Volle Auftragsbücher geben Rückenwind
Bürkle ist gut in das Jahr 2023 gestartet. Das liegt unter anderem am breiten Produktportfolio des Unternehmens, das mit seinen Pressen neben der Möbel- und Holzwerkstoffindustrie zum Beispiel auch die Solarbranche bedient. Im Exklusiv-Interview spricht Geschäftsführer Olaf Rohrbeck über die aktuelle wirtschaftliche Situation, seine Erwartungen an die Ligna, die Ergebnisse aus der digitalen Bürkle-Roadmap und die Beteiligung am Projekt „Woodworking made izy“.

Herr Rohrbeck, Bürkle stellt zur Ligna in Hannover die hohe Engineering-Kompetenz des Unternehmens in den Mittelpunkt. Welche Inhalte stecken hinter diesem Konzept?
Aufgrund unserer Produktstrategie arbeiten wir in der Entwicklung sowohl horizontal als auch vertikal. Dies bedeutet kontinuierliche Erweiterungen und Verbesserungen, die über Basisfunktionalitäten der Maschinen und Anlagen hinausgehen und den Engineering-Prozess optimieren. Wir erreichen dies etwa durch die Integration und den Einsatz von neuen Funktionen oder Plattformen wie dem digitalen Engineering. In der Softwareentwicklung setzen wir unter anderem vertikale Methoden ein, um die Produktionsprozesse unserer Kunden effizienter und effektiver zu gestalten. Zur Ligna unterstreichen wir dies beispielhaft durch Industrial-Edge-Lösungen. Unsere Grundmaschinen in den unterschiedlichen Produktsegmenten bauen technologisch auf gemeinsamen Kernstrukturen, verfahrenstechnischen Analogien und Automatisierungen auf. Für einen breiten Anwendermarkt können wir damit in unterschiedlichen Branchen, also nicht nur in der Holz- und Holzwerkstoffindustrie, sehr gut System-, Anlagen- und Softwarelösungen konzipieren.
Bürkle arbeitet eng mit Siemens zusammen. Erste Beispiele aus dieser Kooperation gab es bereits bei der Ligna 2019 zu sehen. Was konnte inzwischen davon umgesetzt werden?
Bürkle verbindet traditionell eine enge und erfolgreiche Zusammenarbeit mit Siemens. Im Konstruktionsprozess unserer Maschinen und Anlagen setzen wir sowohl in der mechanischen als auch in der elektrotechnischen Konstruktion Siemens-Tools ein. Mit den Erfahrungen der Ligna 2019 begannen wir gemeinsam mit Siemens weiterführende Planungen, entwickelten neue Ideen und auch Visionen. Dieses Gedankengut ist inzwischen integraler Bestandteil einer strategischen Partnerschaft. Unser Fokus liegt dabei generell auf der Umsetzung des gesamtheitlichen mechatronischen Konstruktionsprozesses, dem digitalen Engineering. Damit optimieren wir unsere Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette und gestalten sie noch effizienter.
Welche Ergebnisse der digitalen Entwicklung bei Bürkle können die Ligna-Besucher konkret sehen?
Am Beispiel unserer Spritzlackieranlage „Robus Pro“ stellen wir den aktuellen Stand des „Bürkle Industrial Edge“ vor. Für unsere Spritzlackieranlage heißt das: Die Anlagedaten können schneller und einfacher als bisher ausgewertet werden. Das hilft dem Nutzer, Verfügbarkeit und Leistung der „Robus Pro“ zu optimieren. Übersichtliche Dashboards liefern just in time die Maschinen- oder Zustandsdaten und bilden die aktuelle Performance ab. Gleichzeitig bieten sie jederzeit einen Blick auf die Energieverbrauchdaten oder auch den Wartungszustand. Dank der vertikalen Integration des Gesamtsystems stehen alle gewünschten Daten vom Shopfloor bis zum ERP-System zur Verfügung.

„Woodworking made izy“ ist ein Projekt, das seitens des VDMA recht stark promotet wird. Bürkle ist Teil dieser Initiative. Sicher wird das auch in Hannover thematisiert.
Selbstverständlich werden wir auf der Messe dazu auch bei Bürkle die neuesten Anbindungen live vorstellen. Das Feld des Datenaustausches zwischen Holzbearbeitungsmaschinen verschiedener Hersteller wird bereits seit rund fünf Jahren von unserem Fachverband vorangebracht. Die neben uns am Projekt beteiligten sechs weiteren führenden Branchenunternehmen setzen auf diesen Kommunikationsstandard, der über OPC UA als Weltsprache der Produktion stattfindet. Für die nächsten Jahre erhoffen wir uns einen noch breiteren Durchbruch, um möglichst vom Handwerksbetrieb bis zum Großkonzern eine einheitliche Datensprache zu nutzen.
Der digitale Zwilling ist mittlerweile ein wichtiges Element im Konstruktionsprozess von Maschinenbauern. Bei vielen Herstellern ist er noch in einer Pilotphase. Wie weit ist Bürkle?
Im Bereich Digitalisierung/Maschinendateneinsatz setzen wir in Hannover dazu einen Schwerpunkt: Lösungen rund um den digitalen Zwilling und die virtuelle Inbetriebnahme. Wir präsentieren dies mit einer kundenspezifischen Anlagenlösung. Um den Ablauf der Teilebeschickung dieser Anlage bereits vor dem physischen Bau zu validieren und zu optimieren, simulieren wir Automatisierung, elektrisches Verhalten und die Bewegungsabläufe. So testen wir unter Zuhilfenahme des digitalen Zwillings fast alle Funktionen, um mögliche Fehler frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Für die physische Inbetriebnahme von Anlagen und für die Schulung von Maschinenbedienern bietet der digitale Zwilling eine Fülle von Vorteilen, die wir den Messebesuchern anschaulich vorstellen.
Das vollständige Interview lesen Sie in der HK 3/23
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