Die Zukunft mit Weitblick gestalten

Es gibt Firmen-Geburtstage, die selbst in der Branche etwas ganz Besonderes sind. Das 150-jährige Bestehen von Leitz gehört dazu. Anlässlich des Jubiläums durfte die HK mit Dr. Cornelia Brucklacher, Gesellschafterin und Beiratsvorsitzende, sowie CEO Jürgen Köppel tief in die Geschichte des Weltmarktführers eintauchen. Von den Anfängen 1876 über die starke Internationalisierung in den 1980er-Jahren bis zum Jubiläumsjahr 2026, in dem Leitz mit dem Sägeblatt „Fine Cut“ ein Technologiesprung gelungen ist. Im Fokus des Gesprächs stand jedoch vor allem eines: die Zukunft. Lesen Sie Teil eins des Interviews schon jetzt hier online.

Dr. Cornelia Brucklacher (links), Gesellschafterin und Beiratsvorsitzende, mit CEO Jürgen Köppel neben dem 150-Jahre Logo von Leitz. Foto und Interview: Markus Schmalz

Frau Dr. Brucklacher, Herr Köppel, 150 Jahre Leitz: Was fällt Ihnen zu diesem besonderen Jubiläum als Erstes ein?

Brucklacher: 150 Jahre Leitz steht für mich für zahlreiche Menschen, die im Laufe der Zeit Verantwortung übernommen und Großartiges geleistet haben. Persönlich verbinde ich mit dem Firmengeburtstag vor allem Dankbarkeit und auch Stolz. Für mich als Gesellschafterin ist es eine Verpflichtung, das Erbe unseres Familienunternehmens verantwortungsvoll in die Zukunft zu führen. Ich habe mich bereits im vergangenen Jahr intensiv mit dem 150-jährigen Bestehen beschäftigt. Dazu gehörte zum Beispiel auch die Entwicklung eines passenden Logos, das schließlich eine junge Mitarbeiterin von Leitz entworfen hat. Das Logo zeigt eine 150, die auf einem starken Fundament steht. Dabei symbolisiert die nach unten geöffnete Null eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft.  

Köppel: Beim Gedanken an 150 Jahre Leitz empfinde ich vor allem Dankbarkeit und Demut. Als Manager, der 2016 von außen ins Unternehmen gekommen ist, beeindrucken mich der strategische Weitblick, die Innovationskraft und das klare Wertesystem, das ich bei Leitz vorgefunden habe. Über fünf Generationen sind die Entscheider des Unternehmens immer wieder für die Umsetzung ihrer Strategie ins Risiko gegangen, was nicht immer einfach war. Davor habe ich größten Respekt – das ist wahres Unternehmertum.  

Ganz am Anfang der Historie steht Albert Leitz, der 1876 eine Werkstatt für Handbohrer, Hobelmesser und Beile gegründet hat. Was ist Ihnen aus Erzählungen und Überlieferungen aus dieser Zeit bekannt?

Brucklacher: Mein Ur-Ur-Großvater verfolgte eine klare Vision mit Werten wie Verlässlichkeit, Sorgfalt und Verantwortung. Diese Werte wurden von der ersten Generation an immer vorgelebt und weitergegeben. Albert Leitz war ein bodenständiger Handwerker, der hart gearbeitet hat. Durch seinen Fleiß verbuchte er schnell Erfolge und fand in Zürich und Winterthur sogar erste Kunden außerhalb Deutschlands. Da sich in dieser Zeit erste elektrisch angetriebene Maschinen durchgesetzt haben, nahm er auch Maschinenwerkzeuge in sein Sortiment auf. Ein zukunftsweisender Schritt für die weitere Entwicklung des Unternehmens.  

Ab den 1950er-Jahren wurde Leitz zu einem führenden Werkzeughersteller. Frau Dr. Brucklacher, für was stand Ihr Großvater Leonhard Stützel, der das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg übernommen hat?

Brucklacher: Mein Großvater stand für die Europäisierung. 1956 hat Leitz die erste Auslandsniederlassung in Rotterdam (Niederlande) eröffnet. 1961 folgte das erste ausländische Werk in Riedau (Österreich), das bis heute ein bedeutender Standort von Leitz ist. Mit weiteren Niederlassungen in Italien, Frankreich und anderen zentraleuropäischen Ländern sowie dem Aufbau des Leitz-Services legte Leonhard Stützel den Grundstein für die Kundennähe, die Leitz bis heute auszeichnet.

Unter Ihrem Vater Dr. Dieter Brucklacher expandierte das Unternehmen ab den 1980er-Jahren stark. Unter anderem wurde ein Werk in Brasilien eröffnet und der zuvor eher beiläufig bearbeitete nordamerikanische Markt systematisch erschlossen. War diese Phase entscheidend für die internationale Positionierung von Leitz?

Brucklacher: Ja, ich bin überzeugt davon, dass die Zeit unter meinem Vater richtungsweisend für das Unternehmen und seine globale Entwicklung war. Von Nordamerika bis Australien hat Leitz unter seiner Führung neue Märkte erschlossen. Mein Vater war immer Visionär, offen für Neues und hat dabei auch vor fremden Ländern und Kulturen – wie beispielsweise Japan und China – nicht Halt gemacht. Damals, in einer Zeit ohne Internet und Smartphones, war das noch nicht selbstverständlich und teilweise eine große Herausforderung. Ich bin dankbar, dass mein Vater diese Schritte gewagt hat, aus denen das starke Fundament von Leitz entstanden ist.  

Wir wollen in diesem Jubiläums-Interview nicht nur in die Vergangenheit zurückblicken, sondern uns vor allem auch mit der Zukunft beschäftigen. Wo sehen Sie das Unternehmen Leitz in fünf bis zehn Jahren?

Köppel: Die wichtigste USP von Leitz ist der weltweite Service und die damit verbundene Kundennähe, die wir weiter ausbauen möchten. Wir verfolgen auf den weltweiten Märkten eine Strategie mit 100-prozentigen Tochtergesellschaften, mit denen wir unser kundenorientiertes Wachstum vor Ort optimal umsetzen können. In den nächsten fünf bis zehn Jahren wollen wir unseren globalen Footprint noch weiter vergrößern. Dabei spielt der strategische Weitblick, den ich erwähnt hatte, eine zentrale Rolle. Ein kleines Beispiel: Unser brasilianischer Geschäftsführer kam vor einiger Zeit auf uns zu und meinte, dass er eine Möglichkeit sehe, ein an unser Werk in Brasilien angrenzendes Grundstück zu erwerben. Wir mussten nicht lange überlegen und haben das Grundstück sofort gekauft, denn dieser Schritt sichert unser weiteres Wachstum in Süd- und Mittelamerika aus unserem Werk in Brasilien ab. Hier wollten wir frühzeitig die Weichen stellen, denn das zeichnet Familienunternehmen aus.

Brucklacher: Genau diesen strategischen Weitblick hat mir mein Vater immer vorgelebt. Wir wollen überall dort, wo wir beheimatet sind, uns verwurzeln und dabei gleichzeitig für die Zukunft gerüstet sein.

Leitz ist Weltmarktführer, hat aber auch den Anspruch, Technologie- und Innovationsführer zu sein. Wie wollen Sie diese hohen Erwartungen auch in Zukunft erfüllen?

Brucklacher: Leitz war schon immer stark darin, Innovation als dauerhaften Prozess zu denken. Wenn wir neue Entwicklungen am Markt festgestellt haben, sind wir den Trends nicht hinterhergelaufen, sondern sind als Taktgeber vorangegangen.

Köppel: Ganz wichtig ist es, den Kunden zuzuhören und zu analysieren, wo die Chancen und Herausforderungen liegen. Auch dazu wieder ein Beispiel: Auf der Ligna 2017 haben wir festgestellt, dass Kunden vermehrt nach Lösungen im Holzsystembau fragen. Zur darauffolgenden Ligna im Jahr 2019 hat sich dieser Trend dann noch einmal verstärkt. Wir haben daraufhin unser Werkzeug-Programm für den Holzsystembau komplett überarbeitet. Als der Trend dann im Zuge der Urbanisierung und des nachhaltigen Bauens so richtig Fahrt aufgenommen hat, war unser Programm schon fertig. Als Vollsortimenter können wir so im Holzsystembau frühzeitig alles bieten, was der Kunde braucht.  

Am Thema Künstliche Intelligenz kommt derzeit niemand vorbei. Wo setzt Leitz überall KI-Tools ein?

Köppel: Wir nutzen Künstliche Intelligenz vor allem im administrativen Bereich, zum Beispiel bei der Analyse von Daten. Auch bei sprachlichen Themen hilft uns die KI, wenn wir etwa mit unseren internationalen Kollegen kommunizieren. Bei Messe-Schulungen setzen wir seit geraumer Zeit Avatare ein, die unser Messe-Programm in jeder Landessprache erklären. Dadurch ist bei den Mitarbeitern ein viel höheres Qualifizierungsniveau entstanden. Natürlich macht KI auch vor Produkten nicht Halt. Mit unserem „LeitzXPert“ etwa können Werkzeug-Informationen jederzeit und überall abgerufen werden.

Das gesamte Interview lesen Sie in der HK 4/26

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