Möbeln ein zweites Leben schenken

„Reuse – repair – rethink“, so lautet das Motto des Kölner Startups Revive, das gebrauchte Designermöbel ankauft, herrichtet und wieder auf den Markt bringt. Das sorgt in der Branche durchaus für kontroverse Diskussionen. Die HK besuchte das junge Unternehmen und sprach vor Ort mit Paul Jonas, einem der beiden Gründer, über seine sinnhafte Mission: einen Beitrag zur Rettung der Welt zu leisten.

Paul Jonas im Showroom, wo sich Kunden auf 150 Quadratmetern einen ersten Einblick ins Sortiment verschaffen können (Text/Fotos: Julia Gottschick)

Wenn Paul Jonas über sein „Ikigai“ spricht – was aus dem Japanischen übersetzt so viel wie „wofür es sich zu leben lohnt“ bedeutet –, dann muss er nicht lange nachdenken. Womit kann ich Geld verdienen? Was macht mir Freude? Wie diene ich der Welt? So fasst er drei der vier Ikigai-Grundsätze zusammen und bringt´s dann auf den Punkt: „Für mich ist mein Ikigai klar das Machen, etwas zu gestalten.“ Dass sein Lebenssinn seit nunmehr neun Jahren konkret mit Möbeln zu tun hat, war dabei eher Zufall.

Los ging´s in der vierten Klasse, als er Jonas Brenig kennenlernte. „Wir zwei fanden uns inspirierend und bereichernd“, erinnert sich der heute 30-Jährige an die erste Begegnung mit seinem heutigen Geschäftspartner. „Und haben bemerkt, dass es Synergien zwischen uns gibt.“ Letztere führten 2015 zur gemeinsamen Gründung von Revive. Das Motto des jungen Unternehmens mit seinen inzwischen 30 Mitarbeitern umreißt gut, was die beiden Kölner seither tun: reuse – repair – rethink.

Die Vorgeschichte klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Wie Jonas nach dem Abitur bei Ebay stöbert, um zu checken, was Leute zu verschenken haben. Seine ersten beiden Sofas – eines aus weißem Kunstleder, das zweite mit grauem Stoff – holt er per Van ab und verkauft sie für 100 Euro weiter. Nachdem Paul von seinem Vollzeit-Job im Lufthansa-Callcenter die Nase voll hat, starten die beiden ihre Mission: gebrauchten Dingen ein neues Leben zu schenken. „Ohne Ausbildung, Studium oder konkrete Ahnung“ hätten sie sich dem Ankauf und der professionellen Aufbereitung gebrauchter Designermöbel verschrieben. Und das zunächst in einer von ihnen gemieteten Garage, in der alles bis unter die Decke gestapelt war.

In der Werkstatt von Revive werden die gebrauchten Markenmöbel zerlegt, von Flecken befreit und neu aufgepolstert

Inzwischen hat Revive im Gewerbegebiet von Köln-Lövenich auf 4.500 Quadratmetern 1.000 Markenmöbel aus zweiter Hand auf Lager. In der Polsterei-Werkstatt werden die aus rauchfreien Haushalten angekauften Stücke zerlegt, von Flecken befreit, genäht, aufgepolstert und in Top-Zustand gebracht – um später wieder veräußert zu werden. Wer sich etwa für ein Rolf-Benz-Ecksofa zum Preis von 1.499 Euro oder die Ligne-roset-Garnitur Finn-Holz-Stühle für 699 Euro interessiert, merkt schnell: Die Produkte sind im Vergleich zum Neupreis stark reduziert. Entsprechend knackig klingt der Slogan auf der Website: „Designermöbel zum unschlagbaren Preis“.

Die Mitarbeiter des Startups sind meist gelernte Polsterer und Polster-Näher

Die meisten Kunden stöbern erst im Online-Shop unter den rund 1.000 dort präsentierten Produkten und vereinbaren dann eine Videobesichtigung oder einen Vor-Ort-Termin in der Ottostraße 3, um sich auf 150 Quadratmetern Showroom und im angrenzenden Lager gezielt beraten zu lassen. Vom Boden bis zur Decke stapeln sich dort Sessel und Sofas jeglicher Ausführung in Metallboxen. Sogar getestet werden dürfen die Möbel. Durchschnittlich um die 100 Kauf-Interessierte buchen einen Besichtigungstermin pro Monat. Überschaubar, findet Paul – aber die Leute zücken danach auch meist das Portemonnaie.

„30 Prozent unserer Kunden kaufen vor Ort. Manche derer, die vor Ort waren, kaufen wiederum online“, rechnet er nach. Die Preise belaufen sich von – bis: So findet, wer sucht, bei Revive einen Designer-Sessel schon für 300 Euro. „Das Teuerste, was wir mal hatten, war ein cooles Ledersofa für 14.000 Euro,“ erinnert er sich. Von Bretz bis Stressless, von Cassina bis Schillig, von Baxter bis Thonet: Die Labels, die die Gründer vorhalten, lesen sich wie das Who´s who der gehobenen Einrichtungsbranche. Im DACH-Raum und den Niederlanden fährt Revive mit der eigenen Flotte aus, weltweit übernehmen Speditionen.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der HK 1/24.

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