Feuer und Flamme für Kanten
Laser, Heißluft, Infrarot – das sind die gängigen Verfahren, mit denen heute Nullfugen-Kanten verarbeitet werden. Die Paul Ott GmbH bringt jetzt eine neue Technologie auf den Markt, die mit Wasserstoff arbeitet und den unsichtbaren Übergang zwischen Plattenoberfläche und Kantenband mit einer Flamme erzeugt. Die HK besuchte den Maschinenhersteller in Österreich, um mehr über die viel beachtete Neu-Entwicklung zu erfahren. Der Beitrag erscheint in der HK 3/26. Auszüge daraus können Sie schon jetzt online lesen.

Es liegt schon einige Zeit zurück, dass das Thema Nullfuge für Schlagzeilen sorgte. Vor rund 20 Jahren stellte der Küchenmöbelhersteller Bulthaup gemeinsam mit IMA Schelling und Rehau das erste Verfahren für eine optisch fugenlose Verbindung zwischen Kante und Platte vor. Mittels Lasertechnologie wird dabei die Funktionsschicht aufgeschmolzen, was den Einsatz von Klebstoffen überflüssig macht. Da die Laserbekantung recht preisintensiv und eher ein Industrie-Thema ist, entstanden schnell Alternativen, die mit Heißluft- oder Infrarottechnik arbeiten. Durchgesetzt hat sich bei Schreinern und Tischlern vor allem das Heißluftverfahren, das heute in vielen Kantenanleimmaschinen zu finden ist.
Einen neuen Weg schlägt nun die Paul Ott GmbH aus Lambach ein. Bei den „Innovationstagen“ im Oktober präsentierten die Österreicher erstmals eine Maschinen-Ausstattung, die bei der Nullfugenbekantung auf ein Gemisch aus Wasserstoff und Sauerstoff setzt. Dieses wird mit Hilfe des patentierten „Hy Fuse“-Systems erzeugt.
An der Funktionsschicht der Kante sorgt eine Flamme für die notwendige Temperatur, um diese so weit zu erhitzen, dass sie perfekt verarbeitet werden kann. Durch den dabei eingesetzten Wasserstoff wirkt die Flamme bläulich, was der Ausstattungsvariante den Namen „Blu Edge“ gab. „Die Innovation hat unser Partner aus Neuseeland entwickelt, mit dem wir schon seit fast 20 Jahren zusammenarbeiten“, erzählt Ott-Geschäftsführerin Beatrix Brunner. Das Unternehmen aus dem Inselstaat ist Vertriebspartner der Paul Ott GmbH.
Es gibt weltweit nur zwei Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen, die das patentierte System verwenden dürfen: Ott und Biesse. Die Italiener hatten es als Studie auf der Ligna 2023 vorgestellt, danach ist es um das Thema aber ruhig geworden. „Wir gehen damit nun großflächig in den Markt“, sagt Beatrix Brunner. Auf der Holz-Handwerk in Nürnberg wurde die Ott-Kantenanleimmaschinen „Pacific+“ in der „Blu Edge featuring Hy Fuse“-Edition gezeigt, was bei den Besuchern für großes Interesse sorgte. Inzwischen wurde das neue System bereits mehrfach verkauft – unter anderem an einen großen österreichischer Hersteller.
Mit „Blu Edge“ können sowohl post-co-extrudierte Kanten als auch nachbeschichtete Kanten verarbeitet werden. Zudem kann zwischen dem Nullfugenverfahren und PUR (sowie gegebenenfalls auch EVA) gewechselt werden. „Wir vereinen das Beste aus zwei Welten. PUR, der mit seiner Prozesssicherheit, Feuchtigkeitsbeständigkeit und optischen Ergebnissen ganz nahe an der Nullfuge seit vielen Jahren für Qualität sorgt. Und ,Blu Edge featuring Hy Fuse‘ für die Verarbeitung von Kanten mit Nullfugenfunktionsschicht für das optisch perfekte Ergebnis“, erklärt Beatrix Brunner. „Blu Edge“ lässt sich übrigens auch mit der „Duo-Combi-Melt“-Lösung von Ott kombinieren, mit der PUR in Weiß, PUR in Transparent und Nullfugenkanten auf einer Maschine möglich sind.
„Blu Edge featuring Hy Fuse“ arbeitet besonders energieeffizient, denn sowohl der Energie- als auch der Druckluftverbrauch sind äußerst gering. „Man braucht im Prinzip nur den Wasserstoff, der in handelsüblichen 10-Liter-Flaschen lokal gemietet oder gekauft werden kann. Die Versorgungssicherheit ist praktisch überall gegeben“, so Beatrix Brunner. Den Sauerstoff holt sich das Gerät aus der Umgebungsluft. Die Handhabung ist nach Ott-Angaben einfach: Der Kunde könne bereits nach sehr kurzer Einschulung mit der „Blu Edge“-Lösung sicher umgehen.
Der vollständige Beitrag erscheint in der HK 3/26
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