Auch im Wachstum zugewandt
In diesem Jahr feiert Markus Hüllmann, geschäftsführender Gesellschafter der Kraft Group, sein zehnjähriges Jubiläum im Rietberger Unternehmen. Im HK-Interview spricht der Vorsitzende des VDMA-Fachverbandes Holzbearbeitungsmaschinen über die Entwicklung des mittelständischen Maschinen- und Anlagenbauers, Geschäftsbereiche mit Wachstumspotenzial, die Situation des Maschinenbaus in Deutschland und darüber, wohin es in Sachen Automatisierung und KI künftig geht. Der Beitrag erscheint in der HK 3/26. Auszüge daraus können Sie schon jetzt online lesen.

Herr Hüllmann, vor zehn Jahren haben Sie die G. Kraft Maschinenbau GmbH übernommen. Welche Entwicklungen hat Kraft seither durchlaufen?
Wir sind heute ein ganz anderes Unternehmen, als wir das vor zehn Jahren waren. Kraft hatte allerdings schon damals einen sehr starken Fokus auf dem automatisierten Maschinenbau. Das hat mir von Anfang an besonders imponiert. Am meisten hat mir aber der Spirit im Haus gefallen. Und den haben wir uns bis heute erhalten.
Wie sieht dieser Spirit aus?
Der ist zugleich positiv, unkompliziert, zugewandt, direkt und innovativ – schlicht: straight to the point. Ich habe vorher in einem sehr großen Unternehmen gearbeitet. In einem solchen Konzern-Umfeld ist es eben nicht unkompliziert. Da geht es nicht schnell und direkt. Ganz anders bei Kraft: Auch im Wachstum haben wir versucht, uns diese Attribute und Werte zu erhalten. Gerade, weil uns unsere Kunden dafür schätzen. Gleichzeitig haben wir die Wachstums-Chancen genutzt.
Welche waren das?
Ungefähr die Hälfte war organisch: So ist die Belegschaft von 200 Mitarbeitern auf 700 gewachsen. Die andere Hälfte war anorganisch: über Akquisitionen. Neben der Gründung einer amerikanischen Tochtergesellschaft in Georgia ging es 2018 um die signifikante Beteiligung an der Dressel GmbH in Unna: ein ehemaliger Lieferant, der auf Schaltanlagen und Automatisierungstechnik spezialisiert ist. 2021 erfolgte zunächst die mehrheitliche, dann die Voll-Übernahme und Verschmelzung der Becker Sonder-Maschinenbau GmbH aus dem benachbarten Langenberg. Eine wertvolle Portfolio-Ergänzung im Verpackungs- und Sägebereich. Als drittes haben wir Anfang 2025 die CRCL GmbH aus Boppard übernommen, die sich mit Digital-Lösungen im Automatisierungsumfeld beschäftigt.
Was bedeutet die neueste Übernahme konkret für die Kraft Group?
Dass wir heute webbasiert in der Lage sind, den Zustand unserer Maschinen präzise zu monitoren, daraus Schlüsse zur Performance und eventuellen Verbesserung der Leistung abzuleiten. Ein wichtiges Instrument für uns sowohl als Hersteller von Einzelmaschinen als auch als Anbieter von verketteten Anlagen.
Wie gerade erwähnt, ist die Becker Sonder-Maschinenbau rechtlich auf Kraft verschmolzen. Sind die Unternehmen zur Einheit geworden?
Auf jeden Fall. Anfangs haben wir nur die Bereiche Einkauf und Vertrieb zusammengeführt, aber mit der Zeit realisiert, dass die Synergien größer sind. So haben wir vom ERP-System über Zeichnungssysteme bis hin zu den operativen Abteilungen alles zusammengeführt. Zwar sind beide Standorte physisch voneinander getrennt und stehen unter unterschiedlicher Leitung. Doch die Abteilungen werden alle zentral geführt. Insofern sind die Unternehmen inzwischen zur Einheit geworden. Im Nachhinein betrachtet, war das natürlich ein sensibler Prozess, den man bedächtig steuern musste, weil die Kollegen bei Becker eine eigene Identität hatten und haben.
Die Kraft Group ist in punkto Türen/Zargen, Möbel/Logistik, Dämmstoffe/Bauelemente und Verpackungssysteme international tätig. Wie laufen die einzelnen Segmente aktuell?
Von diesen vier Divisionen wird eine – die nachhaltige Verpackungstechnik – vollumfänglich und ganzheitlich in Langenberg, am ehemaligen Becker-Standort – heute Kraft Group – abgewickelt. Das ist der Bereich mit dem größten Wachstumspotenzial. Aus Mastholte dagegen werden die drei anderen Bereiche Dämmstoffe und Bauelemente, Möbel und Logistik sowie Türen und Zargen betrieben. Letzterer ist die größte Division, was auch auf lange Sicht so bleiben wird.
Was hat sich speziell hier getan?
Wir beobachten da gerade eine Verschiebung im Markt. Der Bereich Türen und Zargen war lange Zeit stark geprägt durch die Nachfrage im deutschsprachigen Raum. Die wird jetzt erweitert um Ost- und Südeuropa sowie um Nordamerika. Da sehen wir sehr gute Potenziale, die wir an vielen Stellen bereits gehoben haben und weiter heben müssen, weil wir sie in Deutschland nicht mehr so haben. Als Beispiel haben wir mit Spanien und Polen Länder, die in punkto Bevölkerung etwa halb so groß sind wie Deutschland – und dennoch werden da ungefähr genauso viele Türen und Zargen gefertigt wie hier. Schlicht, weil es aktuell mehr Bau-Tätigkeit gibt als bei uns.
Warum birgt gerade die nachhaltige Verpackungstechnik das größte Wachstumspotenzial?
Weil das ein universelles Thema ist. Wir verpacken ja ohnehin alle Güter, die auf unseren Maschinen gefertigt werden – aber auch andere Produkte, die mit unseren Bereichen gar nichts zu tun haben. Hinzu kommt der Aspekt der Nachhaltigkeit, den unsere Kinder einfordern – die wollen kein Plastik mehr sehen. Bei uns ist daher alles on demand und verbrauchsoptimiert. Das heißt, die Verpackung wird von Größe und Beschaffenheit her genau auf das Produkt zugeschnitten.
Gibt es weitere Faktoren, die das Verpackungsgeschäft befeuern?
Heute sind die Kern-Prozesse in vielen produzierenden Unternehmen hoch-automatisiert. Doch je näher man in Richtung Verpackung schaut, desto manueller ist es. Das geht mit zwei Problemen einher: Zum einen wird die Verpackung dem hochwertigen Produkt nicht gerecht. Zum anderen geht es um einen personalintensiven Bereich, der künftig in Sachen Kosten, Kapazitäten und Kompetenzen effizienter werden muss. Was also Investitionen in automatisierte Verpackungslösungen – Einzelmaschinen wie Karton-Zuschnitt-Automaten oder verkettete Anlagen – vorantreibt, ist der Fachkräftemangel. On demand, Nachhaltigkeit und Automatisierung sind die drei Faktoren, die das Verpackungsgeschäft befeuern.
Wie sieht es in dem Bereich Möbel und Logistik aus?
Das ist der Bereich, mit dem Kraft als Maschinenbau-Unternehmen vor 40 bis 50 Jahren angefangen hat. Lange haben wir für die Möbel- und andere Industrien viel Intralogistik- und Transporttechnik, also beispielsweise Portale, Riemen- und Rollenförderer, gebaut. Was sich in den letzten Jahren positiv entwickelt hat, ist die zunehmende Automatisierung.
Was heißt das genau?
Zwar finden die großen Erweiterungsinvestitionen der Vergangenheit im europäischen Raum momentan nicht statt. Wohl aber jene, die Prozesse schneller und effizienter gestalten. Durch den Einsatz von Robotern oder Vision-Systemen etwa. Auch wenn das keine Projekte der Größenordnung sind, die in der Möbelindustrie noch vor drei, vier Jahren gestemmt wurden, sind es viele davon. Und das birgt durchaus eine Chance, die wir im Bereich Möbel und Logistik sehen.
Der vollständige Beitrag erscheint in der HK 3/26
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