Zwischen Aufholjagd und Heimvorteil

Wer auf der letzten Ligna genau hingeschaut hat, konnte es kaum übersehen: Chinesische Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen waren so präsent wie nie zuvor. Mit großen Ständen, selbstbewussten Auftritten und technisch ausgereiften Lösungen räumten sie endgültig mit dem Klischee des reinen Billiganbieters auf. Kein Wunder, dass sich auch deutsche Möbelhersteller ganz gezielt an den Messeständen der Asiaten informierten.
Unternehmen wie KDT oder Nanxing verkaufen inzwischen jährlich über 10.000 Maschinen rund um den Globus. Solche Stückzahlen erreicht niemand mit Produkten, die den Anforderungen des Marktes nicht gerecht werden. Automatisierung, Software-Integration und Maschinenkonzepte bewegen sich vielfach auf einem Niveau, das europäische Wettbewerber sehr ernst nehmen. Das bleibt nicht ohne Folgen: Auch etablierte Hersteller richten ihre Produktion zunehmend global aus. So fertigt etwa Homag in Asien nicht mehr nur für lokale Kunden, sondern zunehmend auch für den Export.
Doch in Deutschland entscheiden nicht nur Technik, Ausstattung und Preis über den Kauf einer Maschine. Wer investiert, erwartet über viele Jahre hinweg eine zuverlässige Ersatzteil-Versorgung, kompetenten Service und höchste Sicherheitsstandards. Genau hier können heimische Produzenten ihre Stärken ausspielen. „Die Total Cost of Ownership über den gesamten Lebenszyklus macht den Unterschied“, sagt Leitz-CEO Jürgen Köppel im Interview, das wir anlässlich des 150. Jubiläums des Weltmarktführers in Oberkochen geführt haben. So könne ein Werkzeug von Leitz bis zu zehn Mal nachgeschärft werden, während dies bei vielen Wettbewerbsprodukten aus China nur ein- bis zweimal möglich sei (Teil eins des Interviews finden Sie unter https://hk-magazin.com/premium-article/die-zukunft-mit-weitblick-gestalten/ und Teil zwei unter https://hk-magazin.com/premium-article/mit-fokus-auf-eigene-staerken/).
Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass neue Kooperationen entstehen. So ist Wehrmann Holzbearbeitungsmaschinen vor kurzem eine Partnerschaft mit dem chinesischen Hersteller Quick CNC eingegangen. Damit verknüpft das Unternehmen aus Barntrup die Kostenvorteile einer Fertigung in Asien mit der Service-Qualität eines deutschen Händlers. Wie das Konzept in der Praxis funktioniert, lesen Sie in einer großen Reportage in der HK 4/26.
Der Wandel geht inzwischen weit über den Export einzelner Maschinen hinaus. Mit Masterwood gehört bereits seit 2019 ein traditionsreicher italienischer Hersteller zur KDT-Gruppe. Es ist durchaus vorstellbar, dass eines Tages auch ein ganz großer Player des europäischen Holzbearbeitungsmaschinenbaus von einem chinesischen Konzerns übernommen wird. Deshalb sollten die Europäer ihre Stärken nicht als selbstverständlich betrachten, sondern diese konsequent weiterentwickeln und um neue Alleinstellungsmerkmale ergänzen. Qualität, Innovation, Service und Kundennähe haben den europäischen Maschinenbau groß gemacht. Genau dort wird sich künftig entscheiden, wer im internationalen Wettbewerb die Nase vorn hat.
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In der HK 3/26 erwartet Sie ein großes Italien-Special: HK-Chefredakteur Markus Schmalz ist über den Brenner gereist und hat neben dem zu Egger gehörenden Holzwerkstoffhersteller SAIB den Beschlaghersteller FGV besucht, der 2024 von der Hettich-Gruppe übernommen wurde. Weiterer Schwerpunkt der Ausgabe ist die Möbelkante. Das Supplement „Türen-Magazin“ beleuchtet zudem neueste Entwicklungen aus der Branche.
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