Smarte Lösungen für harte Zeiten

Nicht erst seit der Ligna 2025 diskutiert die Branche intensiv über den Wettbewerb aus China. Viele Anbieter aus Fernost haben qualitativ stark aufgeholt und bieten Maschinen, die im Vergleich zu europäischen Modellen oft nur die Hälfte kosten. Allerdings schrecken Bedenken beim Service oder der Sicherheit viele Kunden hierzulande noch ab. Hier setzt Wehrmann Holzbearbeitungsmaschinen an, die mit dem chinesischen Hersteller Quick CNC eine Partnerschaft vereinbart haben und beim Service und den Komponenten „deutsche Qualität“ versprechen. Die HK wollte mehr darüber wissen und besuchte das Unternehmen in Barntrup. Der Beitrag erscheint in der HK 4/26. Auszüge daraus können Sie hier schon online lesen.

Von links: Produktionsleiter Frank Hubel, Vertriebler Richard Brakweh und CEO Cornelius Oheimb zeigen der HK die Wehrmann-Produktion. Foto und Bericht: Julia Gottschick

Anfang 2025 setzte sich Richard Brakweh ins Flugzeug gen China, um dort zwei Maschinenbauer zu besuchen. Das Ziel: die mögliche Kooperation mit einem Hersteller. „Es galt zu prüfen, ob die Standards unseren Vorstellungen entsprechen – im Vergleich zu dem, was wir hier im Sondermaschinenbau gewohnt sind“, berichtet er. Aus der Historie sei Wehrmann stets abseits der großen Serientechnik unterwegs gewesen. 2024 von der Gindumac GmbH übernommen, liefert das Barntruper Unternehmen seit 90 Jahren neben Neu- und Gebrauchtmaschinen vor allem Sonderlösungen und bietet den Service dazu an. „Demzufolge sind wir spezialisiert auf verschiedenste Bedarfe.“

Dass deutsche Kunden asiatische Maschinenbauer noch immer mit minderer Qualität und fehlender Langlebigkeit verbinden, war Brakweh, der bei Wehrmann für den Vertrieb in Norddeutschland und Benelux zuständig ist, klar. Und doch wurde er in der Fabrik in Jinan eines Besseren belehrt. Ist Quick CNC doch seit zwei Jahrzehnten auf Maschinen für die Holz- und Möbelbearbeitung sowie Plattenverarbeitung spezialisiert. Und das spüre man vor Ort, wie er sagt.

„In punkto Maschinenbau und Bearbeitungsgenauigkeit steht Quick uns in nichts nach“, sagt Brakweh und gibt ein kleines Beispiel: „Beim Schaltschrankbau sind seit 18 Jahren dieselben vier Fachfrauen damit beschäftigt, die Schränke zu verdrahten.“ Auch im Großen fand er Standards vor wie hier. Wehrmann kann sich zudem die Komponenten aussuchen, die in die Maschinen verbaut werden – HSD-Spindeln und -Bohrgetriebe etwa oder Yaskawa-Frequenz-Umrichter. „Komponenten, wie man sie in hiesigen Maschinen findet“, so Brakweh. Im Nachgang hat er sich im europäischen Umfeld umgeschaut und geprüft: Wo gibt es bereits Maschinen von Quick? „Da sind wir auf einen Zulieferer in den Niederlanden gestoßen und haben den Betrieb gemeinsam mit der Geschäftsleitung besucht“, erzählt der Vertriebler. Dort läuft eine Maschine von Quick CNC seit acht Jahren ohne Probleme. „Und vor drei Jahren wurde eine zweite gekauft.“

Geschichten wie diese sind es, die der Fachmann jenen Kunden erzählt, die noch immer Skepsis zeigen. Viele sind es nach eigenen Angaben nicht. „Von 150 Unternehmern, die ich im letzten Quartal besucht habe, wollten drei nicht mal einen Blick auf die chinesischen Maschinen werfen. Die übrigen waren offen“, berichtet er. Gerade jüngere Entscheider seien nach einem Generationswechsel im Unternehmen aufgeschlossen für eine neue Richtung und hingen nicht mehr so an traditionell gewachsenen Geschäftsbeziehungen mit einem einzigen Hersteller.

Ein wichtiger Punkt für alle jedoch ist der Service. Kunden fragen nach der Verfügbarkeit von Ersatz- und Verschleißteilen. Sie wollen wissen: Wer repariert die Maschine bei Stillstand? Wie schnell ist wer mit welchen Ersatzteilen vor Ort, um die Prozess-Sicherheit zu gewährleisten? Auch hier kann Richard Brakweh beruhigen: Quick-Maschinen werden erst in Barntrup funktionsgeprüft, bevor sie zum Kunden gehen. „Danach lagern wir die Verschleiß- und Ersatzteile jeder neuen Maschine als Paket bei uns ein und halten sie vor, um im Fall eines Maschinenstillstands sofort reagieren zu können“, beschreibt er.

Überhaupt übernimmt Wehrmann die komplette Abwicklung in Sachen Transport: See-Fracht, Verzollung am Hamburger Hafen bis hin zum Entladen des Containers in Ostwestfalen. Nach minutiöser Überprüfung werden die Maschinen ab dort CE-zertifiziert verkauft. Damit verpflichtet sich das Unternehmen als In-Verkehr-Bringer in den europäischen Markt, mögliche Sicherheitsmängel abzustellen. Ein Signal an Käufer, dass sich die Anlage problemlos betreiben lässt. Davon können sich Kunden im permanenten Showroom in Barntrup selbst überzeugen. Neben Anlagen weiterer Hersteller, die Wehrmann vertreibt, stehen dort Vorführ-Maschinen aus Jinan, auf denen Kunden Tests fahren und eigene Bauteile ausprobieren können. Integriert sind hier bereits HSD-Spindeln und Becker-Vakuum-Pumpen.

Auf diese Weise können Interessierte nachvollziehen, wie schnell der Teile-Durchsatz ist und welche Werkzeuge benötigt werden. „Teilweise stellen wir Muster-Material zur Verfügung, anhand dessen wir belegen, dass die Produkte können, was wir propagieren.“ Dennoch gebe es die perfekte Maschine nicht, wie der Vertriebler einräumt. Alles, was als verbesserungswürdig auffällt, wird direkt nach Jinan kommuniziert und verändert. Sicherheitsschalter beispielsweise, die nicht europäischen Anforderungen entsprachen. „Damit man sie nicht manipulieren kann, wurden sie auf kurzem Dienstweg ausgetauscht.“

Die Sorge, ob sich chinesische Software in europäische CAD/CAM-Systeme integrieren lässt, kann er ebenfalls zerstreuen. „Natürlich hat Quick zunächst eine eigene Software auf den Maschinen. Wir ersetzen sie allerdings künftig durch heimische TPA-CAD-Software, da wir damit vertraut sind und auf unser bestehendes Netzwerk zugreifen können.“ Das bedeute zwar, dass die Maschinen im Einkauf teurer werden, bleibe aber im Rahmen.

Ein Argument für Quick war die breite Range an Produkten, die der chinesische Hersteller im Portfolio hat: von CNC- und Kantenanleimmaschinen bis hin zu kompletten Produktionsanlagen für die Holzbearbeitung. „Das heißt, wir bedienen neben dem Handwerk auch Industrie-Betriebe“, betont der Experte. Denn Quick-Maschinen funktionieren sowohl stand-alone, als auch integrierbar in eine fertige Prozesskette im Rahmen der Serienfertigung. Hybrid-Lösungen sind ebenfalls möglich, indem man einen Cobot etwa vor einer Fünf-Seiten-Bohr-Maschine installiert. „Diesen kann man durch einfaches Stecker-Wechseln wieder ausklammern und an anderer Stelle der Produktion einsetzen, um mit der Maschine normal weiterzuarbeiten.“

Aber wie groß ist die Nachfrage nach chinesischen Anlagen im deutschen Markt überhaupt? CEO Cornelius Oheim spricht aus Erfahrung: „Der Markt ist überproportional steigend, die Nachfrage ist da“, sagt er. Auf der Holz-Handwerk 2026, wo Wehrmann eine Quick-Maschine im Gepäck hatte, war der Zulauf rege. „Der komplette Querschnitt der holzverarbeitenden Industrie Deutschlands, ja Europas, kam auf unseren Stand. Ein renommierter Küchenmöbelhersteller reiste mit einer ganzen Mannschaft an, die geradezu in die Maschine reingekrochen ist.“ Grund sei der steigende Kostendruck und mit ihm das Anliegen, effizient und kostenbewusst zu produzieren. „Geht es um neue Investitionen, schaut sich heute fast jeder chinesische Anlagen an.“ Dies werde auf längere Sicht zu Lasten der großen Hersteller, der etablierten Marken gehen, glaubt er.

Tatsächlich sind die Maschinen aus Jinan bis zu 60 Prozent günstiger als Anlagen großer Marktbegleiter – und das obwohl europäische Komponenten darin verbaut sind. Das hängt mit dem Lohn- und Preisgefüge in China zusammen, durch das sich andere Herstellungskosten ergeben. „Gemessen an den Gesamtkosten machen Personalkosten hierzulande roundabout 33 Prozent aus“, beziffert der Wehrheim-Geschäftsführer. In China liege das Gehaltsniveau bei 15 bis 20 Prozent dessen, was ein deutscher Facharbeiter verdient. „Setzt man das ins Verhältnis zu unseren 33 Prozent, ist das eine gigantische Kosteneinsparung, die man generiert, wenn man dort produziert.“ Hinzu komme die aggressive Preispolitik, die China betreibt.

Der Skrupel, heimischen Maschinenbau durch asiatische Billig-Konkurrenz zu unterwandern, sei schnell zur Seite geschoben, wenn es um jeden Euro geht, ist Oheimb überzeugt. Unternehmer suchten schlicht die beste Lösung für den eigenen Betrieb. Richard Brakweh für seinen Teil traf jüngst einen mittelständischen Kunden, der zwei Losgröße-1-Linien eines großen Mitbewerbers besitzt, von denen eine ausgetauscht werden soll. Zunächst stellte der Vertriebler die Sechs-Seiten-Bohrmaschine und dann das Smart-Production-Angebot von Quick vor.

Letzteres umfasst eine komplette Produktionslinie – vom Plattenlager über die Nestinganlage, einen Pufferspeicher, die einseitige Kantenanleimmaschine, eine Durchlauf-CNC, einen weiteren Pufferspeicher, einen Sortierspeicher bis hin zum Stapelroboter. „Damit lagen wir bei 1,5 Mio. Euro für eine Losgröße-1-Fertigung. Große Wettbewerber bieten das für etwas mehr als sechs Mio. Euro an“, rechnet er vor. Schnell kam er mit dem Kunden zum Ergebnis: „Zwei Produktionslinien für immens weniger Kosten – und eine Investition mit Prozess-Sicherheit.“

Auch den Vorbehalt, der Ersatzteile wegen in China anrufen zu müssen, stellte er schnell klar. Stattdessen läuft ein Service-Fall in Sachen Quick ganz klassisch ab. „Das Handy meines Werkstatt-Kollegen klingelt – und die Prozesskette wird gestartet“, schildert Brakweh. „Wir prüfen: Was ist defekt? Haben wir das Teil hier? Wann passt ein Service-Einsatz? Oder reicht ein Online-Gespräch über Team-Viewer zur Fehler-Ermittlung? Alles genauso, wie es auch bei heimischen Herstellern läuft, die wir im Portfolio haben.“

Den gesamten Beitrag lesen Sie in der HK 4/26

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