Erfolgreich unter neuer Flagge
Atemag gehört seit anderthalb Jahren zum schwedischen Investment-Konzern Röko. Der neue Eigentümer verfolgt das Ziel, klein- und mittelständische Unternehmen mit guter Profitabilität zu erwerben und langfristig zu halten. Im Gespräch mit der HK zieht Atemag-Vorstand Maximilian Schmidt ein positives Fazit. Entgegen dem Branchentrend war 2024 das beste Jahr in der Firmengeschichte der Aggregate-Profis. Das Interview erscheint in der HK 6/25. Auszüge daraus können Sie schon jetzt online lesen.

Herr Schmidt, können Sie uns kurz erklären, wofür Atemag steht und was die Stärken des Unternehmens sind?
Als mittelständisches Unternehmen mit der konservativen Charakteristik des Schwarzwalds steht der Name Atemag für großartige Produkte mit herausragender Qualität sowie für Kundennähe von der Anfrage bis zum Service. Wir sind klein, pragmatisch und schnell. Durch unsere überschaubare Größe konnten wir uns am Markt für Sonderlösungen etablieren, die sonst niemand bieten kann, die unsere Kunden aber brauchen. Das hat uns den Ruf des Innovators eingebracht. Wenn wir Kunden für Sonderlösungen gewinnen, kaufen diese danach auch oft Standardprodukte. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Service. Wir befunden in der Regel innerhalb von zwei bis drei Tagen und können Aggregate normalerweise innerhalb von fünf bis zehn Tagen reparieren. Im Gegensatz zu manchem Wettbewerber sind wir in diesem Bereich deutlich schneller.
Wie hoch ist der Exportanteil von Atemag und was sind die wichtigsten Auslandsmärkte?
Ungefähr 60 Prozent unserer Produkte gehen in den Export. In Wirklichkeit dürfte die Zahl noch höher sein, denn unsere deutschen Top-Kunden wie zum Beispiel die Weinig-Gruppe verkaufen viele Maschinen ins Ausland – und Atemag ist auf all diesen Maschinen seit vielen Jahren gesetzt. Wahrscheinlich sind daher sogar 70 Prozent der von uns in Handarbeit gebauten Aggregate international im Einsatz. Unsere wichtigsten Exportmärkte grenzen direkt an Deutschland. Dazu gehören etwa die Schweiz, Österreich, Frankreich, Polen und die Niederlande. Allesamt Märkte mit hohen Qualitäts- und Produktivitätsansprüchen. Zudem sind die USA allein schon aufgrund der Größe wichtig für uns. Der amerikanische Markt wird von einem unserer langjährigen Partner vor Ort bearbeitet.
Auf der Ligna 2025 haben sich deutlich mehr chinesische Maschinenhersteller präsentiert als früher. Sind das auch Kunden von Atemag?
Die chinesischen Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen setzen vor allem auf Aggregate aus Asien. Teilweise sind auch Produkte von italienischen Anbietern im Einsatz. Man muss wissen: Chinesische Maschinen kosten ungefähr ein Drittel bis die Hälfte im Vergleich zu deutschen Maschinen. Das passt nicht zu den Qualitätsansprüchen von uns. In anderen Branchen wie der Luftfahrtindustrie beliefern wir hingegen auch chinesische Kunden.
Welche Branchen bedient Atemag sonst noch und welche Rolle spielt dabei die Holzbearbeitung?
Die Holzbearbeitung ist unser größter und wichtigster Bereich. Hier haben wir uns in den letzten Jahren stark anpassen müssen. Durch die 5-Achstechnologie wurden die Stückzahlen der Standardaggregate reduziert – der Markt benötigt daher vollkommen neue Lösungen und Funktionen. Wir bauen heute viel mehr Mehrspindelaggaregate, Sägeaggregate, Kettensägeaggregate und Tastaggregate als die ersten Jahre nach Gründung des Unternehmens. Später kam der Bereich der Composite-Bearbeitung hinzu, denn Composite-Materialien haben viele Ähnlichkeiten mit Holz. Es sind inhomogene Stoffe, die für die Bearbeitung hohe Drehgeschwindigkeiten benötigen. Das konnten wir durch die Holzbearbeitung schon immer darstellen. Für das Unternehmen Atemag war dieser Markt am Anfang trotzdem sehr schwierig.
Warum?
Weil abrasive Partikel die Aggregate zerstört haben. Das hat man zwar bei Materialien wie Gipskarton auch, allerdings nicht im gleichen Umfang. Durch Erkenntnisse im Composite-Bereich haben wir weitere Kompetenzen aufgebaut, wie zum Beispiel die Bearbeitung von Quarzglas, Aluminium-Anwendungen, die getastete Bearbeitung von definierten Kanten und getastete Schleifbearbeitungen.
Was unterscheidet Atemag von anderen Aggregate-Herstellern für die Holzbearbeitung?
Eine große Stärke ist unsere Unabhängigkeit. Wir gehören zu keinem Maschinenhersteller und überlegen uns nicht zuerst den Business Case, bevor wir mit einem Kunden in Kontakt treten. Zudem verfügt Atemag über ein sehr breites Kundenspektrum: Wir arbeiten ebenso gerne mit einer 2-Mann-Schreinerei zusammen wie mit einem Industrie-Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitern. Beide Kundengruppen sind für uns gleich wichtig. Diese breite Aufstellung hat uns – vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – immer geholfen.
Seit Juni 2024 gehört Atemag zum schwedischen Investment-Unternehmen Röko. Wie kam es dazu und welche Ziele verfolgt der Eigentümer?
Die früheren Besitzer wollten Atemag verkaufen, jedoch nicht an einen Player aus der Holzwerkstoff-Branche. Daher hat man sich für Röko entschieden, weil das Unternehmen ein reiner Finanzinvestor ist. Unser neuer Eigentümer erwirbt klein- und mittelständische Unternehmen mit guter Profitabilität und möchte diese – im Gegensatz zu anderen Investment-Gesellschaften – langfristig halten. Die langfristige Perspektive ist für uns und unsere Kunden sehr wichtig. Röko ist seit diesem Jahr an der Stockholmer Börse notiert. Dadurch verfügt Atemag über deutlich mehr Finanzkraft als früher. Positiv ist auch, dass Armin Schmieder, Johannes Schmidt, Sebastian Herkert und ich uns im Zuge der Übernahme als Minderheitsgesellschafter bei Atemag einkaufen konnten. Das schafft eine enge Bindung an das Unternehmen.
Wie ist das „Übernahme-Jahr“ 2024 für Atemag gelaufen und wie bewerten Sie das Jahr 2025?
2024 war das beste Jahr in der Unternehmensgeschichte, obwohl der Holzbearbeitungsmaschinenbau stark schwächelte. Das hat damit zu tun, dass wir sehr viele Neukunden im Bereich Handelsvertretung und Endkunden gewinnen konnten. Hier kam uns unsere Schnelligkeit als kleiner Anbieter zugute. Das erste Quartal 2025 lief ebenfalls gut, das zweite Quartal lag noch im Plan – danach sind die Aufträge allerdings weniger geworden. Bei den Maschinenherstellern herrscht aktuell eine große Zurückhaltung. Was uns hilft, ist wiederum das Endkunden-Geschäft. Viele scheuen im Moment den Kauf einer eigentlich notwendigen 5-Achs-Maschine und bestellen lieber Aggregate, mit denen sie auf ihren älteren Maschinen bestimmte Projekte umsetzen können. Insgesamt werden wir 2025 voraussichtlich 5 Prozent unter Plan liegen, was angesichts der Branchensituation absolut in Ordnung ist.
Das vollständige Interview erscheint in der HK 6/25
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