Große Schritte in die Zukunft

Bürkle investiert aktuell kräftig in Freudenstadt. Eine einstellige Millionensumme fließt in die Modernisierung des Standorts und in ein neues Werk. Im Exklusiv-Interview erklärt CEO Jürgen Schröer die Hintergründe. Weitere Themen des Gesprächs sind die vergleichsweise gute Auftragslage des Anlagenspezialisten, der Ausbau des globalen Händler-Netzwerks und der verstärkte Fokus auf die Zielgruppe der Schreiner und Tischler. Für Letztere hat Bürkle sein Produktportfolio deutlich erweitert, ohne dabei die Kernklientel der Industrie-Kunden zu vernachlässigen. Das Interview erscheint in der HK 2/26. Auszüge daraus können Sie schon jetzt online lesen.

Jürgen Schröer ist seit 2022 CEO bei Bürkle. Bereits von 2014 bis 2019 hatte er diese Position inne. Von 2020 bis 2022 begleitete er das Unternehmen als Beiratsvorsitzender. Foto: Bürkle/Interview: Markus Schmalz

Herr Schröer, auf welche Themen werden Sie von Ihren Kunden derzeit am häufigsten angesprochen?

Aktuell steht das Thema Retrofit an erster Stelle. Viele Bürkle-Kunden sind aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Situation verunsichert und möchten im Moment nicht in Neuanlagen investieren. Stattdessen modernisieren sie ihre bestehenden Anlagen im Rahmen eines Retrofits. Auch die Automatisierung gewinnt im Zuge des Arbeitskräftemangels weiter an Bedeutung. Was wir ebenfalls beobachten, sind Investitionen in nachhaltige Technologien. Die damit verbundene Kostensenkung durch einen geringeren Verbrauch von Energie, Lacken oder Materialien macht die Unternehmen wettbewerbsfähiger.  

Wie gestaltet sich momentan die Auftragslage bei Bürkle?

Wir sind immer noch gut ausgelastet, in sämtlichen Werken. In China und Ungarn müssen wir die Kapazitäten sogar deutlich ausbauen. Im Bereich Holzwerkstoffe verzögert sich der Start von einigen Projekten, wobei der Knoten in den letzten Wochen geplatzt ist und zunehmend neue Aufträge reinkommen. Für 2026 rechnen wir weiterhin mit einer Vollauslastung. Voraussichtlich werden wir mit einem deutlichen Auftragsüberhang ins Jahr 2027 gehen.  

Wie sieht es speziell im Bereich der Anlagen für die Möbel-, Fußboden- und Türenindustrie aus?

Alles, was konsumgetrieben ist, bleibt schwierig. Dazu gehört natürlich die Möbelindustrie. Kleine Nischenanbieter im Möbelbereich investieren noch am ehesten, weil sie ihre Stamm-Kundschaft beliefern – ebenso die großen Player. Das sind aber überwiegend strategische Investitionen, entweder wegen neuen Produkten, technischen Innovationen oder regionalen Markt-Erweiterungen. Bei den mittelgroßen Möbelherstellern gibt es dagegen eine starke, anhaltende Investitionsträgheit. Die Fußbodenindustrie bewegt sich auf dem gleichen schwachen Niveau wie die letzten Jahre. Im Türen- und Dämmstoffmarkt sehen wir seit Mitte 2025 eine Erholung, was sehr erfreulich ist. Grund ist der verstärkte Neubau von Häusern und Wohnungen in Europa. Leider ist dieser Trend noch nicht in Deutschland angekommen.  

Bürkle profitiert von der starken Nachfrage nach Laminieranlagen für die Herstellung von Leiterplatten. Geben Sie uns doch mal einen kleinen Einblick in diesen Boom-Markt und erklären Sie, was das Ganze mit KI zu tun hat.

Die Entwicklung und Verbreitung von KI schreitet in rasantem Tempo voran. KI braucht Rechenzentren, Rechenzentren brauchen Leiterplatten – und Bürkle beliefert nicht nur die Holz- und Möbelindustrie, sondern auch Leiterplattenhersteller mit Anlagen. In diesem Fall mit Laminieranlagen. Schauen Sie einfach mal, wie häufig die Menschen vor zwei Jahren ChatGPT genutzt haben – und wie häufig sie es heute tun. Die Anwendung solcher KI-Tools steigt erheblich. Und dafür benötigt man immer mehr Rechenkapazitäten…  

Die gerade massiv ausgebaut werden.

Richtig. Zumal KI nicht nur bei privaten Anwendern, sondern auch bei Unternehmen eine immer größere Rolle spielt. Die Ausstattung von Rechenzentren wird von wenigen Herstellern dominiert. Diese Unternehmen sind sehr innovativ unterwegs und treiben die Chip- und Leiterplatten-Hersteller mit immer neuen Entwicklungen vor sich her. Wir haben unseren Marktanteil im Bereich Laminieranlagen für die Leiterplatten-Produktion deutlich ausgebaut – speziell in Asien. Heute sind über 50 Prozent der wichtigsten Zulieferer in diesem Bereich unsere Kunden. Dadurch ist der Anteil des Leiterplatten-Segments am Gesamtumsatz von Bürkle von 20 bis 30 Prozent auf über 50 Prozent gestiegen.

Spiegelt sich das auch in steigenden Umsätzen wider?

Die Zahlen für 2025 sind noch nicht veröffentlicht (Stand Ende Februar). Aber ja, das Leiterplatten-Segment trägt zu steigenden Umsätzen bei. Für 2026 erwarten wir für Bürkle insgesamt ein Rekordjahr mit einem Umsatz in Höhe von rund 200 Millionen Euro.  

Wie man sieht, bedient Bürkle sehr unterschiedliche Kundenbranchen. Wie wichtig ist diese breite Aufstellung für das Unternehmen?

Sie gehört zur DNA von Bürkle. Wir kommen ja aus dem Bereich Pressen für die Holzverarbeitung. Der Gedanke der Unternehmensgründer war immer: „In welchen Segmenten können wir unsere Produkte sonst noch überall einsetzen?“ So ist zum Beispiel der Photovoltaik-Sektor aus dem Bereich Türenpressen entstanden. Die Pressen wurden für die Zielgruppe der Photovoltaik-Branche entsprechend weiterentwickelt und angepasst. Aus dem Bereich Leiterplatten ist wiederum der Bereich Plastikkarten entstanden. So wachsen wir Schritt für Schritt organisch in neue Branchen hinein und suchen kontinuierlich nach neuen Märkten mit Potenzial.

Können Sie sich auch den Zukauf weiterer Produktsegmente vorstellen?

Natürlich können wir uns auch Zukäufe vorstellen. Zuletzt hat Bürkle im Jahr 2020 SMB-David übernommen und damit das Portfolio für die Dämmplattenindustrie erweitert.  

Im Holzbereich wuchs das Portfolio ebenfalls: Seit 2016 bietet Bürkle auch Spritzlackieranlagen an. Wie heben Sie sich hier von Wettbewerbern ab, die schon länger am Markt tätig sind?

Wir haben uns bei der Spritzlackierung bewusst im mittleren Segment bei den Einstiegsmaschinen positioniert. Bürkle adressiert ambitionierte Handwerksbetriebe, die mit ihren Ansprüchen wachsen. Ein Beispiel ist unsere modular aufgebaute Einstiegsmaschine „Robus Eco“, die über drei getrennte Farbkreisläufe verfügt. Das heißt, wenn Farbwechsel schneller umgesetzt werden müssen, weil zum Beispiel das Volumen steigt, kann das innerhalb der Maschine angepasst werden. Automatisierungselemente lassen sich zudem mit unseren Plug & Play-Systemen erweitern. Auf der anderen Seite haben wir durch das Engineering von großen Anlagen die Möglichkeit, das Spritzlackieren auch auf industriellem Niveau anzubieten. Das schaffen viele Marktbegleiter nur zusammen mit Partnern.  

Bürkle investiert aktuell in die Modernisierung und in ein neues Werk am Standort Freudenstadt. Was sind die Gründe dafür und wie ist der Zeitplan?

Mit der umfassenden Modernisierung eines Werkteils sowie dem Neubau auf dem Firmengelände setzen wir ein klares Zeichen für die langfristige Stärkung unseres Stammsitzes. Wir schaffen die baulichen und technologischen Voraussetzungen, um die Anforderungen der globalen Märkte auch künftig erfolgreich bedienen zu können. Die Bauarbeiten beginnen demnächst, die Fertigstellung ist für Ende 2027 geplant. Mit der Investition in einstelliger Millionenhöhe möchten wir unseren 170 Mitarbeitern am Standort modernste und zukunftssichere Arbeitsplätze bieten.  

Gab es auch die Überlegung, auf der grünen Wiese zu bauen?

Diese Möglichkeit hat zu Beginn unserer Gespräche durchaus eine Rolle gespielt. Wir haben uns aber schließlich für eine Renovierung des bestehenden Standorts entschieden. Was übrigens auch unsere Mitarbeiter freut, die im gewohnten Umfeld bleiben können. Wir werden das bestehende Werk auf dem Betriebsgelände kernsanieren und mit modernster Technik ausstatten. Das neue Werk wird direkt daran angrenzen. Dadurch entsteht eine Einheit mit sehr kurzen Wegen, weshalb wir auch einen Produktivitätszuwachs generieren.  

Wie fügt sich die Investition in die Gesamtstrategie von Bürkle mit Baumaßnahmen an verschiedenen Standorten rund um den Globus ein?

In den letzten Jahren haben wir uns stark auf die Erweiterung unserer Standorte außerhalb Deutschlands bzw. Europas konzentriert. Wir hatten zum Beispiel Neubau-Projekte in China und Ungarn, um die wir uns kümmern mussten und die Ressourcen gebunden haben. Unser Heimat-Standort wartet dagegen schon länger auf eine Modernisierung, weshalb wir jetzt einen großen Schritt gehen.

Wie entwickeln sich die weltweiten Märkte im Bereich Möbelproduktion aus Sicht von Bürkle?

Während Corona wurde in Asien sehr viel investiert. Mittlerweile sind dort in der Plattenbearbeitung Überkapazitäten vorhanden – und die Chinesen beliefern mit ihren Möbeln die restlichen asiatischen Märkte. Auch die Importe nach Europa steigen rasant. Hinzu kommen die geopolitischen Entwicklungen mit dem Krieg in der Ukraine, der Zollpolitik in den USA sowie Post-Corona-Effekte beim Möbelkonsum. Das alles drückt natürlich auf die Stimmung. Wir erleben im Möbelbereich derzeit eine weltweite Rezession.

Das vollständige Interview erscheint in der HK 2/26

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