Stärkerer Fokus auf die Industrie

Als einer der weltweit führenden Hersteller von Maschinen und Anlagen für die Holzbearbeitung spürt die SCM Group die aktuelle geopolitische Verunsicherung besonders deutlich. Wie das italienische Unternehmen darauf reagiert, wo es trotz schwacher Konjunktur Potenziale für Wachstum sieht, wie sich der Auftragseingang in Deutschland entwickelt und was die SCM Group für die bevorstehende Xylexpo plant, erläutert Pietro Gheller, Director Wood Division, im Gespräch mit der HK. Der Beitrag erscheint in der HK 3/26. Auszüge daraus können Sie schon jetzt online lesen.

Pietro Gheller ist seit 2024 Director der Wood Division von SCM. Foto: SCM/Interview: Markus Schmalz

Herr Gheller, wie bewerten Sie im Moment die Marktsituation für Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen?

Das globale makroökonomische Umfeld bleibt komplex und unsicher. Anhaltende Konflikte und geopolitische Spannungen, darunter auch die jüngsten Entwicklungen im Iran, erhöhen die Volatilität in vielen Märkten und wirken sich direkt auf die Holzbearbeitungsbranche aus. In diesem instabilen Umfeld verfolgt SCM eine klare und konsistente Strategie und verzichtet bewusst auf kurzfristige Ansätze. Im Mittelpunkt steht die Kundenbeziehung, die weit über den Verkaufszeitpunkt hinausgeht und sich in einer strukturierten und proaktiven Begleitung über die gesamte Nutzungsphase hinweg zeigt. In den vergangenen Jahren haben wir diesen Ansatz gezielt weiterentwickelt, sowohl durch Investitionen in die Kompetenzen unserer Mitarbeiter als auch in moderne digitale Werkzeuge.  

Was heißt das konkret?

Durch die Investitionen ist ein Ökosystem entstanden, das kontinuierlich Mehrwert für unsere Kunden schafft. Unsere Maschinen sind heute umfassend mit Sensorik ausgestattet und vernetzt. Mehr als 5.000 Systeme sind an unseren Control Room angebunden und liefern kontinuierlich Daten, die wir in konkrete Services mit hohem Mehrwert überführen, wodurch sich unser Ansatz zunehmend von reaktiv hin zu proaktiv entwickelt. Diese Investitionen, zusammen mit unserer kontinuierlichen Forschungs- und Entwicklungsarbeit, haben dazu beigetragen, dass die Wood Division von SCM 2025 einen Umsatz von über 500 Millionen Euro erzielt und ihre Marktposition weiter gestärkt hat – auch getragen vom Wachstum im Bereich Engineering-Projekte.  

Wie unterschiedlich entwickeln sich die globalen Märkte aus SCM-Sicht?

Sie entwickeln sich sehr unterschiedlich. Nordamerika bleibt unser wichtigster Exportmarkt und zeigt weiterhin eine stabile Entwicklung, die von einem nach wie vor dynamischen Immobiliensektor getragen wird. In Südamerika ist die Situation deutlich anspruchsvoller, da sich der Wettbewerb zuletzt spürbar verschärft hat. In Europa ist die Volatilität hoch. In einigen Ländern hängt sie stark von Förderprogrammen ab, in anderen spiegelt sie tiefgreifende industrielle Umstrukturierungen wider. In Deutschland führt die Krise in der Automobilindustrie zu einer Neuordnung von Prioritäten und Strukturen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, was sich auch auf unsere Branche auswirkt. In den asiatischen Märkten und weiteren Schwellenländern zeigt sich ein heterogenes Bild, wobei der zunehmende Wettbewerbsdruck – insbesondere durch chinesische Anbieter – das Marktumfeld insgesamt anspruchsvoller macht.

Wie sieht es in Ihrem Heimatmarkt Italien momentan aus?

Es gibt Anzeichen einer Erholung. Das Jahr 2025 verlief besser als 2024 und nähert sich wieder dem Niveau von 2023 an. Der italienische Markt bleibt stark von industriellen Förderprogrammen geprägt, zeichnet sich jedoch durch die hohe Qualität im Design und die Fähigkeit aus, Möbeltrends frühzeitig zu erkennen. Was auch auf dem Salone del Mobile erneut bestätigt wurde. SCM investiert weiterhin gezielt im Land, sowohl in die Weiterentwicklung der Produktionsstandorte für unterschiedliche Technologien – von der Oberflächenbearbeitung über das Kantenanleimen bis hin zum Holzbau – als auch in den Ausbau von Partnerschaften mit Bildungseinrichtungen. Sei es mit Universitäten, Berufsschulen oder anderen Institutionen.  

Welche Rolle spielt der deutsche Markt für SCM und wo sehen Sie hier noch Wachstumspotenzial?

Deutschland gehört gemeinsam mit der DACH-Region zu den wichtigsten Märkten für SCM. Er zeichnet sich durch ein hohes Niveau sowohl in der industriellen Leistungsfähigkeit als auch im Branchen-Know-how aus. Gleichzeitig ist es einer der wettbewerbsintensivsten Märkte, in dem eine direkte und flächendeckende Präsenz entscheidend ist. SCM ist daher seit über 40 Jahren in Nürtingen vertreten und investiert weiterhin gezielt in den Standort, sowohl in personelle Ressourcen als auch in den Ausbau des Technology Centers. Wachstumspotenzial sehen wir im Massivholzbereich, sowohl im Fensterbau als auch im konstruktiven Holzbau, während sich der Bereich Customer Care weiterhin sehr positiv darstellt – insbesondere bei Wartungsverträgen und Remote-Support, die im deutschen Markt stark nachgefragt sind.  

Wie hat sich der Auftragseingang in Deutschland zuletzt entwickelt?

In den vergangenen Monaten konnten wir ein Wachstum im Auftragseingang verzeichnen – insbesondere durch eine deutliche Dynamik im letzten Quartal, was positive Perspektiven für 2026 eröffnet. Wachstumstreiber sind vor allem Engineering-Projekte und die Zusammenarbeit mit Key Accounts. Die Integration von Tecno Logica stellt hierbei einen klaren Wettbewerbsvorteil dar, da die Automatisierungs- und Robotiklösungen der Tochterfirma es uns ermöglichen, komplexe Projekte in unterschiedlichen Branchen umzusetzen – von Holz bis Automotive.  

In Deutschland verbindet man den Namen SCM meist mit dem Schreiner- und Tischler-Handwerk. Möchten Sie künftig auch die Industrie-Kunden noch stärker ansprechen?

Der Ausbau unseres Engineering-Teams sowie die Integration der Kompetenzen und Technologien von Tecno Logica zielen genau darauf ab, die Positionierung von SCM im Industriesegment weiter zu stärken. In den kommenden Jahren planen wir höhere Investitionen und eine stärkere Marktpräsenz, unterstützt durch ein erweitertes Angebot an kompletten Systemen und Linien, den Ausbau des Vertriebsteams sowie eine gezielte Stärkung des Servicebereichs. Die aktuellen Ergebnisse bestätigen diese Entwicklung bereits, mit einem deutlichen Wachstum bei Engineering-Projekten für große Industrieunternehmen – auch in Deutschland und in der gesamten DACH-Region. Parallel dazu bauen wir einen strukturierten Key-Account-Management-Ansatz mit spezialisierten Teams auf, den wir gemeinsam mit unserem Regional Manager Giovanni Masino und dem gesamten DACH-Team konsequent weiterentwickeln.  

Vor kurzem hat SCM eine Partnerschaft mit Tecnest, einem führenden Anbieter von Software für Produktionsplanung und Supply Chain Management, bekanntgegeben. Gibt es schon erste gemeinsame Projekte?

Mit der Integration von Tecnest in die SCM Group vervollständigen wir unser digitales Angebot für die Holzbearbeitung. Tecnest ist ein führender Anbieter von Softwarelösungen für Produktionsplanung, -steuerung und -optimierung. In diesem Zusammenhang spielt die MES-MOM-Plattform „Win MES“ eine zentrale Rolle, da sie SCM-Maschinen direkt mit dem gesamten Produktionsumfeld verbindet und gleichzeitig auch Systeme von Drittanbietern integriert. „Win MES“ fungiert als zentrale Steuerungsinstanz der Produktion, indem es Prozesse, Ressourcen und Informationsflüsse entlang der gesamten Wertschöpfungskette organisiert und so eine höhere Effizienz sowie ein proaktives Management von Schwankungen und unvorhergesehenen Ereignissen ermöglicht. Das Ergebnis ist eine stärker vernetzte, reaktionsfähigere und wettbewerbsfähigere Produktion. Durch diese Integration ist SCM heute der einzige Anbieter in der Branche, der ein vollständiges System aus Maschinen, Software und Services zur Unterstützung der digitalen Transformation von Unternehmen der Holzbearbeitung bereitstellen kann.  

Wie wichtig sind Akquisitionen für die Zukunftsstrategie von SCM? Können Sie sich nach den jüngsten Übernahmen von Tecno Logica und Mecal Machinery den Zukauf weiterer Unternehmen vorstellen?

Akquisitionen sind für uns ein strategisches Instrument, erfolgen jedoch stets innerhalb eines klar definierten Rahmens. SCM bewertet mögliche Partnerschaften und Integrationen konsequent anhand von zwei zentralen Kriterien: Schaffen sie konkreten Mehrwert für Kunden und Stakeholder und stärken sie die spezifischen Kompetenzen der Gruppe? Die Akquisitionen von Mecal Machinery und Tecno Logica folgen genau diesem Ansatz. Sie erweitern unsere technologischen Möglichkeiten und stärken unsere Position in wichtigen Marktsegmenten, um unsere Kunden gezielt in zunehmend komplexen Produktionsumfeldern zu unterstützen.  

Im Juni findet die Xylexpo in Mailand statt – und SCM ist als Aussteller wieder mit dabei. Was hat Sie zur Teilnahme an dieser zuletzt stark kritisierten Messe bewogen?

Wir sind überzeugt vom Wert des italienischen Systems, sowohl als Markt als auch als industrieller und technologischer Standort. In diesem Kontext stellt die Xylexpo eine relevante Veranstaltung für die Branche dar. Als global agierendes Unternehmen mit starken lokalen Wurzeln bekennen wir uns klar zur Teilnahme und verfolgen das Ziel, aktiv zum Austausch und zur Weiterentwicklung der gesamten Wertschöpfungskette beizutragen.

Der vollständige Beitrag erscheint in der HK 3/26

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