Furniture Future Forum: Ostwestfalen vernetzt sich

Knapp 100 Gäste kamen jetzt ins Furniture Future Forum in Bünde. Unter dem Titel „Netzwerke, made in OWL! Warum wir gemeinsam stärker sind“ hatten 14 Zuliefererunternehmen rund um Initiatorin Katrin de Louw zum Furniture Talk Netzwerker aus Ostwestfalen zur Diskussion eingeladen. „Das Netzwerken in Ostwestfalen ist alles andere als eine neue Erscheinung“, erklärte Furniture Talk-Co-Moderator Sascha Tapken von Home.Made.Storys., der zum Einstieg in die Diskussion an die Wiedenbrücker Schule erinnerte: Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich in Wiedenbrück ein Cluster aus 25 Kunstwerkstätten und Ateliers für die Herstellung von Kirchenausstattung herausgebildet. Jede Werkstatt hatte eine eigene Spezialisierung. Die Künstler und Kunsthandwerker arbeiteten als Netzwerk von Werkstätten und teilten Aufträge untereinander auf – exportiert wurde damals in die ganze Welt bis nach China und in die USA. Eine Arbeitsweise, die in der deutschen Wirtschaftsgeschichte und Kunstgeschichte einmalig ist. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als die Märkte für Sakralmöbel allmählich einbrachen, entstand aus der Expertise der Wiedenbrücker Schule heraus ein Teil der Möbelindustrie in der Region.

Deshalb durfte Michael Laukötter, Geschäftsführer der Möbelmeile, Marketinggemeinschaft von 16 regionalen Möbelmarken, in der Runde nicht fehlen. Seit 1995 sprechen die Partnerunternehmen das Fachpublikum gemeinsam an, um so mehr Frequenz in die Showrooms zu bringen. Seit zwei Jahren lädt die Möbelmeile mit dem Dreiklang „Menschen – Business – Tradition“ breitere Zielgruppen ein – auch über den traditionellen Möbelhandel hinaus. „Im Kern möchten wir die Begeisterung, die in unseren Partnerunternehmen vorherrscht, noch stärker nach außen tragen wie z.B. mit unserem Tag der offenen Tür, den wir seit einigen Jahren am Sonntag nach den offiziellen Messetagen für die Region veranstalten“, sagte Laukötter. 

„Die Wirtschaftsstruktur Ostwestfalens ist ein perfektes Reallabor für Start-ups aus dem Tech-Bereich“, erklärte Dominik Gross, Geschäftsführer der Founders Foundation, denn mit den Clustern Food, Maschinenbau, Möbel, Autozulieferer und Bauwirtschaft gebe es für junge Unternehmer eine Produktionslandschaft, in der Ideen und Lösungen für die Prozessoptimierung unbedingt benötigt würden, um im internationalen Wettbewerb weiterhin zu bestehen. „In regionalen Netzwerken aus großen, erfahrenen Unternehmen und schnellen, problemlösenden Start-ups können wir in der Welt sehr erfolgreich sein“, glaubt er. Der Founders Foundation gelinge es seit 2016, aufstrebende Tech-Unternehmer mit der „Old Economy“ zusammenzubringen und erfolgreiche Gründergeschichten zu schreiben – komplementär dazu findet seit 2018 in Bielefeld die Tech-Konferenz „Hinterland of Things“ statt. Gross sagte auch: „Kein Unternehmen wird in Zeiten von KI und rasanten technischem Fortschritt dazu in der Lage sein, alle Bereiche zu beherrschen. Dafür braucht es Kooperationen und Netzwerke.“

Auch aus der vor zehn Jahren lancierten Kampagne „Das kommt aus Bielefeld“ sei inzwischen ein fest etabliertes städtisches Unternehmensnetzwerk mit mehr als 200 Partnern entstanden, wie Brigitte Meier, Prokuristin der Wege mbH, der städtischen Wirtschaftsförderung in Bielefeld, erläuterte. Sie macht sich in diesem Netzwerk stark dafür, dass sich nicht nur Geschäftsführer vernetzen sollten, sondern ebenso Fachkräfte auf unterschiedlichen hierarchischen und thematischen Ebenen. Auffallend sei auch die Ballung von Einkaufskooperation in der Region: EK Retail, Katag, der Einrichtungspartnerring VME und eben die Garant-Holding machten sich seit Jahrzehnten für den Mittelstand stark, wie Jens Hölper, Geschäftsführer der Garant-Gruppe, erklärte. Zur Verbundgruppe mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück zählten inzwischen 1.800 mittelständische Fachhändler. „Gemeinsame Interessen und ein gemeinsamer Wertekanon können als Verbundgruppe viel Kraft entwickeln. Voraussetzung dafür ist allerdings immer auch Kompromissbereitschaft. Entscheidend ist im Mittelstand immer der menschliche Faktor, deshalb begreifen wir unsere Verbundgruppe auch als Plattform, auf der wir Menschen zusammenbringen“, meinte Hölper.

Prof. Martin Stosch ist ein multipler Netzwerker in seiner Funktion als Hochschulprofessor an der TH OWL und Initiator der Interessengemeinschaft Leichtbau (igeL), dem Smart Wood Center OWL sowie den Netzwerken CircuLignum und MyConcept, die sich beide der Kreislaufwirtschaft sowie neuen Materialtechnologien widmen. Stosch lässt sich in seinem Netzwerkgedanken von dem Naturphilosophen Merlin Sheldrake leiten, der zu der Aussage kommt, dass Evolution das Ergebnis von Kooperation und nicht von Wettbewerb ist. Deshalb unterstreicht er auch: „Netzwerken ist immer gut. Denn erst, wenn ich das Problem kenne, kann ich nach Lösungen suchen. Je mehr das gemeinsam tun, desto besser.“ Auf den Weg in die digitale Vernetzung ging es mit Prof. Dr. Claudia Hilker, Inhaberin von Hilker Consulting. In ihrem Vortrag: „Vernetzung als Business-Booster: Mit LinkedIn neue Märkte und Kunden in der Möbelindustrie erschließen“ gab sie Tipps, wie sich LinkedIn auf B2B-Ebene sinnvoll und erfolgreich nutzen lässt. Dabei begeisterte sie mit ihrer Leidenschaft für das digitalen Netzwerken und gab ihren Zuhörern zu denken: „Nur ein Prozent von einer Milliarde LinkedIn-Nutzern postet regelmäßig Content. Es ist zwar verständlich, dass viele nicht wissen, was sie posten sollen oder ob sie überhaupt etwas beitragen wollen, aber die Chance ist nach wie vor riesig, aus dieser trägen Masse herauszustechen.“

Der Furniture Talk geht in einem Jahr in die Fortsetzung – dann als Trendfilter Talk. Vorher befasst sich der Trendreport am 6. Juni 2024 mit Möbeldesign nach Biostruktur und Kundenpersönlichkeit, digitalen Potenzialanalysen für Unternehmen und mit neuesten Design-Trends, die Katrin de Louw jährlich vorstellt. Die Gastgeber im Furniture Future Forum sind u.a. Continental, Hera, Röhm, Schattdecor und Sonae Arauco, Kooperationspartner die Founders Foundation, die TH OWL, Raumprobe, die Tischler Innung Herford sowie die Verbände der Holz- und Möbelindustrie NRW.

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