Kunden-Anforderungen konsequent umsetzen
Eines der größten Investitionsprojekte der Branche nimmt derzeit in Markt Bibart Gestalt an. Bis Herbst 2026 modernisiert die Egger-Gruppe ihr dortiges Spanplatten-Werk für über 200 Millionen Euro. Der Holzwerkstoff-Riese hatte die ehemalige Rauch-Produktion im November 2023 übernommen. Bei einer Werksbesichtigung bekam die HK exklusive Einblicke in die Baumaßnahmen und erfuhr, wie Egger den Standort mit einer neuen Recyclingholz Aufbereitung und Beschichtung fit für die Zukunft machen will. Der vollständige Bericht erscheint in der Ausgabe 2/25 am 9. Mai. Auszüge daraus können Sie schon jetzt online lesen.

Das beschauliche Markt Bibart in der Nähe von Würzburg hat gerade mal 1.895 Einwohner. Noch kleiner ist der Ortsteil Fuchsau, in dem das 22. Werk von Egger liegt. Von 1958 bis 2023 produzierte die Rauch-Gruppe hier Spanplatten für ihre Möbelfertigung. Eine klassische Rückwärtsintegration, für die sich der Hersteller von Schlafzimmermöbeln in den 1950er-Jahren entschieden hatte. Bis im Zuge der Markt-Abkühlung vor zwei Jahren die Erkenntnis reifte, sich auf die Weiterentwicklung der eigenen Möbelproduktion zu fokussieren – und das Spanplattenwerk zu verkaufen. Egger nutzte die Gunst der Stunde und entschied sich, das Werk zu übernehmen. „Nachhaltiges Wachstum aus eigener Kraft ist unser erklärtes Ziel“, betonte Thomas Leissing, Egger-Gruppenleitung Finanzen/Verwaltung und Sprecher der Gruppenleitung, bei der Unterzeichnung des Kaufvertrages im September 2023. „Mit diesem weiteren Standort in unserem Kernmarkt Deutschland führen wir unsere Strategie erfolgreich fort“, so Leissing weiter.
Das Werk stellte in der Vergangenheit nicht nur die Eigenversorgung von Rauch sicher, sondern belieferte auch externe Möbelproduzenten sowie Türenhersteller. Die Kunden schätzen die Platten aus Markt Bibart wegen ihrer sehr feinen Deckschicht. Eine Top-Qualität, die selbst von Marktbegleitern gelobt wird. Entsprechend nahm der Anteil an Drittkunden in den letzten Jahren kontinuierlich zu. Die damit verbundene Komplexität sowie die Tatsache, dass die Kunden im Möbelbereich teilweise Wettbewerber von Rauch waren, spielten bei der Verkaufsentscheidung sicherlich eine Rolle.
Die Historie als breit aufgestellter Produktionsstandort für die nationale und internationale Möbel- und Türenindustrie erklärt auch die technischen Besonderheiten, die Egger bei der Übernahme vorfand. „Markt Bibart ist ein absolutes Spezialitäten-Werk. Durch das Maschinen-Setup arbeiten wir hier mit sehr großen, bis zu 20 Meter langen Rohspanplatten. Das ist für Egger bisher einmalig“, erklärt Bruno Hülsbusch, Werksleiter Verkauf, beim HK-Besuch. Auf zwei parallel laufenden Zuschnittsägen werden die Platten so zugeschnitten, dass alle Kunden-Anforderungen erfüllt werden können. Auch die der Türenindustrie, die oft individuelle Maße benötigt.
Beim Rundgang über das Werksgelände merkt man sofort, dass Egger sich für den Standort viel vorgenommen hat. Überall wird derzeit gebaut und erweitert – nicht nur in der Produktion. Seit der Akquisition setzt das Unternehmen umfangreiche, mehrstufige Investitionsschritte um, die im Herbst 2026 abgeschlossen sein sollen. In Summe werden mehr als 200 Millionen Euro investiert. „Wir sind überzeugt von dem Werk und seinen Möglichkeiten. Ziel ist es, mittel- und langfristig einen strategischen Rohspan- und Beschichtungsstandort aufzubauen“, sagt Michael-Bernd Wehmeyer, Divisionsleitung Vertrieb/Marketing Egger Decorative Products Mitte. Zudem soll das Werk auf mehr Effizienz getrimmt werden. „Hier sehen wir durchaus noch Potenzial“, so Wehmeyer.
In Markt Bibart stehen Anlagen zur Produktion von Rohspanplatten mit einer Kapazität von bis zu 650.000 m³ jährlich zur Verfügung. Herzstück ist eine 52 Meter lange und 2.250 mm breite „Contiroll“ der „Generation 8“ mit Vorschubgeschwindigkeiten von bis zu 1.500 mm/s. Die Anlage ist ausgelegt für Dicken von 8 bis 44 mm. Künftig kann potenziell die Gesamtkapazität auf bis zu 750.000 m³ steigen, davon 280.000 m³ beschichtete Platten. Die 195 Mitarbeiter des Rauch-Spanplattenwerks wurden komplett übernommen. Im Zuge der Investitionen entstehen vor Ort 50 weitere Arbeitsplätze.
Eine wesentliche Neuerung wird der Einsatz von Recyclingholz für die Spanplatten-Produktion sein. Am Standort Markt Bibart konnte bisher nur Frischholz verarbeitet werden. Die Egger-Gruppe kann im Bereich Recyclingholz auf 30 Jahre Erfahrung zurückblicken. Recyclingholz stammt etwa aus alten Möbeln, Verpackungsmaterial oder Plattenabschnitten. Damit daraus ein hochwertiger neuer Werkstoff wird, bedarf es spezieller Anlagen, die das Material hocheffizient aufbereiten. Eine solche Anlage wird in Markt Bibart im Moment aufgebaut.
Der Baustart für die neue Recyclingholz-Aufbereitungsanlage erfolgte im September 2024. Im Sommer dieses Jahres soll sie in Betrieb gehen. „Zuerst kommt die Trocken-Inbetriebnahme und Ende des Sommers dann voraussichtlich die Umstellung auf die Produktion“, erklärt Markus Scheran, Werksleitung Technik/Produktion. Die Bauarbeiten schreiten in einem beachtlichen Tempo voran. „Wir liegen voll im Zeitplan“, sagt Scheran.
In den letzten Monaten konnten einige wichtige Schritte gemacht werden. „In der mechanischen Montage sind wir schon bei über 80 Prozent. Angefangen haben wir mit der Elektromontage. Im Moment erfolgen die Dacharbeiten. In den nächsten Wochen wird die Halle der Recyclingholz-Aufbereitungsanlage dann geschlossen und sukzessive fertiggestellt“, so Scheran. Zudem sind die Arbeiter gerade dabei, den Lagerplatz für das Recycling-Material vorzubereiten.
Den kompletten Bericht lesen Sie in der HK 2/25
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