Die Zukunft der Planung ist da
Unter der neuen Marke „Palette AI“ bündelt Palette CAD seine KI-Funktionen. Damit werden viele Arbeitsschritte automatisiert, die bisher manuell und zeitintensiv waren. Was „Palette AI“ heute schon alles kann und wie die Möbelplanung in ein paar Jahren aussehen könnte, erklärt Frank Kobs, Vorstand für Entwicklung bei dem Stuttgarter Software-Hersteller. Im Interview spricht Kobs auch über die Zukunft von KI im Alltag und darüber, welche Jobs durch die Technologie am meisten gefährdet sind. Der Beitrag erscheint in der HK 4/26. Auszüge daraus können Sie hier schon online lesen.

Herr Kobs, mit „Palette AI“ integriert Palette CAD Künstliche Intelligenz direkt in die CAD-Software. Können Sie uns die Funktionen kurz erläutern?
„Palette AI“ verfügt über drei grundlegende Tools. Zum einen den „AI Material Finder“, mit dem langes Suchen der Vergangenheit angehört. Der Kunde hat ein bestimmtes Wunschmaterial oder ein spezielles Muster im Kopf, aber der Anwender weiß nicht, wo man es in Palette CAD findet. In Sekundenschnelle analysiert die KI das gewünschte Materialbild und zeigt alle passenden Oberflächen an. Die zweite Funktion heißt „AI Floor Plan“. Darin steckt am meisten Know-how, weil wir die KI selbst trainiert haben. Der „AI Floor Plan“ verwandelt Grundrisse in kürzester Zeit in eine maßstabsgetreue 3D-Ansicht. Mit der dritten Funktion „AI Magic Touch“ gelingen Präsentationen ohne Mehraufwand. Das Ergebnis sind Bilder wie vom Profi-Designer, die begeistern und dem Kunden Stunden an Planungszeit sparen.
Wie hebt sich „Palette AI“ von KI-Lösungen Ihrer Wettbewerber ab?
Ich denke, dass die Integration in die Software bei uns besser gelungen ist als bei anderen. KI-Lösungen gibt es viele, oft werden einfach nur vorhandene Google-Tools verfeinert und die Prompts angepasst. Wir überlegen uns bei jeder Funktion genau, ob sie für den Workflow des Kunden wirklich Sinn macht. Mein Lieblingsspruch in diesem Zusammenhang lautet: „KI ist ein Hammer, aber nicht jedes Problem ist ein Nagel.“ KI sollte immer den Arbeitsalltag der Anwender erleichtern und nicht einfach nur aus Marketing-Zwecken umgesetzt werden.
Gibt es auch Vorbehalte der Kunden gegenüber KI-basierten Funktionen? Bei Endverbraucher-Chatbots wie ChatGPT oder Claude wird ja zum Beispiel kritisiert, dass nicht alle Informationen korrekt sind.
Eine KI ist nie perfekt. Das weiß jeder, der sich schon mal damit beschäftigt hat. Wir versuchen deshalb, KI nur dort anzuwenden, wo es vertretbar ist und für den Kunden einen klaren Mehrwert bringt. Deshalb haben wir zum Beispiel die Produktion noch außen vorgelassen. Ich bin aber überzeugt davon, dass KI-Lösungen in der Produktion früher oder später ein tolerierbares Fehlermaß erreichen und auch dort realisiert werden können. Künstliche Intelligenz wird ja trainiert und stetig verbessert. Es ist erstaunlich, wie schnell sich die Technologie entwickelt.
Wenn wir etwas weiter in die Zukunft blicken: Wie könnte die Möbelplanung in fünf bis zehn Jahren aussehen?
Ich denke, dass bei der Planung in Zukunft sehr viel über Prompting passieren wird. Das heißt, der Nutzer kann sich dann stärker auf kreative Aufgaben wie die Gestaltung des Möbels konzentrieren. Die technischen Details wird die KI erledigen, wobei gerade Schreiner und Tischler sehr viele unterschiedliche Fertigungsmethoden anwenden. Deshalb haben wir in Palette CAD verschiedenste Optionen eingebaut, damit jeder Kunde seinen eigenen Workflow abbilden kann.
In unserem Interview mit Palette-CAD-Firmengründer Walter Zinser vor anderthalb Jahren erwähnte Herr Zinser neben der KI auch das Thema cloudbasierte Software als Zukunftstrend. Wohin geht die Reise in diesem Bereich?
Cloud Computing wird immer wichtiger. Wenn man sich die Historie der Speicherung von Daten anschaut, stellt man fest, dass es im Laufe der Zeit immer Evolutionsstufen gab, die die Dinge vereinfacht haben. Ganz früher wurde noch auf Disketten gespeichert, später auf CDs und dann auf Servern. Ich bin überzeugt davon, dass die Cloud die nächste Stufe ist. Der einzige Grund, warum sich Cloud Computing noch nicht flächendeckend durchgesetzt hat, sind technische Limits. Zudem macht es nicht in jedem Einzelfall Sinn, Daten zu zentralisieren. Deshalb ist das Edge Computing entstanden, um Ressourcen näher zum Kunden auszulagern.
Als Vorstand für Entwicklung bei einem Softwarehersteller verfolgen Sie sicherlich auch die allgemeine Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Wie stark wird KI Ihrer Meinung nach den Alltag der Menschen verändern?
KI ist so disruptiv, wie es die industrielle Revolution Ende des 18. Jahrhunderts war. Wissensarbeit wird in den nächsten Jahren immer mehr automatisiert – das kann gut werden, es kann aber auch dystopisch ausgehen. Ich hoffe natürlich auf das positive Szenario, denn in dem Thema stecken große Chancen. Man muss sich dazu nur mal Dinge wie das autonome Fahren anschauen, was in den USA schon ganz normal ist. Oder clevere Übersetzungstools, die die Kommunikation von Menschen in der ganzen Welt vereinfachen. Auf der anderen Seite birgt KI auch Gefahren, sie macht zum Beispiel denkfaul. Daher braucht es klare gesetzliche Vorgaben und Rahmenbedingungen, etwa für Kinder und Jugendliche. Fakt ist: KI wird nicht mehr verschwinden. Deshalb ist es ganz wichtig, dass sich jeder damit auseinandersetzt.
Das gesamte Interview lesen Sie in der HK 4/26
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