Mit Fokus auf eigene Stärken
150-jähriges Bestehen von Leitz – in Teil zwei des Interviews zum Jubiläum sprechen Dr. Cornelia Brucklacher, Gesellschafterin und Beiratsvorsitzende, und CEO Jürgen Köppel mit HK-Chefredakteur Markus Schmalz über Themen wie Arbeitsplatz-Abbau in der Industrie, den „Zehnkampf der Holzbearbeitung“, Wettbewerb aus China, das neue Sägeblatt „Fine Cut“ sowie über Synergien mit den Leitz-Schwesterunternehmen Boehlerit und Bilz. Auch werfen sie einen Blick in die Zukunft – auf die Ligna 2027.

Keine Woche vergeht, in der nicht über Arbeitsplatz-Abbau in der Industrie oder gar eine Deindustrialisierung in Deutschland berichtet wird. Wie sehen Sie als hierzulande produzierendes Unternehmen die Debatte?
Köppel: Wir sind in Deutschland oft sehr pessimistisch. Natürlich dürfen wir vor den Problemen in unserem Land nicht die Augen verschließen, aber ich finde es unangebracht, den Begriff der Deindustrialisierung zu verwenden. Wir haben zum Beispiel im Maschinenbau im Gegensatz zu England oder Frankreich immer noch zahlreiche wichtiger Player und Weltmarktführer in Deutschland. Als Industrie müssen wir uns dem härteren Wettbewerb – speziell aus Asien – stellen und uns auf unsere Stärken konzentrieren bzw. neue Stärken suchen. Von der Politik wünsche ich mir, dass sie vernünftige Rahmenbedingungen schafft, die es den Unternehmen ermöglichen, wettbewerbsfähig zu bleiben oder auch neue Stärke zu erlangen.
Herr Köppel, Sie haben Leitz in unserem letzten Interview mit einem Zehnkämpfer verglichen, der aufgrund des breiten Produktportfolios überall Vollgas geben muss. Wie läuft der „Zehnkampf der Holzbearbeitung“ 2026?
Köppel: Seit dem Krieg in der Ukraine befindet sich die Holzbearbeitungsbranche in stetiger Unsicherheit. Hinzu kommen steigende Preise, Konsumzurückhaltung und aktuelle Konflikte wie im Iran, die Gift für die konjunkturelle Zuversicht sind. In dieser Situation verschieben viele Unternehmen geplante Investitionen, was auch Leitz als Werkzeughersteller betrifft. Auf der anderen Seite profitieren wir im Moment von Ersatzinvestitionen. Es muss nicht immer eine neue Maschine sein – oft werden auch neue Werkzeuge für vorhandene Maschinen benötigt. So können Kunden ihre Qualität und Produktivität mit vergleichsweise geringen Kosten steigern. Darüber hinaus wächst erfreulicherweise der Bereich Service bei Leitz weiter. Und auch mit der Holz-Handwerk 2026 und dem Nachmessegeschäft sind wir sehr zufrieden. Wir hatten einen Zuwachs von 20 Prozent an Besuchern bei uns am Stand, was gegenwärtig ein außergewöhnlicher Wert ist.
Um im Bild des Zehnkämpfers zu bleiben: Wie stark spüren Sie den Atem der chinesische Wettbewerber?
Köppel: Dass die Chinesen stärker werden und in andere Märkte vordringen, können wir nicht verhindern. Wir bei Leitz versuchen, die Innovationskraft voranzutreiben und unsere asiatischen Wettbewerber dort zu stellen, wo sie Schwächen haben. Zum Beispiel beim Service: Viele Leitz-Werkzeuge können bis zu zehn Mal und teils öfters nachgeschärft werden. Viele chinesische Werkzeuge können nur ein- bis zweimal oder gar nicht nachgeschärft werden. Das bedeutet für den Kunden einen enormen Kostenfaktor, wenn er ständig neue Werkzeuge kaufen muss. Die Total Cost of Ownership über den gesamten Lebenszyklus macht den entscheidenden Unterschied.
Im Jubiläumsjahr hat Leitz eine sehr spannende Innovation auf den Markt gebracht. Beim neuen Sägeblatt „Fine Cut“ entfällt der Prozess des Vorritzens. Wie sind Sie darauf gekommen?
Köppel: Frau Dr. Brucklacher meinte bereits vor zwei Jahren, dass sie zum Firmengeburtstag gerne ein „Wow-Produkt“ als Geschenk für das Unternehmen und damit seine Belegschaft und Kunden hätte. Sie wünschte sich eine Innovation, die einen echten Technologiesprung darstellt. Wir haben die Challenge angenommen und sind dann über Kundengespräche auf das Glaslaminat „Rauvisio“ aufmerksam geworden, das ohne Nacharbeit schwierig zu bearbeiten ist. Dafür wollten wir nicht nur ein neues Sägeblatt entwickeln, sondern den gesamten Prozess für anspruchsvolle Werkstoffe neu denken. Mit „Fine Cut“ (siehe Seite 64) ist es uns dann gelungen, die Funktion des Vorritzaggregats im Hauptsägeblatt selbst zu integrieren und den nahezu perfekten Schnitt zu realisieren.
Wo ist „Fine Cut“ bereits im Einsatz und wie ist das Feedback der Kunden?
Köppel: „Fine Cut“ wurde zunächst von anspruchsvollen Innenausbauern getestet, die sofort begeistert waren. Anschließend sind wir in breite Tests mit hochwertigen Serienfertigern eingestiegen. Wir haben schnell gemerkt, dass es einen Bedarf für die neue Lösung gibt – vor allem bei Formatkreissägen und bei vertikalen Plattenaufteilsägen. Inzwischen wird „Fine Cut“ teilweise sogar auf Druckbalkensägen eingesetzt, auch wenn das eher die Ausnahme ist. Das Feedback der Kunden ist bisher sehr gut.
Zur Brucklacher Group gehören nicht nur Leitz, sondern auch Boehlerit, ein Spezialist für Schneidstoffe, und Bilz, ein Hersteller von Spannwerkzeugen. Welche Synergien ergeben sich mit den Schwester-Unternehmen?
Brucklacher: Boehlerit und Bilz sind schon sehr lange Teil der Brucklacher Group. Boehlerit wurde 1991 übernommen, Bilz im Jahr 2001. Im Firmenverbund können wir von der Entwicklung des Schneidstoffs über das Werkzeug bis zur Einbindung in die Maschine sämtliche Prozessschritte abbilden, wodurch Synergien in den unterschiedlichsten Bereichen entstehen. Die Schwester-Konzerne arbeiten eng zusammen und stimmen ihre Produkte optimal auf die Kunden ab. Im Vorfeld des 150. Jubiläums von Leitz habe ich nicht nur Herrn Köppel, sondern auch die Geschäftsführer von Boehlerit und Bilz darum gebeten, ein „Wow-Produkt“ zu entwickeln. Beide haben die Challenge angenommen und entsprechende Innovationen inzwischen zum Patent angemeldet.
Leitz ist für sein soziales und kulturelles Engagement bekannt. Welche Bedeutung haben solche Aktivitäten abseits des Alltagsgeschäfts für Sie?
Brucklacher: Für mich sind das Herzensprojekte, welche die DNA unseres Familienunternehmens ausmachen. Unsere globale Initiative „We-Care“ bündelt die weltweiten und teils seit Jahrzehnten existierenden Aktivitäten in den Bereichen Gesellschaft, Soziales und Kultur sowie Arten-, Natur- und Umweltschutz. Dazu ein paar Zahlen: In den vergangenen fünf Jahren wurden weltweit im Rahmen von „We-Care“ 723 Projekte umgesetzt und dabei beispielsweise 18.731 Bäume gepflanzt sowie 478 Liter Blut gespendet. Dafür haben unsere Mitarbeiter in ihrer Freizeit insgesamt 19.217 Stunden investiert. Darauf bin ich wirklich stolz. Man spürt auch bei den Mitarbeitern, was es für einen Zusammenhalt auslöst, wenn man gemeinsam etwas Gutes auf die Beine stellt.
Noch ein knappes Jahr, dann ist wieder Ligna. Was wird die Besucher am Leitz-Stand im Mai 2027 erwarten?
Köppel: Wir setzen uns mit den Themen auseinander, die unsere Kunden bewegen: Produktivität, Effizienz, Flexibilität, Qualität und Nachhaltigkeit. Bei den Sägeblättern haben wir mit „Fine Cut“ schon ordentlich vorgelegt, aber auch bei den Bohrern konnten wir einen großen Schritt nach vorne machen. In diesen und weiteren Produktbereichen dürfen sich die Besucher der Ligna 2027 auf zahlreiche Innovationen von Leitz freuen. Dabei stehen drei Branchen-Segmente im Fokus: der Holzsystembau, die Möbelindustrie und die Fensterhersteller. Ich bin überzeugt davon, dass wir in allen Segmenten noch lange nicht am Ende der Entwicklung angekommen sind.
Das gesamte Interview lesen Sie in der HK 4/26
Weitere Premium-Artikel
Aktuelle Ausgaben:

In der HK 3/26 erwartet Sie ein großes Italien-Special: HK-Chefredakteur Markus Schmalz ist über den Brenner gereist und hat neben dem zu Egger gehörenden Holzwerkstoffhersteller SAIB den Beschlaghersteller FGV besucht, der 2024 von der Hettich-Gruppe übernommen wurde. Weiterer Schwerpunkt der Ausgabe ist die Möbelkante. Das Supplement „Türen-Magazin“ beleuchtet zudem neueste Entwicklungen aus der Branche.
Die aktuelle HK-Ausgabe und die Supplements sind exklusiv für unsere Print-Abonnenten und deshalb online nicht verfügbar. Ältere Ausgaben finden Sie in der Rubrik E-Magazine.

Mit Fokus auf eigene Stärken
150-jähriges Bestehen von Leitz – in Teil zwei des Interviews zum Jubiläum sprechen Dr. Cornelia Brucklacher, Gesellschafterin und Beiratsvorsitzende, und CEO Jürgen Köppel mit HK-Chefredakteur Markus Schmalz über Themen wie Arbeitsplatz-Abbau in der Industrie, den…
Weiterlesen ›
Die Zukunft mit Weitblick gestalten
Es gibt Firmen-Geburtstage, die selbst in der Branche etwas ganz Besonderes sind. Das 150-jährige Bestehen von Leitz gehört dazu. Anlässlich des Jubiläums durfte die HK mit Dr. Cornelia Brucklacher, Gesellschafterin und Beiratsvorsitzende, sowie CEO Jürgen…
Weiterlesen ›
Preiseinstieg trifft auf Premium
Wo steht der italienische Beschlaghersteller FGV zwei Jahre nach der Übernahme durch Hettich? Das weiß keiner besser als Uwe Kreidel. Seit 2024 führt der gebürtige Bielefelder das Unternehmen als CEO. Die HK besuchte Kreidel am…
Weiterlesen ›
