Durchatmen – nicht zurücklehnen

Markus Schmalz ist Chefredakteur der HK.

Der Start ins Möbeljahr 2026 fühlte sich ungewohnt an. Nicht euphorisch, nicht sorglos – aber spürbar entspannter als noch vor zwölf oder 24 Monaten. Nach einer langen Phase des Gegenwinds scheint sich etwas zu stabilisieren. Die Branche steht sicherlich nicht vor einem Aufschwung, aber an einem Punkt, an dem wieder nach vorne gedacht wird. „Es herrscht deutlich mehr Zuversicht“, sagte Jan Kurth, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der deutschen Möbelindustrie, neulich zu mir. Vor allem in der Küche steigen die Auftragseingänge. Aktuell planen weniger als 30 Prozent der vom Verband befragten Unternehmen Kurzarbeit. Im ersten Halbjahr 2025 hatte der Anteil noch bei über 50 Prozent gelegen. Und doch gibt es drei Faktoren, die bei den Möbelproduzenten für ein gewisses Unsicherheitsgefühl sorgen.

Da ist zum einen die schwierige Situation im Wohnungsbau. Zwar ziehen die Baugenehmigungen seit einiger Zeit an, doch schrumpfen die Wohnungsfertigstellungen bis 2027 weiter. Und die sind für die Branche entscheidend. „Wir werden auch 2026 nicht den Schub vom Wohnungsbau bekommen, den wir bräuchten“, sagt Jan Kurth.

Der zweite Faktor ist der wachsende Importdruck aus Asien. Da die Absatzmöglichkeiten für chinesische Möbel in den USA durch die Zölle der Trump-Regierung stark eingeschränkt wurden, drängt immer mehr Billigware aus China auf den deutschen Markt. Diese Entwicklung spiegelte sich auch in der Teilnahme zahlreicher chinesischer Aussteller auf der IMM Cologne im Januar wider.

Seit kurzem gibt es nun ein drittes Aufreger-Thema: die geplante E-Auto-Prämie der Bundesregierung. Insider sprechen von „staatlicher Konsumlenkung zu Ungunsten der Möbelindustrie“. Denn wenn der Endverbraucher sein Geld in ein Auto investiert, fehlt es ihm für den Kauf von Möbeln. 2009 gab es schon mal ein ähnliches Instrument: die Abwrackprämie. Dieser Bonus wurde für den Kauf eines Neuwagens bei gleichzeitiger Verschrottung des alten Fahrzeugs gewährt. Damals brachen die Umsätze der deutschen Möbelindustrie um rund 10 Prozent ein. So heftig dürfte es diesmal nicht kommen, dennoch schadet die E-Auto-Prämie der Branche. Sie bevorteilt die Automobilindustrie, während der Cluster „Bauen und Einrichten“ mit seinen rund einer Million Beschäftigten auf dringend benötigte Impulse wartet. So mutierte etwa der „Bauturbo“ bisher leider zu einer herben Enttäuschung.   

Umso mehr gilt es für Möbelproduzenten in der aktuellen Situation, die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Zum Beispiel beim Thema Automatisierung. Der Fachkräftemangel macht es immer schwieriger, qualifiziertes Personal für Maschinen und Anlagen zu finden. Das zwingt viele Unternehmen, ihre Fertigung verstärkt mannlos auszurichten. Zumal es in diesem Bereich inzwischen gute und preiswerte Lösungen gibt. Doch wie steht es um den Automatisierungsgrad in der Branche? Wie stark beeinflussen KI und Robotik die Entwicklung? Und wie wichtig bleibt der Faktor Mensch? Diese und weitere Fragen erörterten hochkarätige Teilnehmer beim ersten „Expertengipfel Technik“ – veranstaltet von der HK, Lignum Consulting und Leuco in Horb. Was dabei herauskam, erfahren Sie im großen Gipfel-Report in der aktuellen HK-Ausgabe. Übrigens: Der nächste Expertengipfel findet am 17. Juni in der Lehrfabrik Möbelindustrie in Löhne statt.

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