prozesse effizienter und flexibler zu gestalten. Doch wie steht es um den Automatisierungsgrad in der Branche? Wie stark beeinflussen KI und Robotik die Entwicklung? Und wie wichtig bleibt der Faktor Mensch in einer automatisierten Fertigung? Diese und weitere Fragen erörterten hochkarätige Teilnehmer beim ersten „Expertengipfel Technik“ – veranstaltet von der HK, Lignum Consulting und Leuco in Horb. Der Beitrag erscheint in der HK 1/26. Auszüge daraus können Sie schon jetzt online lesen.

Wie würden Sie den aktuellen Stand der Automatisierung in der Möbelindustrie beschreiben?
Achim Homeier (Homag): Die Automatisierung erreicht zunehmend alle relevanten Bereiche der Möbelproduktion. Der Fachkräftemangel macht es immer schwieriger, qualifiziertes Personal für Maschinen und Anlagen zu finden. Daher investieren viele Unternehmen in die automatisierte Fertigung. Homag bietet kostengünstige Lösungen an, bei denen die Automatisierung in die Maschinensteuerung integriert ist und der Bediener sich auf die Maschinenbedienung fokussieren kann. Es wird kein Roboter-Know-how benötigt. Diese Zellen sind auch für kleine und mittelständische Betriebe wirtschaftlich und beherrschbar.
Giovanni Masino (SCM): Die SCM Group kommt im deutschen Markt historisch stark aus dem Handwerk und ist dort weiterhin stark vertreten. In diesem Umfeld sind wir täglich mit Automatisierungslösungen konfrontiert – sowohl bei Neuanlagen als auch bei bestehenden Anlagen. Die Schwierigkeit besteht dabei häufig darin, dass Prozess- und Schnittstellenbeschreibungen zwischen Maschine und EDV fehlen. Insbesondere im Industriebereich sehen wir sehr großes Automatisierungspotenzial im Bereich der Montage, Endmontage und Verpackung.
Daniel Schrenk (Leuco): Trigger für die Automatisierung sollte immer das Thema Wirtschaftlichkeit sein. Der Fachkräftemangel kommt noch dazu. Wenn wir das im internationalen Kontext sehen, sind wir aus einer europäischen Perspektive zu schnell dabei, auf Automatisierung zu setzen, weil die Personalkosten hoch sind und die Verfügbarkeit von Fachkräften temporär nicht gegeben ist. Insgesamt muss aber die Wirtschaftlichkeit – oder genauer: die internationale Wettbewerbsfähigkeit – an erster Stelle stehen.
Benedikt Rotte (Rotte): Im globalen Kontext gibt es große Unterschiede. In den USA, Asien und Europa wird das Thema Automatisierung unterschiedlich gehandhabt. Führend sind in meinen Augen Deutschland und Europa, vor allem bei Datenhandling, -verwaltung und -bereitstellung. Der US-amerikanische Markt hinkt uns da um etwa 20 Jahre hinterher.
Jürgen Schröer (Bürkle): Wir sehen bei der Automatisierung ein Nord-Süd-Gefälle – und der Druck kommt aus den Themen Fachkräftemangel und Kostensteigerungen. Derzeit gibt es zwei Trends: Diejenigen Unternehmen, die bereits stark automatisiert sind, versuchen die letzten zehn Prozent zu erreichen. Die anderen möchten bestehende Anlagen durch automatisierte Insellösungen miteinander verketten, anstatt sie durch neue Investitionen zu ersetzen. Denn auch so lässt sich eine höhere Produktivität erreichen.
Steffen Günther (Kuka): Die Industrie ist bereits stark automatisiert. Um Handwerksbetriebe zu befähigen, diesen Schritt einfach und schnell umzusetzen, muss in Richtung Flexibilität und Programmierung gedacht werden. So wird die Auslastung der Maschine gesteigert, was zuvor schwierig war, weil das Personal fehlt. Beim nächsten Evolutionsschritt der Automatisierung, der in Sachen Usability vor uns liegt, wird KI eine Rolle spielen. Damit kann über intelligente Systeme der Support mit abgedeckt werden. Was ein Schlüssel sein kann, um die Komplexität zu beherrschen.
Marcel Hinger (Lignum Consulting): Vor zwei Jahren haben wir noch gesagt: Wir werden kein ERP, CAD/CAM oder MES-System bei einem kleinen Schreiner mit fünf Personen einführen. Seit einiger Zeit machen wir das. In meinen Augen ist die Automatisierung auch für administrative Prozesse wichtig. 50 Prozent der KMUs sprechen über kritischen IT-Fachkräftemangel. Wenn etwa der langjährige IT-Leiter in den Ruhestand geht, verlieren Unternehmen oft Know-how. Dann können zum Beispiel verkettete, hochautomatisierte Anlagen von der Konstruktionsseite oder den Maschinendaten her nicht mehr „gefüttert“ werden. Deshalb ist auch die Absicherung der administrativen Prozesse entscheidend.
Der vollständige Beitrag erscheint in der HK 1/26
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