Zuviel Marktmacht schadet der Branche

Der Möbeljahr 2025 startete mit einem Paukenschlag: Der Handelsriese XXXLutz übernimmt die Porta-Gruppe. Damit wird die Nummer sechs in Deutschland von der Nummer zwei geschluckt. Der Verband der deutschen Möbelindustrie (VDM) schlägt Alarm und befürchtet, dass der Deal zu einer inakzeptablen Konzentration auf Abnehmerseite führen könnte. Schon jetzt fühlen sich viele Hersteller von der Macht der milliardenschweren Einkaufsverbände erpresst. Der Vorwurf: Die Großen nutzten ihre Position aus, indem sie Bedingungen diktierten, die für die mittelständischen Möbelproduzenten schnell ruinös werden. Sollte das Kartellamt die Akquisition durchwinken, dürfte sich der Preiskampf nochmals verschärfen. „Die Porta-Übernahme ist ein Kipppunkt. Wenn der überschritten wird, kann man nicht mehr von einer gesunden Struktur im Möbelhandel sprechen“, sagte VDM-Hauptgeschäftsführer Jan Kurth gegenüber der „Wirtschaftswoche“.
Auch in der Holzwerkstoffindustrie dominieren wenige Großkonzerne das Geschehen. Hinzu kommt, dass sich die zwei Schwergewichte Kronospan und Egger immer weiter vom Rest der Branche absetzen. Darüber hinaus haben viele Unternehmen ihre Kompetenzen in der Vergangenheit durch Rückwärtsintegration erweitert. Vom Sägewerk über Leim- und Imprägnierkapazitäten bis zur eigenen Papier-Produktion: Die Big Player verfügen mittlerweile über ein beeindruckendes Know-how. Weshalb sich mancher Oberflächenspezialist die Frage stellt, was als nächstes folgen könnte. Vor kurzem wurde bekannt, dass die zu Kronospan gehörende Gesellschaft Banasino ihre Anteile an Surteco aufgestockt hat. Zudem ist der Holzwerkstoff-Gigant nach unbestätigten Informationen bereits seit längerem über den polnischen Investmentfonds Ipopema an Impress beteiligt.
Holt sich die Holzwerkstoffindustrie jetzt auch noch den Dekordruck ins Haus? Davon ist eher nicht auszugehen. Die meisten Anbieter setzen weiterhin auf Partnerschaften mit ihren Lieferanten. Außerdem dürfte das Interesse von Kronospan an Surteco nach Einschätzung von Experten nicht ausschließlich dem klassischen Melaminbereich gelten. Spannend ist zum Beispiel das Segment Trennpapiere. Oder das Kantengeschäft, bei dem Wettbewerber Egger seit der Übernahme von Roma Plastik im Jahr 2010 kräftig mitmischt. Dennoch rechnen Beobachter damit, dass mancher kleinere Dekordrucker über kurz oder lang auf dem „Einkaufszettel“ eines Holzwerkstoffproduzenten landen könnte. Und da die Branche daneben auch weiterhin horizontal integriert, wird sich der Konzentrationsprozess wohl fortsetzen.
Natürlich kann man keinem Unternehmen vorwerfen, dass es strategisch klug handelt und durch Zukäufe oder Beteiligungen wächst. Doch gerade in konjunkturell schwierigen Zeiten braucht es ein faires Miteinander. Die Möbelhersteller dürfen nicht zum Spielball von mächtigen Verbänden und finanzkräftigen Zulieferern werden. Denn das hätte weitere Insolvenzen zur Folge – und damit weniger Auswahl. Die ist aber wichtiger denn je, wenn man die Endverbraucher zurück in die Möbelhäuser locken möchte.
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