Die Warnsignale sind deutlich

Als Zulieferer für die Bereiche Bau, Möbel und Verpackung folgt die Holzwerkstoffindustrie der Entwicklung dieser Branchen, die allesamt eine schwierige Zeit durchleben. Für 2026 erwarten die Produzenten von Spanplatten & Co. deshalb nur eine Seitwärtsbewegung. Die HK sprach mit Anemon Strohmeyer, Geschäftsführerin des Verbandes der Holzwerkstoffindustrie (VHI), über die Auswirkungen der Krise auf ihre Mitgliedsunternehmen, das Investitionsklima in Deutschland und die Frustration darüber, dass von der Politik viel angekündigt, aber wenig umgesetzt wird. Das Interview erscheint in der HK 2/26. Auszüge daraus können Sie schon jetzt online lesen.

Anemon Strohmeyer, Geschäftsführerin des Verbandes der Holzwerkstoffindustrie. Foto: VHI/Interview: Markus Schmalz

Frau Strohmeyer, wie würden Sie die aktuelle Situation in der deutschen Holzwerkstoffindustrie beschreiben?

Die wirtschaftliche Situation bleibt leider auch 2026 herausfordernd. Bereits das Jahr 2025 war von geringer Auslastung der Produktionsanlagen geprägt. 2026 dürfte sich das wenig ändern. Es sind allenfalls vereinzelte Lichtblicke zu erwarten, etwa die sich aktuell abzeichnende etwas positivere Auftragslage in der Küchenmöbelindustrie. Insgesamt gehen wir 2026 daher nur von einer Bodenbildung der Entwicklung aus. Das nimmt der Krise nicht die Wucht. Im Gegenteil: Sie dauert schon zu lange an, die erhofften Investitionsimpulse und Konjunktur-Erholungen bleiben weiterhin aus. Das zermürbt und belastet die Unternehmen nachhaltig.

Gibt es weitere Herausforderungen?

Ja, auch die Material- und Produktionskosten der Industrie verbleiben aktuell auf einem hohen Niveau. Hinzu kommen die komplexen und damit europäisch nicht mehr wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen. Stichworte sind bürokratische Lasten, lange Genehmigungsverfahren und schärfere Umweltregulierungen. Wir nennen das das „Dreieck des Schreckens“, dem wir uns aber mit der Wertschöpfungskette gemeinsam und mit aller Kraft entgegenstellen. Doch je länger die Krise anhält, desto mehr nimmt sie uns in den Würgegriff. Der Druck, unter dem die Möbelindustrie steht, ist ein dramatisches Beispiel dafür. Die Auswirkungen werden bereits sichtbar. Insgesamt ging laut statistischem Bundesamt die Zahl der Betriebe mit 50 und mehr Beschäftigten im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Prozent zurück. Im gleichen Umfang reduzierte sich die Zahl der Beschäftigten. Die Warnsignale sind deutlich.

Das klingt heftig. Welche konkreten Auswirkungen hat denn die Baukrise auf Ihre Mitgliedsunternehmen?

Die Holzwerkstoffindustrie ist gleich doppelt betroffen. Einerseits ist die Bauwirtschaft ein wesentlicher Absatzmarkt für unsere Bauprodukte, also etwa Fertigbauteile aus Holzwerkstoffen, die OSB-Platte oder die Bauspanplatte. Daher merken wir die Baukrise unmittelbar in unseren Auftragsbüchern. Zwar zeigen sich zarte Erholungen in der Baukonjunktur im Bereich des Infrastrukturbaus, aber davon können wir mit unseren Produkten kaum profitieren. Der große Schmerz liegt im weiterhin krisenhaften Wohnungsbau. Daran ändern leider auch die leicht positive Entwicklungen in den Baugenehmigungszahlen nichts, denn Genehmigungs- und Fertigstellungszahlen klaffen weiterhin weit auseinander. Wo nicht gebaut, aufgestockt oder saniert wird, da wird auch nicht umgezogen und nicht eingerichtet. Und das betrifft die Möbelindustrie und damit unsere Möbelprodukte wie die Spanplatte und die Faserplatte.

Sehen Sie trotz der angesprochenen Probleme Anzeichen für eine Stabilisierung der Möbel-Nachfrage?

Von Anzeichen der Stabilisierung zu sprechen, ist sicher noch zu früh. Wir sehen in einigen Segmenten zwar einzelne positive Signale, die aber wie gesagt insgesamt wohl nur zu einer Seitwärtsbewegung führen dürften. Die große Konjunkturerholung – ein Bauboom – ist auch 2026 leider nicht absehbar. Für die deutsche Möbelbranche kommt eine weitere Entwicklung hinzu, die sie maßgeblich ausbremst. Der Import von Möbeln, etwa aus China, hat in den letzten fünf Jahren um 45 Prozent zugenommen. Wo früher galt „Wettbewerb belebt das Geschäft“, muss heute konstatiert werden, dass der Wettbewerb unter ungleichen Bedingungen stattfindet. Die deutsche Möbelbranche hat wenig Möglichkeiten, darauf zu reagieren.

Was heißt das genau?

Es gibt viele Beispiele, von den Produktionskosten bis hin zu den Arbeitsbedingungen. Aber lassen Sie mich das Beispiel Umweltanforderungen herausgreifen. In Deutschland gilt in Bezug auf Formaldehyd bereits ein sehr strenger Emissionsgrenzwert (wir nennen ihn E05). Ab August 2026 wird dieser in ganz Europa gelten. Der Grenzwert betrifft alle Möbel, die in Europa in Verkehr gebracht werden – und ich erlaube mir, in Bezug auf die meiste Importware ein ganz großes Fragezeichen an die Einhaltung dieses Standards zu machen. Wir stehen an der Seite der deutschen und europäischen Möbelindustrie und werden hier sehr genau hinschauen.

Neben dem Importdruck und dem schleppenden Wohnungsbau ist auch die Konsumzurückhaltung der Verbraucher ein Dauerthema.

Konsum setzt einen positiven Blick in die Zukunft voraus, ein „Investieren wollen“, ein „Bleiben wollen“. Verunsicherung war schon immer Gift für die Konjunktur und insbesondere den privaten Konsum. Und diese Verunsicherung, etwa durch die US-amerikanische Zollpolitik, wird nicht weniger. Sie perpetuiert sich vielmehr. Auch die deutsche Politik kann dieser Verunsicherung bislang leider wenig – zu wenig – entgegensetzen. Wir brauchen eine positive Aufbruchstimmung – und diese kann nur durch klare und planvolle politische Signale aus der Bundesregierung kommen.

Was müsste Ihrer Meinung nach von der Politik am dringendsten angepackt werden, damit sich die Rahmenbedingungen für die deutsche Holzwerkstoffindustrie verbessern?

Wir brauchen eine analytische, strategische und konsistente Bewältigung der nicht mehr wettbewerbsfähigen Gestehungskosten. Und dabei spreche ich nicht nur von den Energiekosten, sondern etwa auch von der Tatsache, dass wir durch den zu beobachtenden Wegbruch wichtiger Teile der Chemieindustrie in Deutschland vom Weltmarkt abhängiger werden, statt unsere Resilienz zu stärken. Sodann gilt es, die Märkte wieder in Schwung zu bringen, allen voran den Bereich des Wohnungsbaus. Dies ist primär natürlich mit Blick auf den gesellschaftlichen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum zwingend. Aber eben auch mit Blick auf die Hersteller von Bauprodukten sowie die dieser Konjunktur folgenden Möbelkonjunktur. Dies wird nur mit politischem Rückenwind gelingen. Natürlich sehen wir die starken Signale der Bundesregierung mit Blick auf die Investitionsprogramme für Infrastruktur und Bau sowie das Bemühen um Planungsbeschleunigung. Indes: Es ist offensichtlich, dass dies noch nicht zu einer ausreichenden Belebungsbewegung geführt hat.

Wie sieht es mit weiteren Forderungen und deren Umsetzung aus?

Wichtig sind der Bürokratieabbau, die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und insgesamt das Zurückholen von Vertrauen in politische Entscheidungen. Hier geht es zu langsam, zu wenig entschieden, zu wenig grundsätzlich voran. Einen gordischen Knoten muss man durchschlagen, nicht ein Knötchen aufknoten und dafür ein weiteres hineinknoten. Und so sehr wir uns beispielsweise wünschen würden, dass dem Namen „Bauturbo“ ein tatsächlicher Turbo der Baukonjunktur folgen würde – das ist leider nicht zu erwarten. Denn wie gesagt: Die politischen Signale müssen deutlicher, lauter und überzeugter werden. Ein negatives Investitionsklima dreht man nur schwer, hierzu braucht es ein beherztes und auf langfristige Wirkung angelegtes vertrauensbildendes Vorgehen.

Das vollständige Interview erscheint in der HK 2/26

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