Kurs halten in bewegten Zeiten

„Made in Germany“ ist für viele Polstermöbelhersteller längst zu teuer geworden. Walter Knoll produziert weiterhin komplett in Deutschland – und behauptet sich damit erfolgreich. Die HK besuchte den Premium-Anbieter am Stammsitz in Herrenberg und wollte wissen, was das Unternehmen anders macht, welche Strategien es verfolgt und wie es ihm gelingt, Möbel über einen langen Zeitraum zu Verkaufsschlagern zu entwickeln. Der Bericht erscheint in der HK 5/26. Auszüge daraus können Sie hier schon online lesen.

Walter-Knoll-CEO Markus Benz mit Tochter Mara Benz, die seit 2023 Teil der Geschäftsleitung ist. Foto und Bericht: Markus Schmalz

Es sind harte Zeiten für die deutschen Polstermöbelhersteller. In den amtlichen Statistiken zählt die Branche regelmäßig zu den Schlusslichtern unter den Möbelsparten. Während die Umsätze der gesamten deutschen Möbelindustrie 2025 um 3,4 Prozent zurückgingen, mussten die Polstermöbler mehr als doppelt so hohe Einbußen verkraften. Am Ende des Jahres stand ein Minus von 7,2 Prozent. „Glücklicherweise konnten wir uns besser entwickeln“, sagt Markus Benz, CEO von Walter Knoll. Das Unternehmen aus Herrenberg erwirtschaftete im vergangenen Jahr 66,3 Mio. Euro – ein Rückgang von lediglich 1,5 Prozent. „Trotz des schwierigen Marktumfelds sind wir stabil durch das Jahr gekommen“, erklärt Mara Benz, Tochter von Markus Benz und seit 2023 als CFO Teil der Geschäftsleitung.

Die Gründe für die Entwicklung liegen vor allem in der strategischen Ausrichtung des Familienunternehmens. Rund 70 Prozent des Geschäfts entfallen auf den Objektbereich, wozu unter anderem die Ausstattung von Unternehmen, Banken oder Flughäfen gehört. „Unser breiter, hochwertiger Produktansatz lässt uns größere Projekte entwickeln, vor allem auch in Verbindung mit unseren großen Möglichkeiten von Individual-Anpassungen“, sagt Mara Benz. Oder wie es Markus Benz formuliert: „Wir kümmern uns um die Erfolgreichen ihrer Zeit.“

Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit sehr guten, namhaften Designern und Architekten. Das stärkt die internationale Bekanntheit von Walter Knoll und steigert das Vertrauen der Kunden. Besonders gut lief es 2025 im Exportgeschäft. Etwa 60 Prozent der Kunden kommen aus dem Ausland. „Im Gegensatz zu Deutschland entwickeln sich einige internationale Märkte positiv“, so Mara Benz. Nordamerika und der Mittlere Osten spielen dabei eine wichtige Rolle.

Allerdings gehen die geopolitischen Unsicherheiten nicht spurlos an Walter Knoll vorbei. Der Krieg im Iran hat zu Jahresbeginn dazu geführt, dass weltweit Aufträge verschoben wurden. „Gerade in Middle East hatten wir diverse Projekte in der Pipeline, die sich um mehrere Monate verzögert haben“, berichtet Mara Benz. Zudem bleiben die gestiegenen Energie-, Material- und Transportkosten weiterhin eine Herausforderung – wenn auch nicht in dem Ausmaß wie unmittelbar nach der Corona-Pandemie.

Allgemein hat Walter Knoll aus der Corona-Zeit gelernt: Lieferketten wurden überprüft und stärker regional ausgerichtet. Bei seinen Zulieferern setzt das Unternehmen fast ausschließlich auf Partner aus Europa. So arbeitet man beispielsweise mit Gerbereien aus Norditalien und Deutschland zusammen. Das schafft kurze Wege und ein Stück mehr Unabhängigkeit von globalen Störungen.

Walter Knoll gehört zu den wenigen Polstermöbelherstellern, die noch vollständig in Deutschland produzieren. Am Stammsitz in Herrenberg wird diese Haltung sogar sichtbar: In der gläsernen Manufaktur können Passanten den Mitarbeitern bei der Arbeit zusehen. Dass daraus mitunter besondere Begegnungen entstehen, zeigt eine kleine Episode, die Mara Benz erzählt: „Vor ein paar Monaten hing ein Zettel von einer fremden Person an unserer Eingangstür. Darauf stand geschrieben: ‚Sie sind ein tolles Unternehmen‘.“ Ein ungewöhnliches Kompliment – und ein schönes Zeichen für die Verbundenheit der Menschen mit dem Standort.

Den gesamten Beitrag lesen Sie in der HK 5/26

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