Neu denken und vorne dabei sein

Mit welchen Highlights reist Jowat zur Holz-Handwerk? Dies erfuhr die HK beim Vor-Ort-Interview in Detmold. Zudem sprach Dr. Olaf Meincke, seit Jahresbeginn im Vorstand der Jowat SE, über den Stellenwert seines Bereichs Forschung und Entwicklung. Ingo Horsthemke, Vice President Global Marketing, verriet, wie die Erwartungen für das laufende Jahr ausfallen und mit welchen Strategien sich der Klebstoffspezialist für die Zukunft wappnet. Das Interview erscheint in der HK 2/26. Auszüge daraus können Sie schon jetzt online lesen.

Von links: Dr. Olaf Meincke und Ingo Horsthemke mit dem Modell, das mit zur Holz-Handwerk reist. Foto und Interview: Julia Gottschick

Herr Dr. Meincke, Sie wurden Anfang des Jahres in den Vorstand der Jowat SE berufen. Was hat Sie gereizt, in diese Position zu wechseln?

Meincke: Das persönliche Umfeld. Ich habe seit dem Jahr 2023 lange Gespräche mit dem Vorstand von Jowat geführt. Dabei hatte ich immer ein sehr gutes Gefühl und den Eindruck, dass Jowat überlegt und strategisch unterwegs ist. So hat man sich früh mit der Nachfolge-Regelung von Dr. Christian Terfloth beschäftigt, der zum 30. Juni in den Ruhestand geht. Wie diese Suche stattgefunden hat, das war schon sehr professionell.

Wie würden Sie in Ihrer neuen Funktion den Stellenwert von Forschung und Entwicklung (F & E) umreißen?

Meincke: Das Engagement von Jowat in Forschung und Entwicklung hat mich nachhaltig überzeugt. Aus meiner beruflichen Erfahrung im 3D-Druck, einem allgemein als hochinnovativ wahrgenommenen Markt, weiß ich, wie entscheidend konsequente F & E-Investitionen für Wettbewerbsfähigkeit sind. Vor diesem Hintergrund ist besonders bemerkenswert, mit welcher strategischen Klarheit Jowat Forschung und Entwicklung priorisiert und damit zeigt, dass das Unternehmen im Innovationsvergleich auf Augenhöhe agiert.

Können Sie das näher ausführen?

Meincke: Als weltweit agierendes Unternehmen ist Jowat in allen Weltregionen nicht nur produzierend, sondern auch mit eigener Forschung, Entwicklung und Anwendungstechnik präsent. Rund zehn Prozent unserer globalen Mitarbeiter arbeiten in diesen zukunftsrelevanten Bereichen. Für das laufende Jahr ist dafür ein Budget von circa 10,9 Mio. Euro vorgesehen. Das „Haus der Technik“ verdeutlicht in besonderer Weise die strategische Bedeutung von F & E und Anwendungstechnik für den nachhaltigen Erfolg von Jowat.

Herr Horsthemke, wie ordnen Sie die Bedeutung des Bereichs F & E ein?

Horsthemke: Jowats Selbstverständnis ist in punkto Klebstoffe das eines Innovations- und Technologieführers für die Holz- und Möbelindustrie. Forschung ist hierbei vor allem Grundlagenforschung. Da geht es um Themen von Morgen und Übermorgen, um Rohstoffeinsatz und Aspekte wie Nachhaltigkeit, aber auch um Effizienz im Kleben. Denn Kleben ist die am besten rationalisierbare Verbindungstechnologie. Wir wollen neu denken, vorne mit dabei und innovativ sein.

Herr Dr. Meincke, an welchen Innovationen forscht Jowat konkret?

Meincke: Spannend ist, was Jowat an öffentlich geförderten Projekten stemmt. Das ist ein eigenständiger Bereich innerhalb von F & E. Beispielhaft ist ein Kopernikus-Projekt des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), an dem wir mitarbeiten. Ziel des Projekts ist es, Energie und CO2 in Rohstoffe umzusetzen, um erstere speichern zu können und letztere nutzbar zu machen. Das so genannte Kopernikus-Projekt „P2X“ befasst sich mit der Erzeugung, Transportierbarkeit und Nutzung von Wasserstoff. Im Satellitenprojekt Kopernikus-Inside „Power-to-Polymers“ geht es um nachhaltige Polymermaterialien für die chemische Industrie auf „P2X“-Basis.

Wie profitiert die Möbelindustrie von diesem Projekt?

Meincke: Ausgangspunkt sind so genannte Polyoxymethylenether-Polyole (PME-Polyole), die als Rohstoffe für Polyurethan-Schmelzklebstoffe dienen, die in der Möbelindustrie eine entscheidende Rolle spielen. Die indirekte Nutzung von Kohlendioxid erfolgt über die Reaktion von CO2 mit „grünem“ Wasserstoff zu „grünem“ Methanol, das als Ausgangstoff für die Herstellung dieser neuen Polyole dient. Unser Ziel ist deren industrieller Einsatz in der Weiterentwicklung von Industrie-Klebstoffen für verschiedenste Anwendungsbereiche. Hauptprojektpartner ist die Power2Polymers GmbH, ein während des Projekts gegründetes Start-Up aus der RWTH Aachen.

Das Jowat-Produktmanagement hat vor allem das Anliegen, leistungsstarke Produkte passgenau auf Kundenbedürfnisse zuzuschneiden. Wie groß ist der Einfluss auf die Entwicklung?

Horsthemke: Jowat hat weltweit 26 Standorte. Sechs davon sind Produktions-Standorte. Das Produktmanagement ist global aufgestellt – in Ergänzung zu lokalen technischen Einheiten, woraus sich Synergie-Effekte ergeben. Dahinter steckt der Gedanke „In den Märkten für die Märkte“. Wir sind also nicht nur mit Vertrieb, Einkauf und Herstellung vor Ort, sondern auch mit F & E-Expertise und Anwendungstechnik. Dazu kommt der Produkt-Manager als Markt-Experte, der Bedarfe aus den globalen Märkten beobachtet: Was passiert gerade in Asien, was in Südamerika? Das kann sich stark decken. So wird für Entwicklungsvorhaben – im engen Austausch mit den Vertriebseinheiten – der Markt repräsentiert.

Wie kann man sich das in der Praxis genau vorstellen?

Horsthemke: Jowat arbeitet in „Innovationsteams“ – dem Zusammenschluss aus F & E, Anwendungstechnik und Produktmanagement. Dadurch haben wir die Markt-, Produkt- und die bewertende Expertise zusammen, was sich seit Jahren bewährt hat.

Welche Tendenz erwarten Sie für das laufende Geschäftsjahr?

Horsthemke: Was wir uns alle erhofft hatten in 2025 – nämlich, dass die konjunkturelle Wiederbelebung kommt –, ist nicht eingetreten. Auch der große Herbst-Boom ist nicht gekommen. So sind wir ins Jahr 2026 gegangen. Meiner Meinung nach wird das für die Möbelindustrie ein weiteres Jahr mit Herausforderungen. Ich sehe nicht, dass der konjunkturelle Aufschwung kommt – was sich mit der Einschätzung der Verbände deckt.

Und wie sieht Ihre Prognose über das Jahr 2026 hinaus aus?

Horsthemke: Ich würde das am Beispiel der IMM Cologne 2026 beantworten. Der Auslandsanteil dort betrug 97 Prozent. Das heißt, nur drei Prozent der Aussteller stammten aus Deutschland. 74 Prozent kamen aus China. In meinen Augen ist die aktuelle Situation der Möbelindustrie also nicht nur der Konjunktur geschuldet. Das ist ein strukturelles Phänomen. Der deutsche Möbel-Markt schwächelt. Die Kehrseite für uns als international aufgestellter Hersteller ist, dass der chinesische Möbelmarkt davon profitiert.

Was bedeutet das genau?

Horsthemke: China ist der größte Möbelproduzent und -exporteur dieser Welt. Das bedeutet, dass viele Möbel in China hergestellt werden. Und dafür werden Klebstoffe gebraucht. Seit über 20 Jahren ist die Marke Jowat dort bekannt. Allerdings gibt es auch im chinesischen Inland konjunkturelle und strukturelle Herausforderungen im Bau- und Möbelsegment. Darauf reagiert Jowat lokal.

Hat Jowats Engagement in Asien auch mit den Rohstoff-Strömen zu tun?

Horsthemke: Ja, viele Rohstoffe kommen heute bereits aus Asien. Allen voran ist China der größte Rohstoff-Markt für chemische Produkte. Daher investieren wir in den Ausbau der Wertschöpfung vor Ort. Neben unserem Produktions- und Entwicklungsstandort in Malaysia, der kürzlich seinen 25. Geburtstag feierte, hat Jowat 2023 ein weiteres Produktionswerk im Großraum Shanghai eröffnet. Das zeigt: Die Strategie des Unternehmens ist es, auf globale Märkte global zu reagieren.

Wo sehen Sie weitere Chancen im aktuellen Markt-Umfeld?

Horsthemke: In der Entwicklung, dass Produkte wie Möbel künftig dauerhafter und langlebiger ausgelegt werden. Was die Textil-Industrie unter „Fast Fashion“ kennt, ist beim Möbel das genaue Gegenteil. Hier liegt der Fokus zunehmend auf Qualität. Der Kunde kauft auf Dauer, für einen langen Lebenszyklus. Wenn wir das auf unsere Produkte herunterbrechen, ist Polyurethan (PUR) die Antwort. Mit so hochwertigen reaktiven Klebstoff-Systemen ist die chemische Verbindung, die Klebung, dauerhaft. Das ist eine Chance.

Apropos Polyurethan: Wie hoch ist die Nachfrage aus der Möbelindustrie?

Horsthemke: Jowat erhält tatsächlich mehr und mehr Nachfragen nach PUR für die unterschiedlichsten Klebstoff-Anwendungen. Ob leichtere Dosierung oder der Faktor Verpackungsvolumen: Um hier in der Darreichung die nächsten Schritte zu gehen und PUR noch mehr Verarbeitern zugänglich zu machen, gibt es granulierte Polyurethan-Schmelzklebstoffe. PUR-Granulate sind nachhaltiger, was den gesamten Energie-Einsatz betrifft.

Das vollständige Interview erscheint in der HK 2/26

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