Eine Frage der richtigen Balance
Starke Nachfrage nach Produkten trotz gleichzeitiger Investitionszurückhaltung: Winfried Dell, Geschäftsführer der Imos AG, ordnet im HK-Interview die Marktlage ein und spricht über die strategische Bedeutung von Nordamerika für das Wachstum des global operierenden Softwareunternehmens für die Möbel- und Holzverarbeitungsindustrie. Zudem betont er die entscheidende Rolle von KI für Unternehmen – als unterstützendes Werkzeug, ohne den kreativen oder strategischen Input des Anwenders zu ersetzen. Der Beitrag erscheint in der HK 4/26. Auszüge daraus können Sie hier schon online lesen.

Herr Dell, wie stark spüren Sie angesichts der angespannten Weltlage die aktuelle Investitionszurückhaltung?
Wir haben weltweit eine starke Nachfrage nach unseren Lösungen, die sich aber aktuell nicht monetarisieren lässt. Seit Beginn 2026 ist eine Investitionszurückhaltung in vielen Regionen spürbar, insbesondere in Gebieten, die stark von globalen Unsicherheiten, geopolitischen Spannungen oder wirtschaftlichen Schwankungen betroffen sind. Unternehmen agieren vorsichtiger, strukturieren um, prüfen mehr hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit, verschieben größere Projekte oder priorisieren andere Maßnahmen. Gleichzeitig sehen wir, dass weiter gezielt in Automatisierung und Digitalisierung investiert wird, da diese Bereiche als zukunftssicher gelten.
Wie fangen Sie das auf?
Die internationale Ausrichtung der Imos AG ist ein entscheidender Faktor, um wirtschaftlich schwierige Zeiten erfolgreich zu meistern. Durch unsere globale Präsenz in rund 100 Ländern können wir regionale Kaufzurückhaltung oder wirtschaftliche Schwankungen in einzelnen Märkten durch Umsätze in anderen Regionen kompensieren. Diese Diversifikation ermöglicht es uns, flexibel auf unterschiedliche Marktbedingungen zu reagieren und unsere Stabilität auch in herausfordernden Zeiten zu sichern. Gleichzeitig beobachten wir die Entwicklungen in den jeweiligen Märkten genau, um gezielt auf regionale Bedürfnisse einzugehen.
Was hat sich speziell an der Haltung der Kunden geändert?
Wir beobachten, dass sich Unternehmen der Branche, die traditionell stark exportorientiert waren, aufgrund der Zollpolitik zunehmend stärker auf den Binnenmarkt ausrichten. Dieser stellt jedoch andere Anforderungen an Produkte und Dienstleistungen. Kunden im Inland legen oft besonderen Wert auf maßgeschneiderte Lösungen, hohe Servicequalität und eine stärkere persönliche Ansprache. Unternehmen müssen daher ihre Strategien anpassen, um den spezifischen Erwartungen gerecht zu werden. Für diese Themen bieten wir entsprechende Produkte und Lösungen an.
Wie würden Sie vor diesem Kontext das laufende Geschäftsjahr bewerten?
Nach einem äußerst erfolgreichen Jahr 2025 mit zweistelligem Umsatzwachstum sehen wir im ersten Quartal 2026 eine gewisse Zurückhaltung, die auf die oben genannten Rahmenbedingungen zurückzuführen ist. Dennoch blicken wir mit Zuversicht auf die kommenden Monate. Die neuesten Entwicklungen deuten darauf hin, dass sich ab dem zweiten Quartal eine Trendwende abzeichnet. Unsere verstärkten Vertriebsmaßnahmen, kombiniert mit einer spürbar gestiegenen Entscheidungsbereitschaft der Unternehmen, geben uns Anlass zur Hoffnung, dass wir die gesteckten Ziele für 2026 noch erreichen können. Wir bleiben fokussiert und setzen weiterhin auf eine enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden, um gemeinsam die Herausforderungen der aktuellen Zeit zu meistern und nachhaltiges Wachstum zu sichern.
Wo sind Investitionen geplant?
Seit unserer Gründung steht die Entwicklung innovativer Lösungen im Mittelpunkt unserer Unternehmensphilosophie. Diesem Grundsatz bleiben wir auch in einer sich wandelnden Welt treu. Wir bei Imos sind fest davon überzeugt, dass Technologie, wenn sie richtig eingesetzt und benutzerfreundlich verpackt ist, enorme wirtschaftliche Potenziale in den Unternehmen freisetzen kann. Neben marktspezifischen Entwicklungen richten wir unseren Fokus derzeit darauf, unseren Kunden die tägliche Arbeit durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu erleichtern. KI bietet enorme Potenziale, um Prozesse zu automatisieren und die Produktivität zu steigern.
Imos ist auch dieses Jahr wieder auf der IWF in Atlanta vertreten. Welche strategische Bedeutung hat der nordamerikanische Markt für das globale Wachstum von Imos?
Der nordamerikanische Markt spielt eine zentrale Rolle in der globalen Wachstumsstrategie von Imos. Die USA und Kanada gehören zu den größten Märkten im Bereich Möbel- und Innenausbau weltweit und sind für die Imos AG von großer Bedeutung. Allerdings sind die besonderen Anforderungen an Produkt und Service nicht zu unterschätzen. Dasselbe gilt für den Wettbewerb. Seit Ende der 1990er-Jahre ist die Imos AG im nordamerikanischen Markt über diverse Vertriebspartner aktiv. Insbesondere durch die Zusammenarbeit mit der Vertriebsorganisation eines deutschen Maschinenherstellers konnten wir in den letzten Jahren den Markt besser verstehen und namhafte Hersteller aus der Industrie sowie Betriebe im hochwertigen Innenausbau für unsere Produkte gewinnen. Hier wollen wir ansetzen. Unsere Präsenz auf der IWF in Atlanta unterstreicht unser Engagement, in dieser Region weiter zu wachsen und unsere Marktposition stärker auszubauen.
Wie unterscheidet sich die Nachfrage der US-Kunden nach Digitalisierung von den Kernmärkten in Europa?
Die Nachfrage nach Digitalisierung unterscheidet sich zwischen den USA und unseren Kernmärkten in Europa in Bezug auf Prioritäten, Geschwindigkeit und Erwartungen an technologische Lösungen. Während europäische Kunden oft einen stärker prozessorientierten Ansatz verfolgen und Wert auf langfristige Integration und Nachhaltigkeit legen, ist die Nachfrage in den USA stärker auf schnelle, pragmatische und ergebnisorientierte Lösungen ausgerichtet. US-Kunden erwarten Technologien, die sofort einsatzbereit sind, einen klaren ROI bieten und sich flexibel an ihre spezifischen Geschäftsmodelle anpassen lassen. Die Bereitschaft, in neue Technologien zu investieren, ist in den USA oft höher, insbesondere wenn diese Innovationen Effizienzsteigerungen oder Wettbewerbsvorteile versprechen. Gleichzeitig legen US-Unternehmen großen Wert auf Benutzerfreundlichkeit und intuitive Bedienbarkeit.
Imos treibt KI-Integration mit Tools wie „iX Render AI“ voran. Wie stark verändert das Werkzeug – oder Künstliche Intelligenz generell – das Alltagsgeschäft in der Möbelindustrie?
KI – und Tools wie „iX Render AI“ – machen Möbelhersteller in Industrie und Handwerk nicht nur effizienter, sondern auch kreativer und kundenorientierter. Es handelt sich um eine transformative Technologie, die sowohl kurzfristige Vorteile als auch langfristige Veränderungen mit sich bringt. Die volle Tragweite dieser Entwicklung lässt sich heute nur erahnen. Sicher ist jedoch, dass der bewusste Verzicht auf KI die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens gefährdet.
Sie sagten jüngst, dass Kunden bei KI-Prozessen die Kontrolle behalten wollen. Wie lässt sich Automatisierung durch KI mit dem Wunsch nach manueller Detailkontrolle vereinen?
Während Automatisierung durch KI enorme Effizienzgewinne und Zeitersparnis ermöglicht, bleibt der Wunsch vieler Kunden, die Kontrolle über Details und Entscheidungen zu behalten. Um diesen scheinbaren Widerspruch zu lösen, setzen wir auf einen hybriden Ansatz, der Automatisierung und manuelle Kontrolle verbindet. Unsere KI-gestützten Tools wie „iX Render AI“ sind so konzipiert, dass sie repetitive und zeitaufwändige Aufgaben übernehmen, während der Mensch weiter die Möglichkeit hat, manuell einzugreifen und Detailanpassungen vorzunehmen. Die KI agiert als unterstützendes Werkzeug, das Vorschläge liefert und Prozesse beschleunigt, ohne den kreativen oder strategischen Input des Anwenders zu ersetzen. Letztlich geht es darum, die richtige Balance zu finden: Automatisierung, wo sie sinnvoll ist, und manuelle Kontrolle, wo sie notwendig ist. Diese Balance zu finden, ist unsere Aufgabe.
Das gesamte Interview lesen Sie in der HK 4/26
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Die aktuelle HK-Ausgabe und die Supplements sind exklusiv für unsere Print-Abonnenten und deshalb online nicht verfügbar. Ältere Ausgaben finden Sie in der Rubrik E-Magazine.

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