Stark durch globale Aufstellung
Blum wächst trotz des schwierigen Marktumfelds weiter und erzielt inzwischen mehr als die Hälfte seines Umsatzes außerhalb der EU. Grund genug für eine Reise nach Österreich, um mehr über das Erfolgsrezept des Weltmarktführers zu erfahren. André Dorner, Head of Sales Europe West, und Frank Nolte, seit September neuer Vertriebsleiter Deutschland für die Industrie, empfingen die HK im Showroom in Höchst. Ein Gespräch über Marktchancen, Investitionen, die Vernetzung der weltweiten Produktionsstandorte und die neuen Boxsysteme von Blum. Das Interview erscheint in der HK 5/26. Auszüge daraus können Sie hier schon online lesen.

Herr Dorner, Herr Nolte, Blum hat seinen Umsatz im Wirtschaftsjahr 2025/26 um 2,4 Prozent gesteigert – nachdem bereits im Vorjahr ein Umsatzplus gelungen war. Viele Unternehmen in der Branche kämpfen dagegen mit rückläufigen Zahlen. Wie hat Blum das geschafft?
Dorner: Zunächst muss man dazu sagen, dass sich auch Preiseffekte positiv auf den Umsatz ausgewirkt haben. Dennoch sind wir sehr zufrieden. Einer der Erfolgsfaktoren von Blum ist die starke internationale Präsenz und Kundennähe. Über 50 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaften wir inzwischen außerhalb der Europäischen Union. Unsere zehn wichtigsten Märkte verteilen sich über vier Kontinente. Diese breite geografische Aufstellung hat uns in den vergangenen beiden Wirtschaftsjahren sehr geholfen.
Dann lassen Sie uns einen Blick auf die weltweiten Märkte werfen. Welche Regionen geben Ihnen momentan Anlass zur Zuversicht?
Dorner: In Osteuropa verzeichnen wir bereits seit längerer Zeit ein erfreuliches Wachstum. Wichtige Märkte wie Polen, Tschechien, Ungarn und die Türkei tragen maßgeblich dazu bei. Auch auf dem Balkan sehen wir eine positive Dynamik. In Nordamerika lief das Geschäft zuletzt gut, in lokaler Währung sogar noch besser, da hier Währungseffekte zu berücksichtigen sind. Die USA sind weiterhin unser größter Einzelmarkt. Auch Mexiko und Brasilien sowie einige kleinere Märkte in Südamerika haben zugelegt, allerdings auf niedrigerem Niveau. Im asiatisch-pazifischen Raum ist das Bild gemischt. China, unser wichtigster Markt in Asien, bleibt eingetrübt. Die Situation hat sich allerdings stabilisiert. Und im Mittleren Osten haben sich die Märkte trotz der Iran-Krise erstaunlich resilient gezeigt.
Wie stellt sich die Lage in Westeuropa dar? Und wie sieht es speziell in Deutschland aus?
Dorner: Märkte wie Spanien oder Italien, die nach der Corona-Pandemie auf einem hohen Niveau geblieben sind, haben sich auch im vergangenen Wirtschaftsjahr gut entwickelt. In Italien sehen wir allerdings erste Anzeichen einer Abkühlung. Skandinavien hat wieder etwas angezogen, Frankreich stabilisiert sich und Großbritannien steckt in einem strukturellen Umbruch. In der DACH-Region spüren wir einen leichten Aufwind, der vor allem vom Handwerk und dem hochwertigen Industriebereich getragen wird.
Nolte: In Deutschland hellt sich die Lage leicht auf. Von einem echten Aufschwung kann allerdings noch nicht die Rede sein. Ich gehe auch nicht davon aus, dass dieser 2027 kommen wird, sondern eher 2028 oder später. Die Endverbraucher sind weiterhin durch globale Krisen, hohe Zinsen und die Inflation verunsichert. Hinzu kommt, dass der Bausektor nicht wie gewünscht anspringt, obwohl die Baugenehmigungen steigen. Die Segmente Küche und Bad könnten meiner Meinung nach relativ schnell von einem Aufschwung profitieren. In anderen Bereichen wie Wohnen oder Schlafen ist es dagegen schwieriger.
Steigende Energie- und Materialkosten belasten die Industrie seit Monaten. Wie geht Blum mit dem Kostendruck um – und in welchem Umfang lassen sich Preiserhöhungen an die Kunden weitergeben?
Nolte: Die steigenden Kosten spüren wir als Zulieferer sehr deutlich. Wir stehen deshalb im engen Austausch mit unseren Kunden in der Möbelindustrie und werden unvermeidbare Mehrbelastungen mit Augenmaß weitergeben müssen. Dabei geht es nicht darum, sämtliche Kostensteigerungen weiterzureichen, sondern nur diejenigen, die wir als Unternehmen selbst nicht beeinflussen oder kompensieren können.
Bei welchen Materialien ist der Kostendruck besonders groß?
Dorner: Als Beschlaghersteller spielt bei uns der Stahl eine wichtige Rolle. Aus europäischer Sicht geht die Entwicklung hier leider in die falsche Richtung. Beim Bezug von Stahl sind wir mit protektionistischen Maßnahmen konfrontiert. Hinzu kommen steigende Belastungen durch umweltpolitische Vorgaben, etwa beim CO2-Preis. Das erschwert es europäischen Unternehmen, international wettbewerbsfähig zu bleiben.
Blum investiert auch in einem schwierigen Marktumfeld weiter. Wie hoch waren die Investitionen zuletzt und welche Schwerpunkte setzen Sie?
Nolte: Die Blum-Gruppe hat im vergangenen Jahr 168 Millionen Euro investiert, davon 120 Millionen in Vorarlberg. Wir denken dabei bewusst langfristig und richten unsere Investitionen nicht an der aktuellen Marktlage aus. Entscheidend ist, unsere Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft zu sichern. In den kommenden Jahren werden wir vor allem unser internationales Produktionsnetzwerk weiter ausbauen. Gleichzeitig investieren wir kontinuierlich in Innovationen.
Dorner: Ein Beispiel dafür ist unser Werk 4 in Bregenz, in dem wir Box-, Führungs- und Pocketsysteme produzieren. Das Areal haben wir während der Corona-Pandemie erworben und dort inzwischen zusätzliche Fertigungsbereiche und Bürogebäude geschaffen. Auch im Werk 2 konnten wir vor kurzem einen Bauabschnitt abschließen. Dort wurde die komplette Scharniermontage wieder zusammengeführt, nachdem ein Teil der Produktion wegen fehlender Kapazitäten vorübergehend in das Werk 5 ausgelagert worden war.
Vor zwei Jahren hat Blum ein Areal in St. Pölten gekauft, um dort perspektivisch ein neues Werk zu bauen. Wie ist der aktuelle Stand und wie sieht der weitere Zeitplan aus?
Dorner: Mit dem Kauf haben wir uns 2024 eine langfristige Option für die weitere Entwicklung unseres Produktionsnetzwerks gesichert. Der direkte Bahnanschluss des Areals war für uns ein entscheidendes Kriterium im Sinne eines nachhaltigen Warenflusses. Zudem haben wir mit Voith einen Partner gefunden, mit dem wir den Standort gemeinsam entwickeln und Synergien schaffen können. Wir prüfen nach wie vor, wie wir das Areal perspektivisch nutzen können. Es gibt dazu bereits Überlegungen, aber noch keine konkreten Entscheidungen.
Blum will die Produktionsstandorte in Österreich, Polen, den USA und China künftig stärker miteinander verknüpfen. Was steckt hinter diesem Ansatz?
Dorner: Wir wollen noch näher am Kunden sein und schneller sowie flexibler auf Markt-Bedürfnisse reagieren. Gleichzeitig sollen sich unsere Werke stärker ergänzen. Bestimmte Produktgruppen könnten künftig gezielt an einzelnen Standorten gefertigt und von dort an andere Werke geliefert werden. Dieses Prinzip funktioniert in Österreich bereits.
Zur Interzum 2025 hat Blum erstmals die „Plicobox“ vorgestellt. Wie ist das Feedback auf das neue Boxsystem?
Dorner: Die Resonanz ist bisher sehr positiv. Wir haben die „Plicobox“ speziell für den Wohn- und Schlafbereich entwickelt und uns dabei einiges einfallen lassen wie das innovative Faltbodenkonzept, die platzsparende Verpackung oder die einfache Montage. Darüber hinaus erschließen sich neue Anwendungsfelder außerhalb des klassischen Anwendungsbereichs. Interessant sind beispielsweise Branchen, in denen Leichtbau eine wichtige Rolle spielt – wie der Schiffs- oder Caravanbau. Damit könnten wir künftig neue Kundengruppen erschließen. Der Aufbau solcher Märkte braucht allerdings Zeit.
Mit der „Arteabox“ folgt 2027 ein weiteres neues Boxsystem. Welche Anforderungen soll es erfüllen und wie ergänzt es das bestehende Portfolio?
Dorner: Die Entwicklung der „Arteabox“ hat viel Zeit, Know-how und Engagement erfordert. Umso mehr können wir stolz darauf sein, was wir bei Blum gemeinsam erreicht haben. Mit der „Arteabox“ reagieren wir gezielt auf die Bedürfnisse unserer Kunden. Sie ist ein auf das Wesentliche reduziertes, modernes Boxsystem. Das konsequente schmale Programm verringert Komplexität in Verarbeitung, Warehousing, Planung und Programm und bietet geradliniges Design attraktiv positioniert – ohne Kompromisse bei der bewährten Blum-Qualität. Damit schließen wir eine wichtige Lücke in unserem Angebot und können die Bedürfnisse unserer Kunden noch gezielter abdecken.
Den gesamten Beitrag lesen Sie in der HK 5/26
Weitere Premium-Artikel
Aktuelle Ausgaben:

In der HK 4/26 erwarten Sie zwei starke Specials rund um „Plattenzuschnitt“ und „Software“. Neben dem großen Jubiläumsinterview anlässlich des 150-jährigen Bestehens von Leitz und einem Ausblick auf die IWF in Atlanta geht es diesmal um die zunehmende Präsenz chinesischer Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen auf dem deutschen Markt. Zudem informiert Sie das Supplement „Design+Beschlag-Magazin 2026“ über neueste Entwicklungen der Branche.
Die aktuelle HK-Ausgabe und die Supplements sind exklusiv für unsere Print-Abonnenten und deshalb online nicht verfügbar. Ältere Ausgaben finden Sie in der Rubrik E-Magazine.

Stark durch globale Aufstellung
Blum wächst trotz des schwierigen Marktumfelds weiter und erzielt inzwischen mehr als die Hälfte seines Umsatzes außerhalb der EU. Grund genug für eine Reise nach Österreich, um mehr über das Erfolgsrezept des Weltmarktführers zu erfahren.…
Weiterlesen ›
Eigene Hausaufgaben machen
Ist die Möbel- und Zulieferindustrie attraktiv genug für junge Menschen? Teil zwei unseres Berichts über den „Expertengipfels Personal“, der in der Lehrfabrik Möbelindustrie in Löhne stattfand, geht auf Fragen wie diese ein. Auch diskutierten die…
Weiterlesen ›
Branchen-Image vom Staub befreien
Der Möbel- und Zulieferindustrie fehlen qualifizierte Arbeitskräfte. Umso wichtiger ist die Frage, wie Unternehmen ihren Personalbedarf künftig decken können. Wie muss die Ausbildung von heute aussehen, damit sie morgen noch trägt? Welche Bedeutung haben Fort-…
Weiterlesen ›
