Die Baukrise muss überwunden werden
Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist eine der drängendsten Fragen unserer Zeit. Auch die Möbel- und Einrichtungsbranchen sind massiv von der Baukrise betroffen. Denn wo nicht gebaut wird, werden keine neuen Möbel und Küchen benötigt. Anemon Strohmeyer, Geschäftsführerin des Verbandes der Deutschen Holzwerkstoffindustrie (VHI), fordert in ihrem Gastbeitrag verlässliche Rahmenbedingungen von der Politik. Und eine stärkere Sichtbarkeit des Holzbaus. Der Beitrag erscheint in der Ausgabe 3/25. Hier können Sie ihn schon jetzt online lesen.

Die Aktivitäten der vergangenen Bundesregierung haben sich als unzureichend erwiesen. Das Hickhack in der Förderung führte zu einer großen Verunsicherung in der Bevölkerung, aber auch in der Bauindustrie und bei ihren Zulieferern wie der deutschen Holzwerkstoffindustrie.
Wenn die Baukrise nicht gelöst wird, fehlt es nicht nur an Wohnungen, es werden auch zunehmend Produktionskapazitäten und Arbeitsplätze in der Bauindustrie und bei deren Zulieferern verloren gehen – und dies voraussichtlich auf Dauer. Auch die Möbel- und Einrichtungsbranchen leiden stark darunter. Die Holzwerkstoffindustrie ist von beiden Entwicklungen gleichermaßen betroffen: Sie ist sowohl Produzent im konstruktiven Baubereich als auch Zulieferer im Bereich Innenausbau, Innentüren, Möbel und Küchen. Im Jahr 2024 ging der Inlandsumsatz der deutschen Holzwerkstoffindustrie gegenüber dem ohnehin schon recht schwachen Vorjahr noch einmal um gut 10 Prozent zurück. Und die große Trendwende? Sie ist nicht in Sicht.
Umso dringender ist es, dass die politischen Signale jetzt ganz deutlich auf die Lösung der Baukrise – und zugleich auf die Bauwende – gerichtet sind. Darauf hat nicht nur der VHI als Verband, sondern die gesamte Bauwirtschaft hingewiesen. In einer gemeinsamen Anzeigenkampagne wurde auch die gesamte Wertschöpfungskette im Bereich Möbel und Einrichtung aktiv.
Bei der Wohnungsbauoffensive kann der Holzbau einen signifikanten Beitrag leisten, um schnell und kostengünstig Wohnraum zu schaffen, vor allem durch die modulare und serielle Bauweise. Er ist prädestiniert, Potenziale im urbanen Raum, etwa durch Aufstockung, zu heben. Ankündigungen der Koalitionäre wie die Einführung eines Wohnungsbau-Turbos und der Ausbau des sozialen Wohnungsbaus stimmen hoffnungsfroh, müssen aber erst einmal umgesetzt werden und in der Praxis ankommen. Hier darf keine Zeit verschenkt werden.
Neben der Wohnraumkrise müssen wir auch die Bauwende bewältigen, um die Emissionen des Gebäudesektors zu senken. Hierbei kann der Holzbau einen signifikanten Beitrag leisten – im konstruktiven Bereich, im Innenausbau und bei der Gebäudedämmung. Die positiven Aspekte des Bauens mit Holz als nachwachsendem Rohstoff sind unter anderem seine langfristige Kohlenstoffbindung, die Recyclingfähigkeit, eine bessere CO2-Bilanz, die Erfüllung von Nachhaltigkeitsanforderungen im Vergleich zu anderen Baustoffen, Gewichtsvorteile (für Aufstockung und kleinere Fundamente) sowie schnelle Bauzeiten aufgrund serieller und modularer Vorfertigung.
Obwohl dies seit langem bekannt ist, ist die Holzbauweise im Wohnbau und im Nichtwohnbau noch lange nicht dort, wo sie sein könnte – und aus Klimaschutzerwägungen sein müsste. Im Jahr 2023 wurde nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur gut jedes fünfte genehmigte Wohngebäude in Deutschland in Holzbauweise gebaut (22 Prozent). Bei den Nichtwohngebäuden stellte sich der Anteil mit 23,4 Prozent etwas höher dar. Seit 2003 hat sich der Anteil von 12,2 Prozent der Wohngebäude in Holzbauweise an allen genehmigten Wohngebäuden zwar fast verdoppelt, die Potenziale werden derzeit aber nicht optimal genutzt.
Daher: Anreize für das klimafreundliche Bauen sind nicht genug. Wir brauchen einen verlässlichen rechtlichen Rahmen, der ermöglicht und nicht verhindert – auch über die Grenze von Bundesländern hinweg. Wir brauchen eine Berücksichtigung der grauen Energie und des Carbon Footprints von Bauprodukten bei der Gebäudebewertung. Wir brauchen eine handlungsfähige und handlungsbefugte Bauverwaltung. Mit Bedenken vor Entscheidungen kommen wir nicht weiter. Auch brauchen wir eine verlässliche Förderung, damit Bauende wieder berechtigtes Vertrauen in die Zuschüsse erhalten. Hier ist viel Vertrauen verloren gegangen.
Damit der Holzbau sein volles Potenzial ausspielen kann, müssen Hemmnisse für das Bauen mit Holz ausgeräumt werden. Insbesondere regulatorische Anforderungen, die Holz gegenüber anderen Baustoffen benachteiligen. Zudem muss der Holzbau mehr ins Bewusstsein der relevanten Akteure kommen, müssen Vorurteile abgebaut werden, Ausbildungen und Verkaufsschulungen modernisiert und Kompetenz ausgebaut werden.
Gerade durch Leuchtturmprojekte wird der Holzbau ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht. Die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand ist ein wesentlicher Hebel. Die von der letzten Bundesregierung beschlossene Holzbau-Initiative muss daher mit konkreten Umsetzungsschritten und Haushaltsmitteln hinterlegt werden. Die Erwartungen an die neue Bundesregierung sind hoch, denn der Druck des Wohnungsmarktes und der bauenden sowie zuliefernden Industrie sind ebenfalls groß. Herausforderungen sind bewältigbar, wenn sie zügig und beherzt angegangen werden.
Den Gastbeitrag lesen Sie in der HK 3/25
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